Armin Wolf und Co.
Millionen-Betrug mit Promi-Fake-News aufgedeckt
Wie die Behörden am Mittwoch in einer Pressekonferenz bekannt gaben, wurden die Opfer - darunter auch zahlreiche Österreicher - mit diesen falschen Informationen zu Investitionen in Kryptowährungen gebracht. Drei Callcenter in Albanien wurden ausgehoben.
Oberstaatsanwältin Alexandra Völkel von der WKStA sprach von einem "besonders schweren Fall von Internetbetrug", bei dem ein "großer Ermittlungserfolg" gelungen sei. Die österreichischen Behörden hatten vor zwei Jahren die Untersuchung aufgrund einer Häufung an Anzeigen in Wien im Juni 2023 eingeleitet. Deshalb appellierte Reinhard Nosofsky, Leiter des Büros Ermittlungen - Betrug und Wirtschaftskriminalität im BK, jeden Betrug anzuzeigen, weil so die Vorgehensweise der Täter und deren Verhalten besser ergründet werden können. "Was für Außenstehende belanglos gilt, kann für unsere Ermittlerinnen und Ermittler entscheidend sein", sagte Nosofsky. Durch die Anzeigen aus Österreich forschten die BK-Ermittler rasch die Callcenter in Tirana mit insgesamt 450 Arbeitsplätzen aus. Am 17. April 2026 gab es einen koordinierten Zugriff.
Größtes Callcenter hatte 300 Arbeitsplätze
Das größte der drei Callcenter mit 300 Arbeitsplätzen befand sich im Zentrum von Tirana in einem Businesstower, aufgeteilt auf zwei Etagen. Es waren moderne Großraumbüros mit klaren hierarchischen Strukturen, wo Whiteboards mit zugeteilten Teams für die jeweiligen Länder zu sehen waren, sagte Nosofsky. Es gab etwa Desks für "German", die die Länder Österreich, Deutschland und die Schweiz behandeln sollten. Bei dem Zugriff befanden sich rund 80 Personen, die gerade dabei waren, ihre Opfer zu Zahlungen zu überreden. Einigen Verdächtigen gelang durch versteckte Ausgänge die Flucht. Als die Ermittler im Raum waren, wurden die Anrufe von potenziellen Opfern übernommen, damit keine weiteren Überweisungen mehr getätigt werden.
Neben den Callcentern wurden auch neun Privatwohnungen durchsucht. Dabei wurden rund 450 Computer (443 Standcomputer und sechs Laptops) und 238 Mobiltelefone sichergestellt. Ebenso beschlagnahmten die Ermittler diverse Datenträger und Speichermedien, die nun ausgewertet werden müssen. "Jetzt beginnt die kriminalpolizeiliche Knochenarbeit", sagte Nosofsky. Zehn Personen wurden festgenommen, andere auf freiem Fuß angezeigt. Es handelt sich größtenteils um albanische Staatsangehörige, Männer im Alter von 25 bis 40 Jahren. Ermittelt wird wegen gewerbsmäßigen schweren Betruges und wegen Mitgliedschaft einer kriminellen Vereinigung, sagte die WKStA-Mediensprecherin Völkel. Die Aktion erfolgte mit Unterstützung von Europol und Eurojust. Der Schaden beträgt mindestens 50 Millionen Euro, Ermittler gehen aber von weit mehr aus. 900.000 Euro konnten noch sichergestellt werden.
Promis im Visier der Kriminellen
Für den Betrug wurden die Identitäten von bekannten Persönlichkeiten wie Bundespräsident Alexander Van der Bellen oder die ORF-Moderatoren Armin Wolf und Nadja Bernhard benutzt, die auf gefälschten Fotos oder Fake-Videos für diese Investitionen warben. So ist etwa der Bundespräsident zu sehen, der sich für das Investment verbürgte und in dem Video sagte: "Verlieren Sie keine Zeit, handeln Sie jetzt." Dabei wurde für eine Zahlung von 250 Euro ein monatlicher Auszahlungsbetrag von 250.000 Euro versprochen. Aber auch Ex-Bundeskanzler Karl Nehammer, Fußballprofi David Alaba, Ex-Skistar Hermann Maier, TV-Moderatoren Armin Assinger und Mirjam Weichselbraun sowie Kabarettist und "Willkommen Österreich"-Host Christoph Grissemann waren auf den Aufnahmen zu sehen. "Wie Sie sehen, sind diese Fakes zum Glück nicht perfekt gemacht", sagte Völkel, "leider reicht es jedoch trotzdem immer wieder, dass Menschen der einen oder anderen Variante davon Glauben schenken und sich so tatsächlich verleiten lassen, auf diesen Plattformen einzuzahlen."
Die Betrugsopfer sind größtenteils in Europa zu finden, neben Österreich auch in Deutschland, Italien, Griechenland, Spanien, Großbritannien und Kanada. In Österreich gab es rund 150 Opfer mit einem Schaden von 26 Millionen Euro. Einstiegswert für die Investitionen war 250 Euro, allerdings gab es auch Opfer, die ihre gesamten Ersparnisse im Millionenwert investierten. Besonders dreist: Wenn die Opfer stutzig wurden, wurden sie von falschen Rechtsanwaltskanzleien kontaktiert und zur Zahlung eines Honorars gebracht, um das angeblich eingefrorene Investment wiederzubekommen.
Schnell wachsender Kriminalitätsbereich
Der Anlagebetrug mit "unglaublich hohen Versprechungen" sei der "schnellste wachsende Kriminalitätsbereich" in Europa, sagte Senior Specialist Sebastian Bley, Leiter des Serious Fraud-Teams des European Financial & Economic Crime Centre (EFECC) bei Europol. "Tendenz weiter steigend." Diese Zunahme ist der zunehmenden Professionalisierung und der Arbeitsteilung der Täter zu verdanken, die über ganz Europa verteilt sind. Diese schalten - so wie in diesem Fall - auch Anzeigen über Social Media, wo die Opfer auf sogenannten Landing Pages kommen, um dort ihre persönlichen Daten einzugeben. Danach werden sie von den Brokern über die Callcenter kontaktiert, um ihre Investitionen zu tätigen. Aufgrund der Digitalisierung können so "unheimlich viele Opfer" erreicht werden, sagte Bley.