Fünf weitere Fälle

Neuer Missbrauchsskandal um SOS-Kinderdorf-Gründer Gmeiner

05.03.2026

Gegen den Gründer von SOS-Kinderdorf, Hermann Gmeiner, sind weitere Missbrauchsvorwürfe bekannt geworden.  

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Wie der "Falter" in seiner aktuellen Ausgabe schreibt, sind fünf weitere Fälle aufgetaucht, vier in Österreich und einer in Deutschland. SOS-Kinderdorf bestätigte die Vorwürfe, in den betroffenen Fällen würden bereits Opferschutzverfahren laufen. "Darüber hinaus sind vier weitere Hinweise auf Fehlverhalten eingegangen", hieß es seitens der Organisation.

"Darunter sind auch Meldungen von Personen, die nie bei SOS-Kinderdorf betreut wurden, sowie von Personen, die nicht selbst von gemeldetem Fehlverhalten betroffen waren", so SOS-Kinderdorf in einer Stellungnahme. Mit sämtlichen Hinweisgeberinnen und Hinweisgebern steht SOS-Kinderdorf demnach im Austausch. Die Reformkommission sei über alle Inhalte - sowohl über die acht historischen Opferschutzfälle als auch über die fünf laufenden Verfahren und die vier weiteren Hinweise - informiert worden.

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Bei SOS-Kinderdorf war man von den neuen Vorwürfen gegen Gmeiner nicht überrascht. Die ersten Missbrauchsvorwürfe gegen den Gründer veröffentlichte SOS-Kinderdorf Ende Oktober 2025 selbst: Demnach waren in den Jahren 2013 bis 2023 bei der Opferschutzkommission rund 200 Meldungen eingegangen, acht davon betrafen Gmeiner. Hier gaben Personen plausibel an, von Gmeiner sexuelle Gewalt erlitten zu haben und wurden seitens SOS-Kinderdorf mit bis zu 25.000 Euro und der Übernahme von Therapiestunden entschädigt.

Studie soll Klarheit bringen

Neben der Aufarbeitung von Meldungen und Vorwürfen aus der Vergangenheit an den österreichischen Standorten von SOS-Kinderdorf wird der Organisation zufolge eine historische Studie vorbereitet. Diese soll lange zurückliegende Vorwürfe im Zusammenhang mit Gründerpersonen untersuchen und dabei auch die Rolle Hermann Gmeiners und weiterer Gründerfiguren sowie die damit verbundenen Macht- und Organisationsstrukturen analysieren. "Die Ergebnisse werden transparent dokumentiert und veröffentlicht", hieß es.

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Ausgangspunkt dieser Studie sind bekanntgewordene Vorwürfe im Zusammenhang mit Gründerpersonen. Im Zuge der Aufarbeitung wurden acht historische und abgeschlossene Opferschutzfälle bekannt, die konkret Gmeiner als Täter betreffen. Auch gegen Gmeiners Nachfolger als Präsident von SOS-Kinderdorf, Helmut Kutin, liegen Verdachtsfälle im Zuge eines Missbrauchsfalls durch einen österreichischen Großspender vor.