Sahara-Geiseln

Neues Ultimatum bis Sonntag gestellt

16.03.2008

Die "Al Kaida im Islamischen Maghreb" veröffentlichte neue Botschaft. Unterdessen bat Gusenbauer Gaddafi um Hilfe.

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Die Entführer der beiden österreichischen Touristen Wolfgang Ebner und Andrea Kloiber haben ihr Ultimatum um eine Woche bis Sonntag Mitternacht verlängert. Die Terrorgruppe Al Kaida im islamischen Maghreb" veröffentlichte eine entsprechende Botschaft im Internet, wie das US-Forschungsinstitut SITE am Montag mitteilte. Das Außenministerium hatte am Sonntagabend erklärt, das das um Mitternacht abgelaufene Ultimatum verlängert werde. Zu einer neuen Frist wurden keine Angaben gemacht.

"Nach dem Auslaufen des dreitägigen Ultimatums, das dem Staat Österreich in der Angelegenheit der entführten Touristen gestellt worden war, und unserer Antwort auf die Forderung der verhandelnden Partei, würden wir der Öffentlichkeit gerne mitteilen, dass die Mujahedeen entschieden haben, Österreich eine weitere Woche Zeit zu geben, beginnend mit gestern Mitternacht", heißt es in der von dem US-Terrorforschungsinstitut SITE veröffentlichten Erklärung.

Gusenbauer telefoniert mit Gaddafi
Das Telefonat soll am vergangenen Freitag stattgefunden haben, berichtete ORF-Korrespondent Karim El-Gawhary Montagmittag in der Zeit im Bild. In dem Gespräch zwischen dem Kanzler und Gaddafi dürfte es um die Entführung der beiden österreichischen Touristen am 22. Februar in Tunesien gegangen sein. Laut libyscher Nachrichtenagentur sei ein "Thema des gemeinsamen Interesses" besprochen worden.

Gaddafi hat laut libyschen Angaben auch mit dem malischen Präsidenten Amadou Toumani Toure telefoniert. In diesem Gespräch sei es um "regionale Angelegenheiten" gegangen. Die beiden österreichischen Geiseln werden zur Zeit im Norden Malis vermutet.

Die Verhandlungen mit den Entführern liefen, so die algerischen Medien, derzeit auf Hochtouren und konzentrierten sich auf Lösegeldforderungen. Die von den Entführern der beiden österreichischen Touristen der Regierung in Wien gesetzte Frist, die Sonntag um 24.00 Uhr abgelaufen wäre, war am Sonntag verlängert worden.

Anstrengungen gehen weiter
Die Anstrengungen zur Befreiung der beiden Salzburger gingen auf allen Ebenen mit Hochdruck weiter. Oberstes Gebot dabei sei die Sicherheit und Unversehrtheit der Geiseln. Launsky-Tieffenthal bat um Verständnis, dass man keine weiteren Details dazu bekanntgeben könne. Außenministerin Ursula Plassnik habe die Angehörigen der Geiseln über die jüngsten Entwicklungen informiert. Der Krisenstab im Bundeskanzleramt mit Vertretern des Außen-, Innen- und Verteidigungsministeriums stehe ständig in Kontakt mit den Angehörigen der Entführten.

Das Halleiner Touristenpaar war am 22. Februar während einer Wüstentour in Tunesien entführt worden. Die beiden Geiseln sollen sich nach algerischen Presseberichten in der Hand des algerischen Islamistenführers Abdelhamid Abou Zaid, des Stellvertreters von Yahyia Abou Ammar, des Al-Kaida-Chefs für die Sahara und die Sahel-Zone, befinden und inzwischen nach Mali verschleppt worden sein.

Lösegeldforderung wird immer konkreter
Immer offener wird laut algerischen Medien bereits über Lösegeld gesprochen. Eine Million Euro und einen Gefangenenaustausch würden die Entführer fordern. Nachdem sich "Al-Kaida im Islamischen Maghreb" zu der Entführung bekannt hatte, forderte die Gruppe zunächst die Freilassung von Mitstreitern aus algerischen und tunesischen Gefängnissen im Tausch für die beiden Österreicher. Die algerische Tageszeitung "L'Expression" berichtete unlängst von Hinweisen auf "große finanzielle Schwierigkeiten" der früheren "Salafistischen Gruppe für Predigt und Kampf" (GSPC).

Mutter des Entführeres setzt sich für Freilassung ein
Zaids Mutter Fatima Hamadou appellierte am Sonntag in der Zeitung "Annahar"an ihren Sohn, die Geiseln freizulassen. Laut ZiB vom Sonntagabend heißt es in dem Appell: "Fürchte Gott, respektiere Algerien, komme zu deinen Sinnen, lasse die Geiseln frei." "Annahar" veröffentlichte auf ihrer Homepage ein Foto der Mutter Zaids und ihres Sohnes.

Ex-Botschafter verhandelt
Medienberichten zufolge hält sich der frühere Botschafter Anton Prohaska als österreichischer Emissär in der Hauptstadt Malis, Bamako, auf, um die Bemühungen zur Freilassung der Geiseln zu unterstützen. Bundespräsident Heinz Fischer hatte sich vor kurzem zu einem Staatsbesuch in Mali - zuvor hatte er Äthiopien besucht - aufgehalten, wo er am 23. Februar mit dem Präsidenten des westafrikanischen Landes, Amadou Toure, zusammengetroffen war.

Aufenthaltsort weiter unklar
Der genaue Aufenthaltsort der Geiseln und ihrer Entführer ist indes weiter nicht bekannt. Zumindest bis Sonntagabend habe auch Prohaska nicht mit eindeutiger Sicherheit in Erfahrung bringen können, ob sich die Geiseln tatsächlich in Mali aufhalten, wie RFI unter Berufung auf Vermittler berichtete. In algerischen Medien hieß es, die Geiseln sollen sich im Norden Malis befinden. Ob sie sich im Nordwesten aufhalten, wo das Einflussgebiet des algerischen Islamisten und Schmugglers Mokhtar Ben Mokhtar liegt, oder im Nordosten, wo das Aktionsgebiet der algerischen Islamisten ist, blieb offen. Die algerische Armee habe unterdessen Hausdurchsuchungen und Festnahmen bei Leuten durchgeführt, die auch in die Entführung 2003 verwickelt waren, berichtete ORF-Korrespondent Karim El-Gawhary am Montag.

Weitere Vermittler gesucht
Laut algerischen Medien wurde auch nach den Diensten von Tuareg-Führer Iyad Ag Ghali, nunmehr malischer Botschafter im saudi-arabischen Dschidda (Jeddah), gefragt. Die malische Regierung hatte den Tuareg-Führer bereits in der Geiselaffäre 2003 erfolgreich als Vermittler eingesetzt. Er habe unter Hinweis auf Konflikte zwischen Tuareg und den Entführern im Jahr 2006 diesmal allerdings abgelehnt. Auch Malis Präsident Toure galt in der damaligen Geiselkrise als geschickter Verhandler. Ihn hatte Bundespräsident Heinz Fischer erst am 23. Februar anlässlich seines Mali-Staatsbesuch in Bamako getroffen.

In algerischen Medien kursierten am Montag zudem Gerüchte, wonach sich Ammari As-Seifi, auch genannt "Al-Para" der Fallschirmspringer, Österreich als Vermittler angeboten habe. Er steht derzeit in Algerien vor Gericht und ist einer der Männer, die freigepresst werden sollten.

Erleichterung bei den Angehörigen
Die Angehörigen der Geiseln zeigten sich am Montag erleichtert. "Es freut uns, dass nach der Verlängerung des Ultimatums die Chancen besserstehen, dass Andrea (Kloiber, Anm.) und Wolfgang (Ebner, Anm.) freigelassen werden", sagte Christine Lenz, die Mutter der verschleppten Frau. Unterdessen dürfte es Prohaska in der malischen Hauptstadt Bamako gelungen sein, erste Kontakte mit den Entführern der Salzburger herzustellen, wie "Radio France International" (RFI) am Wochenende auf seiner Homepage berichtete. Prohaska soll bereits seit einigen Tagen in der Region sein und insbesondere nach geeigneten Vermittlern suchen. Der frühere Botschafter spricht perfekt Französisch, hat beste Kontakte in Frankreich und der Region und war unter anderem Büroleiter Kurt Waldheims in dessen Zeit als UN-Generalsekretär.

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