Grausamkeit
Gequälte Schweine: Betrieb verliert AMA-Gütesiegel
30.01.2026In einem Schweinebetrieb im Bezirk Hollabrunn sollen Tiere schwer misshandelt worden sein. Nun gibt es Konsequenzen. Die Agrarmarkt Austria, die das AMA-Gütesiegel vergibt, beendete die Zusammenarbeit. Strafrechtliche Ermittlungen sind weiter im Gange.
Auf Videos, die der Verein gegen Tierfabriken (VGT) im November öffentlich gemacht hatte, war zu sehen, dass Tiere geschlagen wurden und ein Arbeiter auf Schweine urinierte. Auch Elektroschocker kamen zum Einsatz, Tiere waren verletzt. Die Aufnahmen führten zu amtlichen Kontrollen der Bezirkshauptmannschaft. Wegen Verstößen gegen das Tierhaltegesetz läuft seither ein Verwaltungsverfahren.
Im Zuge dessen wurde laut Bezirkshauptmann Karl-Josef Weiss in den vergangenen Wochen und Monaten ein Maßnahmenkatalog mit etwa 20 kurz- bis langfristigen Vorgaben ausgearbeitet. Das betrifft etwa Schulungen der Mitarbeiter, eine bessere Hygiene oder mehr Beschäftigungsmaterial für die Tiere, aber auch mehr Licht für die Schweine oder eine bessere Belüftung.
Inhaber laut Behörde kooperativ
Für die langfristigen Maßnahmen müssen die Stallungen teilweise umgebaut werden, sagt Weiss gegenüber noe.ORF.at. Für all diese Vorgaben gebe es daher unterschiedliche Fristen, die engmaschig kontrolliert werden, betont der Bezirkshauptmann. Der Inhaber des Schweinebetriebs, der etwa 1.000 Muttertieren und 40 Mitarbeiter umfasst, sei in der Zusammenarbeit „kooperativ“ und „sehr bemüht“, heißt es.
Verdrecktes Schwein in AMA-Betrieb im Bezirk Hollabrunn
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Dieser hatte die Vorwürfe zunächst vehement bestritten und betont: „Der VGT ist eine Organisation, der kein Gehör geschenkt werden sollte. (…) Sie will nur Menschen fertigmachen, Leute fertigmachen, Betriebe fertigmachen.“ Zwei Tage später zeigte er sich von den Bildern „schockiert“. Er wolle nun alles daran setzen, dass Tierwohl „zu 100 Prozent umgesetzt wird“.
Auf Anfrage betonte der Inhaber, dass man auch selbst Konsequenzen gezogen und die Mitarbeiter „umgehend freigestellt und mit einem Betretungsverbot belegt“ habe. Man arbeite „maximal transparent mit allen Behörden“ zusammen, zudem wolle man das Tierwohl, das „trotz des zutiefst schockierenden und nicht zu relativierenden Einzelfalls immer sichergestellt war“, nun gemeinsam mit der Wissenschaft „auf ein noch höheres Niveau“ heben.
AMA: "Keine Vertragsbeziehung“
Dennoch zog die Agrarmarkt Austria (AMA), die die aufgebrachten Missstände mit eigenen Kontrolleuren vor Ort prüfte und vom Betrieb sowie vom Betriebstierarzt Stellungnahmen forderte, Konsequenzen. Laut einer Sprecherin gibt es mit dem Betrieb „keine aufrechte Vertragsbeziehung“ mehr, der Vertrag wurde also aufgekündigt. Weitere Details wollte man aus rechtlichen Gründen nicht nennen.
Im Unterschied zu einer zeitlich befristeten Sperre, wo Betriebe bis zu sechs Monate von einer Lieferung für das AMA-Gütesiegel ausgeschlossen werden können, gibt es bei einer Kündigung keine Fristen, wann man wieder um einen Vertrag ansuchen kann, heißt es. In so einem Fall würde die AMA aber genau prüfen, ob alle für das Gütesiegel definierten Kriterien eingehalten werden, wird betont.
Ermittlungen wegen Tierquälerei
Unabhängig davon ermittelt die Staatsanwaltschaft Korneuburg wegen möglicher Tierquälerei gegen vier damalige Mitarbeiter des Betriebs, die die Tiere geschlagen und verletzt haben sollen. Die Beschäftigten wurden nach einer zuvor erfolgten Suspendierung noch im November entlassen, teilte der Inhaber auf einem Instagram-Video mit. Sie werden von der Polizei zu den Vorwürfen derzeit befragt. Danach wird entschieden, ob eine Anklage folgt.
Der VGT begrüßte am Freitag in einer Aussendung den Wegfall des AMA-Gütesiegels für den Betrieb ebenso wie die strafrechtlichen Ermittlungen. Es zeige sich, „dass die Vorwürfe vollinhaltlich stimmen“, obwohl sie vom Betreiber in einer ersten medialen Reaktion zurückgewiesen worden sind.