Vorsicht geboten!

Hohe Lawinengefahr in Niederöstereich

24.02.2026

Sieben Menschen sind am vergangenen Wochenende in Österreich bei Lawinenabgängen ums Leben gekommen. Niederösterreich ist bisher ohne Todesopfer geblieben. Dennoch bleibt die Lage angespannt, stellenweise herrscht erhebliche Lawinengefahr. 

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© Bergrettung Lunz am See
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Bergrettung und Alpinpolizei warnen vor Fehleinschätzungen im Gelände und steigenden Belastungen für Einsatzkräfte. Die aktuellen Lawinenereignisse haben sich zuletzt vor allem in den westlichen Bundesländern abgespielt. Doch auch in Niederösterreich ist die Situation nicht ungefährlich.

Laut dem Lawinenwarndienst des Landes herrscht in den gesamten niederösterreichischen Alpen oberhalb der Waldgrenze derzeit erhebliche Lawinengefahr (Lawinenwarnstufe 3). Triebschnee, starke Winde und die schlechte Verbindung zwischen Neu- und Altschnee sorgen für instabile Schneedecken. Lawinen könnten hier bereits durch einzelne Wintersportler ausgelöst werden. Unterhalb der Waldgrenze sei derzeit Lawinenwarnstufe 2 (mäßig) vorherrschend, in diesen Bereichen könnten Nassschneelawinen auftreten.

Lawinengefahr in Niederösterreich bleibt hoch

Durch die Wetterbesserung ab Mittwoch ist laut Lawinenwarndienst Niederösterreich mit vermehrten Wintersportlern im Gelände (Tourengeher) zu rechnen. Die Lawinengefahr bleibe weiterhin aufrecht, möglicherweise steige sie sogar an, sodass defensives Verhalten (v.a. Meidung von steilen Rinnen sowie steilen Wald- und Wiesenbereichen) weiter erforderlich sei.

Wie rasch eine Tour zur Notlage werden kann, zeigte zuletzt ein Einsatz am Dürrenstein (Bezirk Scheibbs). Eine vierköpfige Gruppe kam bei winterlichen Bedingungen nicht mehr weiter und alarmierte die Einsatzkräfte.

Bergrettung und Alpinpolizei rückten in der Nacht aus und brachten die erschöpften Personen sicher ins Tal. Der Fall wird auch deshalb als exemplarisch gesehen, weil er laut Bergrettung typische Problemlagen vereint: mangelhafte Tourenplanung, unpassende Ausrüstung und eine Unterschätzung der Bedingungen.

Menschliche Faktoren oft ausschlaggebend
Aus Sicht der Alpinpolizei sind es häufig nicht extreme Naturereignisse allein, die zu Unfällen führen. Entscheidend sei vielmehr das Verhalten im Gelände. Der Leiter des Alpindienstes der Landespolizeidirektion Niederösterreich, Michael Hochgerner, betont gegenüber noe.ORF.at, dass der Lawinenlagebericht zwar offenbar oft gelesen werde, dessen Inhalte aber nicht immer konsequent umgesetzt würden.

Es brauche neben der Information auch Ausbildung, Erfahrung und eine realistische Einschätzung der eigenen Fähigkeiten. In Einzelfällen beobachte man zudem eine erhöhte Risikobereitschaft, etwa wenn Touren trotz ungünstiger Bedingungen fortgesetzt werden.

Steigende Einsatzzahlen belasten Bergrettung

Auch die Bergrettung Niederösterreich registriert seit Jahren einen Anstieg der Einsätze. Rund 800 Einsätze werden mittlerweile jährlich verzeichnet. Besonders auffällig ist die Zunahme sogenannter „Unverletzten-Bergungen“. Dabei müssen Menschen aus alpinen Notlagen gerettet werden, obwohl keine Verletzungen vorliegen.

Laut dem stellvertretenden Landesleiter der Bergrettung Niederösterreich / Wien, Martin Angelmaier, hat sich zudem der zeitliche Schwerpunkt verschoben. Einsätze würden nicht mehr nur an Wochenenden oder Feiertagen stattfinden, sondern zunehmend auch unter der Woche. Für die Organisation bedeute das eine größere Herausforderung in der Ressourcenplanung.

Ehrenamtliche im Grenzbereich

Rund 1.400 Bergretterinnen und Bergretter sind in Niederösterreich im Einsatz, die meisten davon ehrenamtlich. Sie investieren viel Zeit in Ausbildung, Übungen und Einsätze. Gerade bei Lawineneinsätzen ist die Eigengefährdung ein zentrales Thema. 

insatzkräfte würden nur dann ins Gelände gehen, wenn das Risiko vertretbar sei, wie es heißt. Nächtliche Einsätze bei starkem Schneefall, Wind und schlechter Sicht seien körperlich extrem fordernd, so Angelmaier. Hinzu komme, dass viele Helfer am nächsten Tag wieder ihrem regulären Beruf nachgehen.

Appell an Wintersportler

Alpinpolizei und Bergrettung richten daher einen klaren Appell an Wintersportlerinnen und Wintersportler. Touren sollten sorgfältig geplant, Wetter und Lawinenlage laufend überprüft und Ausrüstung vollständig mitgeführt werden. Dazu zählen unter anderem Lawinenverschüttetensuchgerät (LVS-Gerät), Sonde, Schaufel und Lawinenairbag.

Ebenso wichtig sei auch der Mut zur Umkehr. Wer sich im Gelände unwohl fühlt oder merkt, dass Bedingungen gefährlicher werden, sollte nicht zögern, eine Tour abzubrechen. Denn auch wenn Niederösterreich bisher glimpflich davongekommen ist, bleibt die Lawinengefahr real.