Zeitgeschichte

Korneuburger Schiffswerft als Forschungsprojekt der Donau-Uni Krems

05.02.2026

Die Korneuburger Schiffswerft ist über Jahrzehnte hinweg wichtige Ausbildungsstätte und großer Arbeitgeber gewesen. Ein Forschungsprojekt der Universität für Weiterbildung Krems hat die Werft und ihre Lehrwerkstätte nun gemeinsam mit dem Stadtmuseum erforscht. 

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Elf Lehrberufe – vom Tischler und Schiffsbauer bis zum Schlosser, technischen Zeichner und vieles mehr – konnten in der Lehrwerkstätte der ehemaligen Schiffswerft Korneuburg gelernt werden. 80 Prozent der Lehrlinge arbeiteten nach ihrer Ausbildung in der Werft weiter. Diese war von ihrer Gründung 1852 bis zu ihrer Schließung 1993 eine wichtige Ausbildungs- und Arbeitsstätte in der Region.

Aus der großen Sammlung des Stadtmuseums Korneuburg wurden rund 800 Objekte zur Geschichte und Bedeutung der Lehrwerkstätte erforscht. Durch Zeitzeugen-Interviews mit ehemaligen Mitarbeitern der Werft erhielten die Forscher Einblicke in authentische Erinnerungen. 

Auch Schüler eingebunden

Einer der Zeitzeugen ist Otto Pachner. Er arbeitete 30 Jahre lang in der Werft, war später dann in einer höheren Position und ist jetzt der Kustos für die Schiffswerft im Stadtmuseum Korneuburg. Er erzählt, dass in den 1970er-Jahren um die 750 Menschen in der Werft beschäftigt waren und zwischen den 1970er-Jahren und 1993 550 Lehrlinge ausgebildet wurden.

Hanna Brinkmann vom Zentrum für Kulturen und Technologien des Sammelns an der Universität für Weiterbildung Krems beschreibt den Zugang des Forschungsprojekts mit zwei Arbeitsmethoden: „Partizipativ“ durch Sammlungsaufrufe an die Bevölkerung und Zeitzeuge-Interviews. Und „generationenübergreifend“. Denn es wurde auch eine Schulklasse aus Korneuburg ins Projekt eingebunden.

Die Schülerinnen und Schüler führten Gespräche mit den Zeitzeuginnen und Zeitzeugen, außerdem machten sie Fotos und erstellten Beiträge für Social Media, darunter auch für die „Museums Menschen“ Web-App. Generationen könnten so voneinander Wissen erfahren und lernen, sagt Brinkmann. 

Buch und Ausstellung über Werft

Ab ihrer Blütezeit im Jahr 1955 wurde in der Werft eine breite Palette an Schiffstypen gebaut, von Personenschiffen bis hin zu Hochseeschiffen mit einer Verdrängung von 4.600 Tonnen. Heute noch seien viele ehemalige Werftmitarbeiter stolz auf die Werft, sagt Otto Pacher, die Treffen ehemaliger Werftler seien gut besucht.

Das Forschungsprojekt zeigt vieles über die Geschichte der Lehrwerkstätte: Vom Arbeitsalltag über die produzierten Objekte und Arbeitskleidung bis hin zu Arbeitsbüchern. Es zeigt zudem den Wert und die Bedeutung, die die Schiffswerft auch heute noch für Korneuburg und seine Menschen hat – auch, wenn für die Nutzung des gesamten Areals zurzeit eine Lösung gesucht wird.

Die Forschungsergebnisse des zweijährigen Projekts wurden in einem Buch zusammengefasst. Im Stadtmuseum Korneuburg ist zudem noch bis Ende April eine Ausstellung über die Lehrwerkstätte der Werft Korneuburg zu sehen.