"Vetternwirtschaft"?

Skandal in Rohrau: Schwiegersohn sahnte wahrscheinlich ab

02.03.2026

Jetzt liegt's bei der Staatsanwaltschaft! Ein Millionen-Auftrag ohne Ausschreibung? Die FPÖ erhebt schwere Vorwürfe gegen den ÖVP-Bürgermeister — er bestreitet alles (es gilt die Unschuldsvermutung).

 

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© Rohrau
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Es klingt wie aus einem Polit-Krimi: Eine kleine Gemeinde im Bezirk Bruck, ein Volksschul-Umbau, der sich von 1,075 auf satte 2,2 Millionen Euro mehr als verdoppelte — und mittendrin der Schwiegersohn des Bürgermeisters. Jetzt ermittelt offenbar die Staatsanwaltschaft Korneuburg.

So laufen die Dinge in Rohrau — zumindest laut FPÖ

2020 wurde per Ideenwettbewerb der Umbau der Volksschule Rohrau vergeben. Den Zuschlag für die Planungsleistungen soll laut FPÖ-Gemeinderat Dorel-Beniamin Birte eine Architekturgemeinschaft erhalten haben — bestehend aus einem Architekten, der am Wettbewerb angeblich nie namentlich teilgenommen hatte, sowie dem Schwiegersohn von Bürgermeister Albert Mayer (ÖVP). Der damalige Vize-Bürgermeister Mayer soll laut Birte später alle Sitzungen geleitet haben — trotz möglicher Befangenheit; es gilt auch hier die Unschuldsvermutung.

Als der erste Architekt finanziell scheiterte, soll der Schwiegersohn - bis dahin nur für die Bauaufsicht zuständig - ohne neue Ausschreibung alle weiteren Aufgaben übernommen haben. Zumindest behauptet das die FPÖ. Bürgermeister Mayer hat sich zu den Vorwürfen bislang nicht öffentlich geäußert. Oe24 wird sich um ein Statement bemühen.

Kosten explodierten — DOPPELTER PREIS ohne Ausschreibung!

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Noch vor dem ersten Spatenstich sollen die Kosten gleich zweimal massiv gestiegen sein. Endpreis laut FPÖ: 2,2 Millionen Euro — mehr als das Doppelte des ursprünglichen Angebots. Beschlossen ohne neue Ausschreibung, wie Birte behauptet.

"Hauptsache das Geld bleibt in der Familie. Aber: Das Geld der Rohrauer ist kein Selbstbedienungsladen", poltert Birte. Er ortet Intransparenz, fehlende Protokolle von Schlüsselsitzungen des Bauausschusses und vermutet etwaige Rechtsverletzungen - wobei, noch einmal, für alle Beteiligten selbstverständlich die Unschuldsvermutung gilt.

Pikant: Laut FPÖ sollen Firmen aus knapp 200 Kilometern Entfernung beauftragt worden sein, während lokale Unternehmen leer ausgingen. Außerdem: Neue Klassenräume - eigentlich das Herzstuck des Projekts - sollen nie errichtet worden sein. War das etwaig Fördermittel-Betrug? Das ist bislang nicht bewiesen, die Staatsanwaltschaft prüft (auch hier gilt die Unschuldsvermutung!).

FPÖ-Birte: "Schwarze Freunderlwirtschaft in Reinkultur" - Bürgermeister soll zurücktreten

"Jegliche Versuche, im Rahmen der gemeinderechtlichen Kontrolle Klarheit zu erlangen, wurden abgeblockt", so Birte, der seit der Gemeinderatswahl 2025 im Gemeinderat sitzt. Er zieht Vergleiche zu ähnlichen Faellen in den ÖVP-Gemeinden Pernitz und Sigmundsherberg. Für die FPÖ Rohrau ist die Sache klar — oder zumindest so klar, wie sie es aus ihrer Sicht sieht: "Der Bürgermeister muss die Konsequenzen ziehen und zurücktreten."

Dazupassende Reaktion von LAbg Dieter Dorner (FPÖ):

"Es ist leider kein Einzelfall, dass sich ÖVP-Bürgermeister in Niederösterreich offenbar als unangreifbare Ortskaiser verstehen. Wer öffentliche Aufträge im engsten persönlichen Umfeld verteilt und demokratische Kontrolle als lästige Formalität behandelt, hat das Amt nicht verstanden. Gerade bei Millionenprojekten braucht es Transparenz, saubere Vergaben und eine klare Trennung zwischen Amt und privaten Interessen. Die Bürger erwarten Recht und Anstand, kein schwarzes Selbstbedienungssystem“, stellt FPÖ-Kommunalsprecher LAbg. Dieter Dorner klar. 

Am 5. Maerz folgt der nächste Hammer: Misstrauensantrag in der Gemeinderatssitzung.

Wie Bürgermeister Mayer auf all das reagiert? Dazu liegt bislang keine Stellungnahme vor. oe24 ersucht um eine Reaktion. Hinweis: Für alle genannten Personen gilt die Unschuldsvermutung. Die erhobenen Vorwürfe sind Behauptungen der FPÖ Rohrau und wurden von den Betroffenen nicht bestätigt.