50 Mio. wert

Vor genau 20 Jahren: Sensationeller Raub-Fund in NÖ

21.01.2026

Vor 20 Jahren, am 21. Jänner 2006, ist in einem Waldstück bei Brand (Bezirk Zwettl) die 2003 gestohlene „Saliera“ aus dem hart gefrorenen Boden ausgegraben worden. Damit ging eine dreijährige Suche nach dem Täter und dem wertvollen Salzfässchen aus dem Barock zu Ende. 

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© Kunsthistorisches Museum Wien
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Die „Saliera“, ein nur 26 Zentimeter hohes goldenes Salzfässchen, geschaffen vom Barock-Bildhauer Benvenuto Cellini, machte Brand, den Ortsteil der Gemeinde Waldhausen, für einige Zeit weltberühmt. Dort hatte der Dieb das Goldfässchen vergraben. Der Wert des Kunstwerkes wurde damals auf 50 Millionen Euro geschätzt.

Sensationeller Tag für Chef-Ermittler

Ernst Geiger, der ehemalige Chef-Ermittler der Kriminalpolizei, erinnert sich: „Das war einer der spannendsten Tage überhaupt in meinem Leben. Wir hatten mehr als drei Jahre lang nach der „Saliera" gesucht und in den frühen Morgenstunden war es dann so weit. Es war ein kalter Wintertag, an dem Tag hatte es zwar nicht geschneit, aber es lag überall Schnee im Waldviertel. Der Täter hat uns dann in die Nähe seines Wohnhauses in den Wald geführt.“ Der Dieb hatte eine Baumgruppe mit Zeichen versehen, damit er jederzeit zum Tatort finden konnte. Die Polizisten gruben eine Kiste aus dem gefrorenen Boden aus und fuhren mit dem Fund nach Wien. Eine Nachschau in der Kiste direkt am Fundort war nicht möglich, denn einerseits mussten Spuren gesichert werden, andererseits wollte man die kostbare Fracht nicht im Schnee einer Gefahr aussetzen. „Die Kiste war gut abgedichtet. Es sah alles sehr professionell aus. In der Kriminaltechnik in Wien hatten wir dann endlich Gewissheit, die ‚Saliera‘ war gefunden und noch dazu, bis auf ein paar Kratzer, fast unversehrt“, führte Geiger weiter aus. 

Der Raub

Drei Jahre zuvor, am 11. Mai 2003, war der Dieb nachts über ein Baugerüst, das an der Fassade befestigt war, in das Kunsthistorische Museum eingebrochen. Nach 54 Sekunden und zwei eingeschlagenen Scheiben war er mit der „Saliera“ wieder auf und davon. Die österreichische Presse kritisierte sehr lange die für unzureichend gehaltenen Sicherheitseinrichtungen. Der damalige Direktor des Museums, Wilfried Seipel, hatte auch seinen Rücktritt angeboten, den die damalige Kunstministerin Elisabeth Gehrer (ÖVP) ablehnte. Der „Saliera“-Diebstahl weist durchaus Parallelen zum spektakulären Raub im Louvre des vergangenen Jahres auf, erläuterte Ernst Geiger: „Gemeinsam ist den beiden Fällen, dass die Täter Schwachstellen ausgenutzt haben. In einem Museum kann es nie absolute Sicherheit geben, sonst könnte man Kunstwerke nicht dem Publikum präsentieren. Der Unterschied ist: In Paris hatte man die Täter sehr bald, aber nicht die Kunstwerke. Wir haben viel länger gebraucht, dafür hatten wir beides: den Täter und das Diebesgut.“ Der heute 67-jährige Saliera-Dieb hat seine Haftstrafe mittlerweile verbüßt und ist ein freier Mann. In Brand, wo 2006 ein „Saliera“-Wanderweg durch den Wald eingerichtet und im Gasthaus „Saliera-Laibchen“ verkauft wurden, ist der Fund Schnee von gestern und im Kunsthistorischen Museum in Wien ist die „Saliera“ seither der Hit der Kunstkammer. 

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