Künstlerinnen

Wiederentdeckung der weiblichen Wiener Moderne in der Landesgalerie NÖ

10.04.2026

Mit "Wiener Moderne. Weiblich. Widerständig - Fanny Harlfinger-Zakucka und die Wiener Frauenkunst" bietet die Landesgalerie NÖ vom 11. April bis 10. Jänner 2027 in Krems die Wiederentdeckung einer Generation von Künstlerinnen, die fast aus dem kollektiven Gedächtnis verschwunden sind.

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© ÖNB/Bildarchiv
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Nicht nur Werke der 1873 in Mank in NÖ geborenen und 1954 in Wien verstorbenen Universalkünstlerin Harlfinger-Zakucka stehen im Fokus, sondern auch die maßgeblich von ihr initiierte Vereinigung "Wiener Frauenkunst", deren Anliegen "bereits eine Vorwegnahme der Prinzipien feministischer Kollektive der 1970er-Jahre waren", betonte Sabine Fellner, die die Schau kuratiert. Und Gerda Ridler, künstlerische Direktorin der Landesgalerie, unterstrich: "Die Ausstellung versteht sich als Beitrag zu einer notwendigen Revision der Kunstgeschichte."

Verschüttete Kapitel weiblicher Kunstgeschichte öffnen 

Denn die Wiener Moderne bestehe nicht nur aus Männern wie Klimt oder Schiele. Gerade Museen tragen heute eine besondere Verantwortung, die verschütteten Kapitel weiblicher Kunstgeschichte zu öffnen und verdrängte Biografien ans Licht zu holen, erklärte Ridler. Die Landesgalerie verstehe ihre Arbeit in diesem Sinn als Teil einer fortschreibenden Erinnerungskultur, die das Vergangene nicht nur bewahrt, sondern auch aktiv befragt.

Beeindruckende Bandbreite

Das gelinge in dieser Ausstellung geradezu exzeptionell. Arbeiten u.a. von Helene Funke, Margarete Hamerschlag, Stephanie Hollenstein, Broncia Koller, Dina Kuhn, Susi Singer, Luise Spannring, Helene Taussig, Franziska Zach und Liane Zimbler erschließen den ganzen Kosmos eines bisher ungebührlich ausgeblendeten Teils der Wiener Moderne. Die Künstlerinnen hatten - ebenso wie die männlichen Kollegen - Anteil an vielerlei Bereichen vom Möbeldesign bis zu Illustrationen in Zeitschriften wie Ver Sacrum, von Textilkunst bis zur Gestaltung von Ausstellungen, von Keramik bis Innenarchitektur: Eine beeindruckende Bandbreite an Aktivitäten. Das Jahr 1938 bedeutete die Auflösung der Wiener Frauenkunst, etliche Künstlerinnen emigrierten oder wurden in NS-Lagern ermordet. Zum hundertjährigen Jubiläum der Vereinigung kommt die Schau in Krems gerade rechtzeitig.