Landbauer tobt

Wirbel um Rabatt für Kartenzahler im ÖBB-Speisewagen

25.06.2025

In den Speisewägen der ÖBB kocht nicht nur das Gulasch, sondern auch die Gemüter. Seit dem 19. Juni erhalten Fahrgäste einen Preisnachlass, wenn sie mit Karte oder digital zahlen. Niederösterreichs Landesvize Landbauer sieht eine "Diskriminierung von Barzahlern". 

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© NLK/Burchhart
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In den Zügen der ÖBB läuft es plötzlich anders als im Wirtshaus. Während dort oft das Bargeld zählt, belohnen die ÖBB nun digitale Zahlungen mit einem Rabatt. "Wir haben bei unserer Bordgastronomie mit Umstellung auf die Sommerkarte seit 19. Juni einen neuen Rabatt für die Kundinnen und Kunden in Höhe von 5 Prozent bei Kartenzahlung eingeführt“, sagte ÖBB-Sprecher Bernhard Rieder. Die Maßnahme soll Fahrgäste motivieren, häufiger mit Karte zu zahlen.

Und das scheint zu funktionieren. "Der Rabatt wird von unseren Fahrgästen freudig angenommen“, sagte Rieder. Laut den ÖBB sei der Anteil der Kartenzahlungen seit Einführung des Rabatts um rund zehn Prozent gestiegen. Die Entscheidung sei auch eine Frage der Effizienz. "Kartenzahlungen verkürzen zudem die Transaktionszeiten deutlich", erklärte eine Sprecherin des Cateringunternehmens DoN’s. "In einem hochfrequentierten Umfeld wie der Zuggastronomie führt das zu spürbar kürzeren Wartezeiten für unsere Gäste." "Unser Ziel ist es nicht, Gäste mit Barzahlung auszuschließen oder zu sanktionieren", betont sie gleichzeitig.

Landbauer sieht Benachteiligung

Ganz anders sieht das der niederösterreichische LH-Stellvertreter und FPÖ-Politiker Udo Landbauer. "Wenn Kunden in ÖBB-Speisewägen als Barzahler benachteiligt werden und einen höheren Preis bezahlen müssen, dann ist das nichts anderes, als Diskriminierung", erklärte er. Besonders stört ihn, dass die ÖBB ein staatlich mitfinanziertes Unternehmen sind. "Preisvorteile für Kartenzahlungen in staatsnahen Bereichen wie der ÖBB sind de facto ein indirekter Aufpreis für Bargeld", sagte Landbauer.

Der Freiheitliche spricht von einem sozialen Problem. "Mit ihrem absurden Rabatt-Modell benachteiligen die ÖBB besonders ältere Fahrgäste und Pensionisten, die hier abgezockt werden“, so Landbauer. Laut einer Umfrage des Market-Instituts zahlen 81 Prozent der über 60-Jährigen in der Gastronomie lieber bar. Er fordert daher klare Regeln auf Bundesebene.

Bahn verteidigt Entscheidung

Die ÖBB wehren sich gegen den Vorwurf, Barzahler zu benachteiligen. "Barzahlende erhalten damit keine Schlechterstellung“, betonte Rieder. Der Rabatt für Kartenzahlung sei ein freiwilliger Anreiz, keine Bestrafung anderer Kunden. Auch rechtlich sei das Vorgehen in Ordnung. "Das Gesetz sieht explizit vor, dass der Empfänger einer Zahlung kein gesondertes Entgelt für die Verwendung eines bestimmten Zahlungsinstruments verrechnen darf", erklärte VKI-Jurist Joachim Kogelmann laut „Salzburger Nachrichten“. Ein Rabatt für Karten sei jedoch zulässig.

In den neuen doppelstöckigen Railjets, die ab Ende 2026 kommen, wird diese Diskussion wohl enden. Dort ersetzt ein Selbstbedienungskonzept mit Automaten das klassische Bistro. Diese Geräte akzeptieren sowohl Bargeld als auch digitale Zahlungen – bislang ohne Preisunterschied. Doch der Streit um die richtige Zahlungsmethode dürfte weiterrollen.

  

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