Hilfsbereitschaft

Zahlreiche Hilfsangebote für Heimkinder

25.06.2009

Im ganzen Land sorgt das Hochwasser für Tragödien: Besonders schlimm erwischte es Heimkinder in NÖ - ihr Zuhause ist jetzt völlig zerstört.

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© ÖSTERREICH/ Fally
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Der Hochwasserschaden im Pro Juventute-Haus in St. Leonhard am Forst (Bezirk Melk) ist höher als ursprünglich angenommen. Es sei von mindestens 150.000 Euro auszugehen, sagte Sprecherin Anita Thallinger. "Es ist sehr traurig, wenn man sieht, dass alles kaputt ist." Die Einrichtung war erst im August 2008 in Betrieb genommen worden.

Nach der am Mittwoch erfolgten Notevakuierung gebe es bereits Angebote für die vorübergehende Unterbringung der acht Kinder (drei bis elf Jahre) und ihrer Betreuer, so Thallinger. Sie gehe von einem Zeitraum von etwa vier Monaten aus. "Wir brauchen eine voll ausgestattete Infrastruktur." Auch das Büro von Landeshauptmann Erwin Pröll (V) habe sich eingeschaltet.

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Schlimme Stunden
Die acht Kinder des Pro Juventute-Heims, alle zwischen zweieinhalb und acht Jahre alt, erlebten am Mittwoch im überfluteten St. Leonhard am Forst in Niederösterreich besonders schlimme Stunden. Sekunden, bevor die Strömung zu stark wurde, wurden sie von der Feuerwehr gerettet.

Kinderheim evakuiert
Es war in der Nacht auf Mittwoch, als sich die Situation in St. Leonhard zuspitzte. Es schüttete in Strömen, bald war der Ortskern überflutet und auch im Heim am Melkfeld stieg der Pegel. In den frühen Morgenstunden war das Wasser im Erdgeschoss bis auf 1, 50 Meter angestiegen - an ein Bleiben war nicht mehr zu denken.

Sofort alarmierte die Heimleitung die Feuerwehr. Um 9 Uhr rückten mehrere Einsatzkräfte an, das Haus wurde evakuiert und die Kinder mit Schwimmflügeln gesichert und in die Zillen in Sicherheit gebracht.

Rettung gelang nur ganz knapp
Beinahe wäre die Rettungsaktion aber fehlgeschlagen. "Es war wirklich ganz knapp. Einige Sekunden später, und die Strömung wäre so stark gewesen, dass wir mit den Zillen nicht mehr bis zum Haus gekommen wären", berichtet ein Feuerwehrmann.

Die acht Heimkinder wurden in den Landeskindergarten in St. Leonhard gebracht. Die Umgebung ist zwar ungewohnt, aber es ist trocken. Die Nacht verbrachten die Kinder auf Notbetten.

Aber: "Sie werden hier wohl noch ein paar Tage bleiben müssen", sagt Betreuerin Anna Wach. Denn an eine Rückkehr ins Pro Juventute-Haus ist in nächster Zeit nicht zu denken: Das Haus ist durch die Überflutung komplett zerstört, der Schaden beträgt mehr als 100. 000 Euro. Die Renovierung wird mindestens drei bis vier Monate dauern. Deshalb sucht die Heimleitung jetzt auch verzweifelt eine vorübergehende Bleibe für die armen Kinder. "Wir wissen eigentlich nicht, wo die Kinder in den nächsten Wochen schlafen sollen", sagt Wach zu ÖSTERREICH.

Ein Ort unter Wasser
Wie den Heimkindern erging es vielen Einwohnern in St. Leonhard: Die ärgste Flut seit 1959 zerstörte ihr Hab und Gut. Schlimm erwischte es Pamela Mlinarik und ihren Sohn. "Um drei Uhr in der Früh ging es plötzlich los. Der ganze Keller stand bis zur Decke unter Wasser. Ein paar Zentimeter haben noch gefehlt, dann hätte ich den Schlamm auch in der Wohnung", sagt Mlinarik.

Wie das ist, kann Konrad Strasser berichten. Innerhalb von nur einer Stunde wurde sein Wohnzimmer 40 Zentimeter hoch geflutet, der VW Passat soff in der Garage ab. Zu allem Unglück lief auch noch das Heizöl aus. Im Haus stinkt es bestialisch. Strasser: "Es ist alles furchtbar hier."

Thomas Luger (22) war erst am Sonntag nach einem Kreuzbandriss aus dem Spital wieder in seine kleine Wohnung im Keller des Elternhauses zurückgekehrtjetzt steht der Mann vor dem Nichts. In der Garage steht das Wasser 2, 20 Meter hoch. Mama Gabriele: "Das Wasser stand mehr als einen Meter hoch. Seine ganze Junggesellenbude ist total zerstört."

Die Flut - sie kam aus heiterem Himmel. St. Leonhard war das letzte Mal 1959 überschwemmt.

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