Tausend Teilnehmer

Requiem für Otto Habsburg

12.07.2011

Ab Mittwoch Abend sind die sterblichen Überreste des Kaisersohns in Wien.

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© APA / Fohringer
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Mit dem Requiem gingen die Feierlichkeiten für Otto Habsburg und seine Gemahlin Regina, den verstorbenen Sohn des letzten österreichischen Kaisers Karl I. und dessen Gemahlin Zita am Mittwoch am späten Nachmittag im obersteirischen Wallfahrtsort Mariazell zu Ende. Etwa tausend Menschen nahmen an den dem vom steirischen Diözesanbischof Egon Kapellari gehaltenen Requiem teil, währenddessen draußen in der Nachmittagshitze Tiroler Schützen und oberösterreichische Prangerschützen den Aufmarsch für die Verabschiedung der Särge nach Wien übten.

Schönborn statt Papst
  Gegen 13.50 Uhr kam die Familie Habsburg mit Ottos ältestem Sohn Karl an der Spitze durch das Südportal in die mittlerweile mit rund tausend Menschen besetzte Basilika. Fünf Minuten später folgten die mittel- und osteuropäischen Bischöfe und der Wiener Kardinal Christoph Schönborn als "persönlicher Abgesandter" von Papst Benedikt XVI. Im darauffolgenden Orgelpräludium fand sich ein kurzer Anflug der Kaiserhymne "Gott erhalte", bevor der Mariazeller "Hausherr" Pater Karl Schauer das Beileidschreiben des Papstes an die Familie verlas und von einem "langen, erfüllten Leben Ottos" sprach, u.a. das "das Miteinander der Völker" zum Ziel gehabt habe. Außerdem sei Otto "ein Mariazeller gewesen, in der wechselvollen Geschichte des Anerkennens und Aberkennens (unter den Nazis, Anm.) seiner Ehrenbürgerschaft".

Lobende Worte
  Bischof Kapellari sprach von Otto Habsburg als einem "herausragenden Politiker, tiefgläubigen Christ und exemplarischen Familienvater", der das Wirken für ein friedliches Miteinander der Völker Europas in den Vordergrund gestellt habe. Neben dem steirischen Altlandeshauptmann Josef Krainer (V) war zu den Feierlichkeiten auch der ungarische Botschafter in Wien, Vince Szalay-Bobrovniczky, sowie der steirische Landtagspräsident a.D. Reinhold Purr und der Bezirkshauptmann von Bruck, Bernhard Preiner, erschienen.

Letzte Ehre
  Zuvor hatten bereits zahlreiche Menschen in einem steten Zustrom dem aufgebahrten Ehepaar Otto und Regina Habsburg einen letzten Gruß erwiesen. Menschen trugen sich in das von zwei k.u.k.-Uniformierten flankierten Kondolenzbuch in der Kirche ein, die Särge wurden von sechs Angehörigen von Traditionsverbänden, darunter einem hünenhaften, den Säbel präsentierenden Offizier in Infanterieuniform, bewacht. Einige weibliche Angehörige der Familie Habsburg, schwarz gekleidet und mit Kopfschleiern, knieten und beteten still in den für die Familie reservierten Bänken vor dem Hochaltar. Sie waren für viele Kirchenbesucher ebenso ein Fotomotiv wie die Ehrenwache.

   Vor der Abfahrt der Autos der Wiener Bestattung mit den Särgen in die Bundeshauptstadt, wo sie in der Kapuzinerkirche aufgebahrt werden, folgte noch der "Umgang" um die Basilika - die Särge wurden von Angehörigen der Traditionsverbände getragen. Zahlreiche Schützenkompanien mit Karabinern und Prangerschützen mit Böllerbüchsen standen zum Ende der Zeremonie knapp nach 16.00 Uhr Spalier.
 

Alle Infos für die Begräbnisfeiern auf der nächsten Seite!

 

Jetzt haben die Begräbnisfeiern für Otto Habsburg in Österreich begonnen. Heute wird in der Basilika in Mariazell Abschied genommen.

Bischof Egon Kapellari wird am Mittwochnachmittag in der Basilika in Mariazell das Requiem für Otto Habsburg zelebrieren. Die Särge von Habsburg und seiner Frau Regina (sie verstarb 2010, wird nun auch in der Kapuzinergruft beigesetzt) kamen gestern aus Bayern.

Das Haus Habsburg hat eine jahrhundertealte Beziehung zum Wallfahrtsort. 1976 feierten Otto und Regina in der Basilika die silberne Hochzeit.

"Glorwürdige Königin"
Schon gestern starteten die Trauerfeiern in Mariazell . Gegen 16.45 Uhr traf die Familie Habsburg vor der Basilika ein, mit Karl und seiner Ehefrau Francesca sowie Georg Habsburg-Lothringen mit seiner Familie an der Spitze. Wenige Minuten später begannen die Glocken der Basilika zu läuten.

Kurz vor 17 Uhr trafen die Wagen der Wiener Bestattung mit den Särgen von Otto Habsburg und Ehefrau Regina ein. Die Stadtkapelle spielte ein Marienlied: "Glorwürdige Königin", bevor die beiden Särge in einem "Pilgerumgang" um die Kirche und dann ins Gotteshaus getragen wurden. Dem Sarg hinterher gingen drei berittene Artilleristen, die Orden Otto Habsburgs auf Samtkissen trugen.

Die beiden Särge wurden vor dem Hochaltar aufgebahrt, je drei Kavalleriesoldaten bildeten die Ehrenwache. Anschließend wurde eine Messe beim Gnadenaltar gelesen. Die Kirche war bis Mitternacht zur Andacht zugänglich.

Am Mittwoch folgt ab 7 Uhr die Andacht, ab 14 Uhr das Requiem, danach die Verabschiedung der sterblichen Überreste des Habsburger-Paares nach Wien.
 

Europas Adel stürmt Wien

Der Stephansdom wird am kommenden Samstag Zentrum des europäischen Hochadels sein: Vertreter alle Adelsgeschlechter werden Otto Habsburg und seiner Frau Regina (sie verstarb 2010) die letzte Ehre erweisen. Für 1.300 Gäste gibt es im Stephansdom Sitzplätze, wenn Kardinal Christoph Schönborn ab 15 Uhr das Requiem zelebriert. Das schwedische Regentenpaar König Carl Gustaf von Schweden und Königin Silvia hat nun die Teilnahme am Begräbnis bestätigt, das teilte die Kanzlei von Bundespräsident Heinz Fischer mit.

Luxemburgs Staatsoberhaupt Großherzog Henri reist bereits am Freitag nach Wien, ebenso Hans-Adam II. von Liechtenstein. Aus Rumänien kommt König Michael von Rumänien.

Zugesagt haben auch führende Politiker aller ehemaligen Kronländer: Aus Kroatien kommt Premierministerin Jadranka Kosor, aus Ungarn Staatspräsident Pál Schmitt. "Aus den anderen Ländern der k. u. k. Monarchie werden höchste Vertreter erwartet", sagt Eva Demmerle, Pressesekretärin des Hauses Habsburg zu ÖSTERREICH. Erwartet werden auch Abordnungen aller religiösen Gruppen.

Der frühere Oberrabbiner der Israelitischen Kultusgemeinde für München und Oberbayern, Steven Langnas, vertritt die jüdische Gemeinde, Mustafa Ceric, Großmufti von Sarajevo, die muslimische. Ceric will mit seiner Anwesenheit an Otto Habsburgs Eintreten für ein freies und unabhängiges Bosnien-Herzegowina erinnern.

Österreich wird mit der gesamten Staatsspitze vertreten sein: Bundespräsident Heinz Fischer und Kanzler Werner Faymann setzten sich sogar schriftlich dafür ein, dass eine 30-köpfige Abordnung des Bundesheeres dem Habsburg-Abschied Staatsbegräbnischarakter verleiht: "Garde, Militärmusik, Sargspalier, Kreuzträger – unsere Leute nehmen freiwillig teil", sagt Generalleutnant Christian Segur-Cabanac, stellvertretender Generalstabschef, zu ÖSTERREICH: "Es fallen somit keine Kosten an."

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