38 % Preisverfall
Schon lange kein Zuckerschlecken mehr für den Zuckermarkt
30.03.2026Sinkende Preise, weniger Zuckerkonsum, gestiegene Kosten setzen Zuckerkonzernen und Rübenbauern zu.
Die schwierigen Marktbedingungen spiegeln sich in der Entwicklung des Zuckerpreises wider. Nach rezenten Angaben von europäischen Branchenvertretern sind die Preise von Ende 2023 bis Ende 2025 um europaweit um 38 Prozent gefallen, nachdem es im Zuge der Ukraine-Krise zu einem Hoch gekommen war.
Laut dem österreichischen Rübenbauernbund sind es allerdings nicht nur sinkende Preise, die den Bauern zu schaffen machen: Seit dem Jahr 2005 seien die Produktionskosten um 64 Prozent gestiegen und stünden damit in keinem Verhältnis mehr zu den bäuerlichen Erträgen, sagte Präsident Ernst Karpfinger zur APA.
Zäsur durch Zuckermarktreform im Jahr 2017
Einen wesentlichen Einschnitt hatte zuvor die EU-Zuckermarktreform im Jahr 2017 gebracht. Damit fielen die Mindestpreise für Zuckerrüben sowie die Quotenregelung für die Zuckerproduktion weg. In der Folge fuhren viele europäische Konzerne ihre Erzeugung hoch, was eine strukturelle Überversorgung des Marktes zur Folge hatte und ein Grund für die fallenden Preise war.
Hinzu kamen laut Karpfinger diverse Handelsabkommen und der Abbau von Zollschranken, etwa mit der Ukraine. Waren die zollfreien Einfuhren in die EU aus dem Land vor dem Krieg auf 20.000 Tonnen pro Jahr begrenzt, wurden die Kontingente zwischenzeitlich deutlich erhöht und zuletzt auf 100.000 Tonnen pro Jahr festgelegt.
In der industriellen Verarbeitung sind seit 2022 für diese zusätzlich die gestiegenen Energiekosten hinzugekommen. "Das sind mit die Gründe, warum in Europa in den vergangenen Jahren ein Zuckerwerk nach dem anderen geschlossen wurde", ordnete Sinabell ein. Auch bei der Agrana kam es mit der Schließung der Standorte in Leopoldsdorf im Marchfeld sowie Hrušovany in Tschechien im vergangenen Jahr zu einer Restrukturierung. In Österreich kostete das rund 120 Mitarbeitern ihren Job.
Büttner: Produktion in Tulln gesichert
Die Zukunft des Agrana-Zuckerwerks in Tulln und damit des letzten verbliebenen Zuckerwerks hierzulande stehe aber weiter und trotz der Einsparungen in der Zuckersparte nicht zur Disposition, betonte Agrana-CEO Stephan Büttner am Rande eines Medientermins in Paris. Zuletzt hatte sich die Agrana mit dem Rübenbauernbund auch auf ein neues Preismodell für den Zuckerrübenanbau bis 2029 geeinigt.
Die Schließung des Standorts in Leopoldsdorf verteidigte Büttner. Zucker sei angesichts des rückläufigen Markts und der Überversorgungslage schlicht "kein Wachstumsbusiness" mehr. In der Agrana liegt der Fokus mit einer neuen Strategie mittlerweile auf der profitablen Sparte Food & Beverage Solutions (FBS), die unter anderem Fruchtzubereitungen umfasst.
Trend zu weniger Zuckerkonsum
Ein weiterer wesentlicher Grund für die Entwicklungen am Zuckermarkt ist der Trend hin zu weniger Zuckerkonsum bzw. einer gesundheitsbewussteren Lebensweise - laut Büttner ein Phänomen, das in ganz Europa zu beobachten ist. Das bestätigt Josef Domschitz vom WKÖ-Fachverband der Lebensmittelindustrie: Neben der Marktlage dürfe man die Konsumentenseite nicht außer Acht lassen, wo sich auch in Österreich viel getan habe. Hierzulande ging laut Daten der Statistik Austria der jährliche Zuckerverbrauch pro Kopf von 1994 bis 2024 von 41 kg auf rund 28,7 kg zurück.