Nordseeinsel Amrum

Sebastian (10) tot im Sand gefunden

04.07.2012

Zehnjähriger unter Sand begraben - Polizei geht von einem Unfall aus.

Zur Vollversion des Artikels
Zur Vollversion des Artikels

Es waren die 67 schlimmsten Stunden in der jüngeren Geschichte der Nordsee-Insel Amrum: Fieberhaft wurde nach dem kleinen Urlauberkind Sebastian aus Wien gesucht, das seit Sonntagabend als vermisst galt. Keiner gab die Hoffnung auf, den Buben doch noch lebend zu finden. Doch alles umsonst – Sebastian ist tot.

Spielplatz mit Bagger ausgeschaufelt
Es war wohl ein dramatischer Unfall. Nach den bisherigen Ermittlungen der Husumer Polizei hat sich der Schüler selbst am Abenteuerspielplatz „Piratenschiff“ eingebuddelt. Die Grube stürzte ein und begrub den Wiener Buben unter sich. Am Mittwoch um 14 Uhr entdeckten Polizisten Sebastians Leiche, nachdem sie den Sand auf dem Spielplatz mit einem Schaufelbagger 1,5 Meter tief abgegraben hatten. Genau an der Stelle, an der das Kind am Sonntag gegen 16.30 Uhr zum letzten Mal lebend gesehen wurde.

© EPA
Kinderleiche auf Spielplatz gefunden (c) EPA

Urlauber-Foto führte auf Sebastians Spur
Es ist einem Zufall zu verdanken, dass der kleine Wiener überhaupt gefunden wurde: Ein Insel-Urlauber hatte zum Zeitpunkt des Verschwindens ein Foto vom Abenteuerspielplatz geschossen. Mittwoch früh meldete er sich bei den Ermittlern, stellte seine Bilder zur Verfügung. Darauf zu sehen war eindeutig ein einzelnes Kind, das sich bereits tief in den Sand eingegraben hatte: Sebastian. „Es gibt keine Anhaltspunkte, dass sich andere Personen zum Unglückszeitpunkt dort aufgehalten haben. Die Unfallvariante ist die wahrscheinlichste, wir haben derzeit keine anderen Hinweise“, sagte Polizeisprecher Matthias Glamann. Er geht davon aus, dass der Randbereich von Sebastians Grube nachgab und der Sand den Buben unter sich begrub.

Insulaner trauern
 mit verzweifelten Eltern
Sebastian war seit Sonntag mit seinen Eltern und seiner älteren Schwester (12) in den Ferien auf Amrum. Nicht zum ersten Mal. Die Wiener Familie liebt die friesische Insel, der Bub kannte sich dort bestens aus. Und er war ein ausgezeichneter Schwimmer.

Deshalb schloss die Polizei von Anfang an aus, dass der Schüler im Wattenmeer ertrunken sein könnte. Sie ging entweder von einem Verbrechen oder einem Unfall aus. Die Einsatzkräfte hielten es sogar für möglich, dass der Blondschopf mit einer Fähre aufs Festland gefahren war. Doch von dem Schüler fand sich einfach keine Spur.

Seit Mittwochnachmittag weiß man auch, warum: Die Suchhunde der deutschen Polizei hatten zwar am Abenteuerspielplatz „Piratenschiff“ angeschlagen. Aber das war klar. Schließlich hatte Sebastian dort gespielt. Dass der Bub eineinhalb Meter unter der Erde lag, konnte niemand vermuten.

Auf der Insel Amrum herrschen jetzt Trauer und Bestürzung. Fast alle hatten bei der Suche mitgeholfen. Bürgermeister Jürgen Jungclaus: „Wir sind mit unseren Gedanken bei der Familie.“



 

Zur Vollversion des Artikels
Weitere Artikel