Preis für Dalik

Diagonale 26- Intendanten: "Filmfestivals sind hochpolitisch"

05.03.2026

Leistungsschau des österreichischen Films von 18. bis 23. März in Graz.

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© Diagonale Graz
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Graz/Wien. Die Diagonale 26 zeigt von 18. bis 23. März in Graz 149 Produktionen, davon 77 Österreich- oder Weltpremieren. Filmfestivals seien hochpolitisch, die Weltlage gehe nicht spurlos daran vorbei, spielten die Intendanten Claudia Slanar und Dominik Kamalzadeh auf die Berlinale und den Nahen Osten an. Bei den Dokus gebe es fast nur Premieren, so Kamalzadeh. Und ein Schwerpunkt vergangener Jahre - Care-Arbeit - werde einen weiter beschäftigen, so Slanar bei der Programmpräsentation.

Die diesjährige Diagonale beginnt am 18. März um 19.30 Uhr mit dem Eröffnungsabend in der Helmut-List-Halle. Dabei wird auch der auf der Berlinale gefeierte Eröffnungsfilm "Rose" von Markus Schleinzer mit Sandra Hüller in der Hauptrolle gezeigt. Zuvor erhält Hilde Dalik den "Großen Diagonale Schauspielpreis". Im Wettbewerb laufen 82 der 149 Produktionen.

"Es sind denkwürdige Zeiten"

"Es sind denkwürdige Zeiten - es tobt ein neuer Krieg, noch einer", sagte Kamalzadeh. Der Krieg zwischen dem Iran und Israel bzw. den USA gehe auch an der Diagonale nicht ganz spurlos vorbei. "Wir müssen in der Jury auf den Regisseur und Kameramann Faraz Fesharaki verzichten", so der Intendant. Auch der Regisseur Massoud Bakhshi sei betroffen, sie könnten nicht aus dem Iran ausreisen. Man habe keinen Kontakt, doch "ihnen gelten unsere Gedanken". Filmfestivals seien immer hochpolitisch, sagte der Intendant in Hinblick auf den Umgang etwa mit Berlinale-Chefin Tricia Tuttle, die "einmal wegen und einmal wegen mangelnder Abgrenzung" kritisiert wurde. "Festivals sind öffentliche Räume für Debatten, auch unbequeme", so Kamalzadeh.

Bei den Spielfilmen im Wettbewerb (zwei Welt- und vier Österreichpremieren) wurde u. a. die Weltpremiere von "AMS - Arbeit muss sein" von Sebastian Brauneis hervorgehoben - "ein hochkomischer Film über eine Gruppe arbeitsloser Menschen, die sich gegen Bürokratie auflehnt", hieß es bei der Programmpräsentation. "The Stories" von Abu Bakr Shawky ist eine klassische culture clash-Komödie zwischen Wien und Kairo, inklusive Verdrehen von Stereotypen.

"Fast ausschließlich Premieren bei Dokus"

Im Wettbewerb Dokumentarfilm screene man beinahe ausschließlich Österreich- und Weltpremieren, nämlich sieben bzw. acht von 16 Filmen. "A Russian Winter" von Patric Chiha befasse sich mit der russischen Diaspora, lange Zeit durch den berechtigten Fokus auf die Ukraine ins Eck gedrängt. In diesem Zusammenhang wurde auch auf die Kurzdoku im gleichnamigen Wettbewerb (zwölf Filme, neun Weltpremieren, Anm.) "Knife in the heart of Europe" von Artem Terentev hingewiesen, mit 60 Minuten eigentlich schon fast eine Langdoku, über Jugendliche in Kaliningrad eingekesselt zwischen Russland und Europa. Intendantin Slanar sagte, dass auch heuer wieder ein wesentlicher Fokus auf den Dokus zu Care-Arbeit liege: Etwa "Mein halber Vater" von Viki Kühn, in der sich nach dem Schlaganfall des Vaters Mutter und Tochter die Betreuung teilen. In "Wahlkampf" hat Harald Friedl das Team und den Spitzenkandidaten der SPÖ, Andreas Babler, begleitet. "Unterhaltsam und im Stil großer Politikerdokus", so Slanar, die auch auf "Meeting Götz" hinwies, eine dokumentarische Annäherung an den rechtsextremen Publizisten Götz Kubitschek, mit dem Regisseur Gregor Centner in dieselbe Schule ging.

Im Kurzfilm-Wettbewerb mit 14 Filmen (acht Welt- und sechs Österreichpremieren) wies Kamalzadeh auf "Ein Unfall" von Angelika Spangel hin, der bereits auf der Berlinale lief. Angelika Reitzers "Das Höhenphänomen" beschäftigt sich mit "der fragwürdigen Lust aus der Höhe runterzuspringen" - was sich mit einer aus den Fugen geratenen Welt verknüpfe. Komödiantisch werde es in "Die fruchtbare Phase endet gleich" von Fanny Rösch, in der eine Fruchtbarkeits-App ein Paar mit Kinderwunsch in zeitliche Nöte stürzt.

Position mit Pálmason und Roisz

In den beiden "Positionen" stehen der isländische Regisseur Hlynur Pálmason und die Filmemacherin und Musikerin Billy Roisz im Mittelpunkt. Der Isländer - "bei uns noch viel zu wenig bekannt", so die Intendanten - wird selbst eine Masterclass halten. Billy Roisz ist mit einer Werkschau von 22 Filmen präsent, persönlich wird sie die Live Performance "Tripping on Electrons" mit ihrer speziellen Ton- und Bildkunst am 21. März im Forum Heimatsaal im Volkskundemuseum halten.

In den historischen Programmen "Neue Unsicherheiten" bzw. "Girls will be Boys" geht es einerseits um das dokumentarische Filmschaffen in den 1990ern - einer Zeit, die in ihren Auswirkungen heute noch spürbar ist, mit den Balkankriegen und den Verschiebungen in der Sozialdemokratie, wie die Intendanten urteilten. In der Kooperation mit Synema - "Girls will be Boys" - geht es um Frauen in sogenannten Hosenrollen, mit drei Titeln aus der Zwischenkriegszeit: "Der Page vom Dalmasse-Hotel", "Viktor und Viktoria" sowie "Peter, das Mädchen von der Tankstelle".

Budget wie 2025

Zum Budget befragt sagte Kamalzadeh, er habe wie im vergangenen Jahr rund zwei Millionen Euro, inklusive der Sachleistungen zur Verfügung. Ohne Sachleistungen läge man bei rund 1,75 Millionen Euro. Die Vertreter des Hauptsponsors (seit 2017, Anm.) Steiermärkische Sparkasse sagten auf Journalistenfragen zur Dauer des Sponsorings, dass dieses kein Ablaufdatum habe. Es gehe weiter, solange es gut funktioniere, und es habe sich gut entwickelt. "Wir müssen jedes Jahr eine Entscheidung treffen, die Gelder beruhten ja auf Basis der Dividende der Bank", sagte der Vorsitzende der Steirischen Verwaltungssparkasse, Gerhard Fabisch, früherer Vorstandsvorsitzender der Steiermärkischen Sparkasse. Sigmund Loibner, Vorstandsmitglied der Steiermärkischen, nannte die Diagonale "eine der bedeutendsten Veranstaltungen des Landes, kraftvoll und mit gesellschaftlicher Relevanz".

Das Festival des österreichischen Films findet vom 18. bis 23. März zum 29. Mal in Graz statt. Der Ticketvorverkauf startet am 14. März um 10 Uhr.