Muriel im Spital

Drama um zwangsbehandeltes HIV-Baby

08.01.2010

"Aids gibt es nicht“ - Das kranke Weltbild der Eltern hätte beinahe zum Tod eines elf Monate alten Babys geführt. Doch Muriel soll leben.

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Noch nicht einmal ein Jahr alt und trotzdem schon an Aids erkrankt: In der Steiermark tobt ein mit eiserner Härte geführter Kampf zwischen den Eltern eines kleinen Mädchens und den Behörden. Leonhard und Barbara S. sind HIV-positiv. Die Mutter hatte sich vor Jahren an einer Heroinspritze infiziert. Trotz aller Warnungen stillte sie nun ihr viertes Kind – und steckte es an.

Gefährliche Schulmedizin
Jetzt liegt Muriel in der Grazer Kinderklinik und wird gegen den Willen der Eltern gegen die Immunschwächeerkrankung behandelt, die sie vor wenigen Wochen beinahe in Form einer Lungenentzündung das Leben gekostet hätte. Damals verweigerten Leonhard und Barbara S. jede Behandlung für ihr Kind: „Schulmedizin therapiert Muriel zu Tode.“

Der zuständige Bezirkshauptmann reagierte rasch: „Wir haben die Obsorge für Behandlung und Unterbringung beantragt und bekommen. Daher kann das Kind jetzt bestmöglich versorgt werden.“

Krieg mit den Behörden
Die Gesprächsbasis mit den Eltern sei in den letzten Monaten gut gewesen. Doch dann hätte sich Helmut Pilhar eingemischt, dessen Fanatismus für die absurden Theorien des deutschen Heilers Ryke Geerd Hamer bereits dessen Tochter Olivia beinahe das Leben gekostet hatte. Die Familie S. übernahm Hamers abstruse Ideen – seither herrscht Krieg mit den Behörden. „Hier wird auf dem Rücken eines Kindes eine Ideologie beworben“, ärgert sich der Bezirkshauptmann und beschreibt das wirre Weltbild der Eltern: „Der Vater sagte zu mir, es gäbe eine UNO-Resolution, die Weltbevölkerung mittels tödlichen Aids-Medikamenten auf sechs Millionen zu reduzieren.“

Kind von Polizei abgeholt
Als Barbara und Leonhard S. Muriel trotz Lungenentzündung nicht ins Spital bringen wollten, ließ der Behördenleiter das Kind von der Polizei abholen. Seit 22. Dezember wird das elf Monate alte Baby behandelt. Die Eltern sind rund um die Uhr im Krankenzimmer – und schreiben auf ihrer Homepage wirre Botschaften: Ihre Tochter werde von Ärzten laufend vergiftet. Und alle Aids-Tests wären in Wirklichkeit nur Allergie-Tests, um Bakterien im Genitalbereich festzustellen. Vater Leonhard: „Wir wissen, dass es HIV nicht gibt und nehmen selber keine Medikamente.“

Die drei Geschwister des Babys wurden auf Pflegeplätze gebracht. Der Bezirkshauptmann will indes die dauerhafte Obsorge für Muriel: „Wir werden alles tun, um ihr zu helfen.“

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