Fahrlässige Tötung?

Pistencrash riss 2 Familien ins Unglück

04.01.2009

Noch immer herrscht in Österreich und Deutschland Bestürzung über den schrecklichen Skiunfall, bei dem eine vierfache Mutter starb.

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© dpa/A3116 Tim Brakemeier
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Zwei Familien sind nach dem tödlichen Ski-Crash am Neujahrstag auf der steirischen Riesneralm schwer traumatisiert: Auf der einen Seite die der 41-jährigen Beata Christandl, die nach dem Pisten-Crash mit dem thüringischen Ministerpräsidenten noch auf dem Weg ins Spital an ihren schweren Kopfverletzungen starb – sie war ohne Helm unterwegs. Die gebürtige Slowakin hinterlässt ein trauernden österreichischen NATO-Offizier, einen einjährigen Sohn und drei Kinder aus der ersten Ehe ihres Mannes Bernhard, den sie vor drei Jahren in Riegersburg (Stmk.) geheiratet hat.

 

Foto: (c) TZ Österreich/ Gary C. Knapp

Schock in Gemeinde
Pfarrer Alois Hauptmann ist ein enger Vertrauter des Paares und traute die beiden. Der Geistliche zu ÖSTERREICH: „Diese Katastrophe ist wirklich erschütternd. Die Menschen im Ort sind schockiert und zutiefst betroffen, dass dieser Unfall passiert ist. Man ist sprachlos, dass so etwas überhaupt geschehen kann.“

Auch die Frau und die zwei Kinder des deutschen CDU-Politikers Dieter Althaus sind schwer geschockt. Erst in der Nacht auf Samstag konnte sich der 50-jährige Spitzenpolitiker wieder bewegen und ist um 8 Uhr früh aus dem Koma erwacht. Der Ministerpräsident konnte auch mit seiner Ehefrau Katharina einige wenige Worte sprechen. Katharina Althaus war nicht zum ersten Mal mit ihrem sportlichen Gatten in Österreich im (Ski-)Urlaub – am Unfalltag aber nicht mit ihrem Mann auf der Skipiste. Dieter Althaus fuhr mit seinem Leibwächter die steile „Sonnige Piste“ auf der Riesneralm hinab; wo Althaus in der Einmündung mit der Panorama-Strecke mit Beata Christandl zusammenkrachte. Über den Tod der hübschen Mittvierzigerin hat man ihn noch nicht ­informiert. „Das sei noch nicht zumutbar“, heißt es aus dem Krankenhaus in Schwarzach.

Eine computertomografische Untersuchung hat am Samstag den stabilen Zustand des schwer verletzten deutschen Spitzenpolitikers bestätigt: „Das macht auf ­eine günstige Entwicklung Hoffnung. Es ist aber noch nicht abschätzbar, bis er voll mobil wird. Das wird noch einige Zeit in Anspruch nehmen“, zeigt sich der ärztliche Direktor des Krankenhauses, Reinhard Lenzhofer, verhalten optimistisch.

Überstellung nach Deutschland
Unterdessen wurde bekannt, dass die Staatsanwaltschaft Ermittlungen wegen fahrlässiger Tötung gegen den wiedererwachten Länder-Chef von Thüringen aufgenommen hat. „Wir haben das Freitagabend entschieden. Wir werden Herrn Althaus auch von der Polizei einvernehmen lassen, sobald das sein gesundheitlicher Zustand erlaubt“, sagt Staatsanwalt Walter Plöbst im Gespräch mit ÖSTERREICH.

Es sei auch denkbar, dass er nach der Überstellung nach Deutschland in ein bis zwei Wochen von deutschen Kollegen zu dem Vorfall befragt wird. Rechtlich stehe jedenfalls der Ausreise aus Österreich und dem Transport ins Heimatkrankenhaus nach Erfurt nichts im Wege.

Obduktion soll Klarheit bringen
Fahrlässige Tötung wird in Österreich mit bis zu zwei Jahren Haft bestraft. Die Erhebungen von Polizei und Staatsanwaltschaft laufen. Bereits Samstagmittag war die Obduktion des Leichnams der 41-Jährigen abgeschlossen. Das Ergebnis soll aber erst am Montag bekannt gegeben werden.

Die ersten Worte von Althaus' Frau
Die zierliche 47-Jährige am Samstag nach dem Besuch auf der Intensivstation zur Bild am Sonntag: „Ich bin unendlich erleichtert. Mein Mann hat mich sofort erkannt und auch gleich die Namen unserer Töchter genannt. Er braucht noch ganz viel Ruhe.“

Außer seiner Frau kamen auch enge Freunde ins Krankenhaus. Unter ihnen Thüringens Bauminister Gerold Wucherpfenning: „Ich bin an seinem Krankenbett gestanden, er kann aber noch nicht viel sprechen. ­Katharina Althaus hat auf mich gezeigt und ihren Dieter gefragt: ‚Kennst du den?' Der Ministerpräsident hat Ja gesagt. Er hat noch nicht nach der Frau gefragt, mit der er zusammengestoßen ist. Darüber bin ich froh.“

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