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Stürzt der Gürtel-Pate wie Al Capone?

08.04.2010

Abgesehen von mutmaßlichen Schwerverbrechen steht Rotlichtgröße Richard Steiner im Verdacht, Millionen schwarz verdient zu haben.

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Gegen den verhafteten Gürtel-Capo Richard Steiner (39) wird wegen Verabredung zum Mord, Schutzgelderpressung, Mädchenhandel, Geldwäsche und Bildung einer kriminellen Organisation ermittelt. Jeder einzelne Vorwurf ist wuchtig genug, um den gebürtigen Kroaten für längere Zeit ohne Gürtel in eine Zelle zu bringen (wobei die Unschuldsvermutung gilt).

Steuerfalle
Steiners Top-Anwalt Christian Werner scheint dennoch gelassen: „Über meinen Mandanten gab es schon viele Gerüchte, aber vor Gericht zählen Fakten und Beweise.“ Was stimmt. Allerdings droht der Rotlichtgröße diesmal neben dem starken Arm der Exekutive noch ein weiterer Würgegriff – durch die Klaue der Finanz. Denn abgesehen von mutmaßlichen Schwerverbrechen steht Steiner auch im Verdacht, Einnahmen in Millionenhöhe am Fiskus vorbeigeschummelt zu haben. Und Vergesslichkeit in Sachen Steuerpflicht hat einst schon den sonst unantastbaren US-Godfather Al Capone für Jahre nach Alcatraz gebracht.

Kassabuch
Ein früherer Geschäftsführer von Steiners Hauptquartier, dem Nachtclub „Pour Platin“, hat ÖSTERREICH Einblick in die Geschäftsgebarung des Capos gegeben. Es gab Aufzeichnungen der wahren Umsätze im Sex-Betrieb und ein Kassabuch für die Finanz. Vom Unterschied kann ein ganzes Dorf im Waldviertel leben. Legt der Ex-Mitarbeiter seine Buchhaltung als Kronzeuge offen, verarmt dafür Steiner über Nacht.

Schutzgeld
Originell auch, dass der Halbwelt-König offen dazu stand, über den sogenannten „Nokia Club“ (die Mitglieder verständigten sich über Nokia-Handys) Schutzgelder einzunehmen. In einer polizeilichen Niederschrift (Zahl: 5K 203 KM/03) gab Steiner an: „Es ist ein offenes Geheimnis in Wien, dass der Nokia Club existiert. Ein hoher Polizeibeamter direkt unter dem Mag. Horngacher (Ex-Polizeikomandant) hat gesagt, es darf aber nichts passieren.“

Jeden Monat kassierte Steiner bei 20 Lokalen je 500 Euro ab. Von den 120.000 Euro jährlich seit 2002 erfuhr das Finanzamt nichts. Mag sein, dass Steiner damit seinen Ferrari und zwei Häuser bezahlte. Die Ermittlungen laufen.

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