Polizei-Pannen

Bleibt Mord in Tirol ungesühnt?

21.04.2008

Nur durch die Beharrlichkeit der Eltern wurde der Mord an Raven Vollrath aufgedeckt. Dennoch könnte der Täter davonkommen.

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Am Mittwoch gehen die Eltern von Raven, Günther und Maryon, erneut an die Öffentlichkeit, um im Kerner-Talk (ZDF, 23.15 Uhr) über ihre unfassbaren Erfahrungen mit den österreichischen Behörden zu berichten. Die Vorgeschichte: Zu Weihnachten 2005 verschwand der ostdeutsche Saisonarbeiter Raven (25) im Außerfern. Obwohl die Eltern von Anfang an ein Verbrechen vermuteten, ging die Polizei keiner einzigen Spur nach.

Die Pannen
Erst ein halbes Jahr später wurde die Leiche in einem Bachbett nahe den Rohnenliften, wo sich Raven zuletzt aufhielt, von Wanderern gefunden. Zoran Dobric vom ORF-Thema-Team, der den Fall aufdeckte: „Man tat die Causa als natürlichen Tod durch Erfrieren vorschnell ab. Doch wie sollte ein Mann im tiefsten Winter – zum Todeszeitpunkt lag ein Meter Schnee – halb nackt zu der Stelle am Bach gekommen sein, um sich dort auf einer Matratze schlafen zu legen?“

Überzeugungsarbeit
Noch unverständlicher wird die Haltung der Polizei, als man den Behörden die Spur zu einem Tatverdächtigen – einem Bekannten von Raven, der ebenfalls als Saisonnier in Tirol arbeitete – legte. Dobric: „Ich habe die Staatsanwaltschaft in Innsbruck überzeugen müssen, doch endlich wenigstens die Mutter des Verdächtigen zu verhören.“

Der Knalleffekt – mittlerweile schreiben wir den Februar 2008: Beim Staatsanwalt in Erfurt gesteht Gabriele S. , ihrem Sohn Markus H. (22) bei der Entsorgung der Leiche geholfen zu haben. Bei der Tat selbst – Raven war erstochen worden – sei sie aber nicht dabei gewesen. Ihr Sohn wird verhaftet und schweigt in U-Haft eisern. Seine Strategie könnte aufgehen. „Da die Ermittlungen derart verschlampt wurden, ist es schwierig ihm den Mord nachzuweisen,“ befürchtet Dobric. Entscheidend dabei könnten die (DNA-)Spuren auf einem Badeteppich sein, in dem die Leiche von Raven eingewickelt war. Dieses wichtige Indiz entdeckten Ravens Eltern jetzt zu Ostern nahe des Fundortes ihres Sohnes. Maryon Vollrath: „Dort lag der Teppich von Anfang an. Die Tiroler Polizei muss blind sein. Ich habe das Miss-Marple-Spielen satt.“

(kor)

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