Nach 7 Tagen im Eis

Eis-Opa wird aus Klinik entlassen

04.09.2012

Der 70-Jährige steht jedoch weiterhin unter ärztlicher Beobachtung.

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© APA/ EXPA/ Bergrettung Prägraten
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Der Mitte August nach sechs Tagen Gefangenschaft in einer Gletscherspalte in Tirol gerettete Urlauber aus Bayern hat am Montag aus die Universitätsklinik Innsbruck verlassen. "Er hat sich in der Zeit gut erholt und sein Zustand hat sich soweit stabilisiert, dass er in ein heimatnahes Krankenhaus zur weiteren Beobachtung entlassen werden konnte", hieß es am Dienstag auf Anfrage der APA aus der Klinik.

Seit der Bergung des 70-Jährigen am 14. August wurden unter anderem die Erfrierungen an den Füßen behandelt. Für die Verletzungen an der Hüfte sei kein operativer Eingriff notwendig, hatte es bereits in der Vergangenheit geheißen. Schon zwei Tage nach seiner Einlieferung hatte der behandelnde Arzt des Bayern, Volker Wenzel, "keine großen Folgeschäden" bei seinem Patienten in Aussicht gestellt. Die Beeinträchtigung der Niere durch das Gletscherwasser, das keine Elektrolyten enthalte, habe bereits korrigiert werden können, schilderte der stellvertretende Direktor der Innsbrucker Klinik für Anästhesie und Intensivmedizin.

Der Alpinist war an jenem Dienstag Mitte August "extrem erschöpft" aber "überraschend wenig verletzt" in die Uni-Klinik eingeliefert worden. Seinen eigenen Angaben zufolge dürfte der pensionierte Handwerker aus der Oberpfalz rund eine Woche zuvor vom Westfalenhaus in den Stubaier Alpen gestartet sein. Am Schrankogel bei Sellrain im Bezirk Innsbruck-Land dürfte er in rund 3.000 Metern Höhe auf einer Schneebrücke eingebrochen und bis zu 20 Meter abgestürzt sein. Schließlich wurden seine Hilferufe von einer dreiköpfigen deutschen Gruppe gehört. Ein Alpinpolizist fand den Verunglückten auf dessen Rucksack sitzend vor.

Während nach der Rettung des 70-Jährigen in den Medien zum Teil von einem "Wunder" gesprochen wurde, hatte Hermann Brugger, Leiter des Instituts für Alpine Notfallmedizin an der EURAC in Bozen, das Überleben des Gletscherspaltenopfers auf die "außergewöhnliche Wärmeperiode in den Alpen" zurückgeführt. "Die Temperatur in der Spalte lag größtenteils über null Grad, die Durchschnittstemperatur befand sich im Plus-Bereich", führte er aus. Entscheidend war zudem, dass der Urlauber unverletzt geblieben war, er eine starke Psyche besitze und er nie das Bewusstsein verloren habe. "Denn sonst wäre er erfroren", meinte der Mediziner.
 

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