Chemieunfall

Trauer für drei Todesopfer

02.10.2006

Nach dem Chemieunfall in einer Grazer Lederfabrik wurde am Dienstag der Betrieb nach einer Trauerminute fortgesetzt.

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© APA/MARKUS LEODOLTER
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Nachdem am Montag bei dem Unglück zwei Arbeiterinnen getötet und fünf weitere Beschäftigte lebensgefährlich verletzt worden waren, verstarb in der Nacht auf Dienstag ist im Grazer LKH eine dritte Arbeiterin. Vier weitere Beschäftigte des Werks sind in einem kritischen Zustand, hieß es seitens des LKH.

Weiter Verletzte in häusliche Pflege entlassen
Mit der 40 Jahre alten Arbeiterin, die in der Nacht auf Dienstag im Krankenhaus an Herzversagen gestorben ist, erhöhte sich die Opferzahl des Chemieunfalls auf drei. Allerdings gab es auch erfreuliche Nachrichten: Im Laufe des Tages konnten einige der insgesamt 13 Leichtverletzten - fünf waren noch in der Nacht auf Dienstag u.a. mit Atembeschwerden eingeliefert worden - in häusliche Pflege entlassen werden. Hinsichtlich der lebensgefährlich Verletzten gab es noch keine Anhaltspunkte, wie lange ihr kritischer Zustand anhalten wird.

Psychologische Betreuung vor Ort
Am Morgen nach dem Unglück hielten die Mitarbeiter von Wollsdorf Leder eine Trauerminute für die verstorbenen Kolleginnen ab. Danach wurde die Produktion wieder aufgenommen. Für diejenigen Beschäftigten, die das wünschten, standen Betreuer des Kriseninterventionsteams (KIT) des Landes Steiermark zur Verfügung.

Unfall bei Austritt von Schwefelwasserstoff
Montag Morgen war in einer der drei Werkshallen aus einem Behälter Schwefelwasserstoff ausgetreten, teilte Rüdiger Taus, Bezirkshauptmann von Weiz, mit. "Sieben Menschen in der unmittelbaren Nähe des Behälters sind ohnmächtig geworden. Sie konnten von ihren Kollegen ins Freie gebracht werden", berichtete Taus.

Drei Frauen tot
Für zwei Frauen - die 51-jährige Rafka O. aus Gleisdorf und eine 29-jährige Sosia O. aus Flöcking - kam jede Hilfe zu spät. "Wir haben bei drei Frauen sofort mit der Reanimation begonnen", sagte Karl Simon, Bezirksgeschäftsführer des Roten Kreuzes Weiz. Ins Leben zurück geholt werden konnte jedoch nur noch eine. " Die 40-jährige Frau starb allerdings am Dienstag an Herzversagen.

Über 30 Personen mussten vor dem Firmengebäude und danach ambulant mit Sauerstoff und Infusionen versorgt werden, vier Personen wurden im LKH Graz und im LKH Weiz stationär aufgenommen. Sie waren zum Teil mit Hubschraubern weggebracht worden.

Ursache ungeklärt
Wie es zu dem Vorfall kam, sei noch nicht geklärt, so die Verantwortlichen. Es hätten sich chemische Substanzen verbunden - in einem Behälter sei Schwefelsäure einer Menge Chromhydroxidschlamm beigegeben worden. Das sei ein üblicher Vorgang, um Chromsulfad zu erhalten, das zum Gerben von Leder verwendet wird, erklärte Michael Ratzenhofer, Chemotechniker des Landes Steiermark. Allerdings habe sich im Schlamm auch eine große Menge Sulfid befunden, wodurch es zum Austritt des Schwefelwasserstoffs gekommen sein dürfte. Die genauen Umstände müssten aber erst geklärt werden.

100 Helfer im Einsatz
Insgesamt standen rund 100 Helfer im Einsatz, darunter auch das Kriseninterventionsteam des Landes Steiermark, das mit acht Mitarbeitern die Betroffenen und deren Familienangehörigen betreute. Drei Rettungshubschrauber, 22 Fahrzeuge und sechs Notärzte waren ebenfalls unter den Helfern.

Erster Vorfall dieser Art
Der Arbeitstag hatte für die betroffenen Mitarbeiter um 5.30 Uhr begonnen, pro Schicht sind rund 150 Mitarbeiter in den Werkshallen tätig, berichtete einer der Geschäftsführer, Gerhard Klambauer. Seit 1978 stehe das Werk - seit er da sei, hätte es noch keinen solchen Vorfall gegeben.

Führender Hersteller von Spezialleder
Die steirische Wollsdorf Leder, auf deren Fabriksgelände in Wollsdorf bei St. Ruprecht an der Raab im oststeirischen Bezirk Weiz sich der Chemieunfall ereignet hat, ist einer der weltweit führenden Hersteller von hochwertigem Spezialleder vor allem für die gehobene Fahrzeugindustrie. Es wird aber auch Leder für die Flugzeughersteller produziert. An den beiden steirischen Standorten - dem betroffenen und in Weiz - sind rund 560 Mitarbeiter beschäftigt. Die Gruppe unterhält auch ein Werk in Wilhelmsburg in Niederösterreich.

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