Obdachlose in Gefahr

450 Hilferufe täglich: Rekord für Kältetelefon Wien

22.01.2026

Das Wiener Kältetelefon erlebt einen Ansturm wie nie zuvor. Täglich melden Bürgerinnen und Bürger Menschen, die auf der Straße schlafen. Trotz aller Hilfsangebote sind in diesem Winter bereits zwei Männer gestorben. 

Zur Vollversion des Artikels
© APA/TOBIAS STEINMAURER
Zur Vollversion des Artikels

Zwei obdachlose Männer sind kürzlich in Wien erfroren. Gefunden wurden sie von Streetwork-Teams der Caritas, einer im Martin-Luther-King-Park in Favoriten, der andere in Floridsdorf. Beide hatten wiederholt Hilfe abgelehnt. Die Kälte beendete ihr Leben. Die Stadt Wien zeigt sich betroffen von den jüngsten Fällen. Quartiere seien ausreichend vorhanden, betonen sowohl Stadt als auch Caritas. Doch Mitgefühl allein schützt nicht vor Erfrierung. Manche Hilferufe kommen zu spät. Und für zwei Männer endete der Winter tödlich.  

Rekord-Ansturm auf das Kältetelefon

Beim Wiener Kältetelefon läuten derzeit pausenlos die Telefone. Rund 450 Anrufe gehen täglich ein, seit Beginn des Winters waren es bereits mehr als 10.000, berichtet der ORF. Menschen melden obdachlose Personen, die auf der Straße schlafen. Jede Meldung kann ein Leben retten.

Sobald ein Anruf eingeht, machen sich Sozialarbeiter auf den Weg. Sie informieren über Notschlafstellen, bieten Begleitung an und besprechen, wie es weitergehen kann. In mehr als 300 Fällen gelang diesen Winter bereits eine Vermittlung in ein Notquartier.

Hilfe, die manchmal abgelehnt wird

Nicht alle nehmen die Hilfe an. Wer draußen bleiben will, bekommt Schlafsäcke, Decken, Tee und Lebensmittel. Die Gründe für das Verbleiben auf der Straße sind vielfältig. Manche Menschen leiden unter psychischen Erkrankungen, andere haben schlechte Erfahrungen gemacht oder ertragen die Enge in Unterkünften nicht.

"Es gibt immer wieder Situationen, wo es den Menschen sehr schlecht geht. Darum machen wir beim Telefonieren immer eine Gefährdungsabklärung. Weil wir keine Blaulichtorganisation sind. Wir können nie sagen, wann wir vor Ort sind", so Susanne Peter, Leiterin des Kältetelefons im Ö1-Morgenjournal.

Bei akuter Gesundheitsgefahr oder wenn jemand bewusstlos wirkt, müsse sofort die Rettung unter 144 gerufen werden, mahnt die Caritas. Denn nicht immer reicht die soziale Hilfe allein aus.

Eine Stadt zwischen Kälte und Verantwortung

Zur Vollversion des Artikels