Influenza und Co.
Bilanz nach Viren-Winter: 3.000 stationäre Patienten in Wigev-Kliniken
28.04.2026In den Kliniken des Wiener Gesundheitsverbundes wurden im vergangenen Infektionswinter mehr als 3.000 Menschen wegen schwerwiegender Erkrankungen stationär aufgenommen. Die Grippewelle traf die Stadt heuer ungewöhnlich früh und sorgte gemeinsam mit Covid-19 und RSV für eine angespannte Lage.
Die heurige Viren-Saison unterschied sich nach Einschätzung der Experten deutlich von den Vorjahren, da die Grippewelle bereits im Dezember ihren Höhepunkt erreichte. In diesem Monat mussten 712 Patienten in Wigev-Spitälern stationär behandelt werden, wobei die Zahlen im Jänner auf einem ähnlich hohen Niveau blieben. Auch COVID-19 zeigte einen Peak im Dezember mit 330 Patienten, allerdings auf niedrigerem Niveau und mit flacherem Verlauf. Ab Februar gingen die Fallzahlen deutlich zurück, während RSV an Bedeutung gewann – mit 227 stationären Patienten gegenüber 180 Influenza-Fällen im selben Zeitraum.
"Wir erlebten in dieser Saison eine klassische, aber zeitlich vorgezogene Grippewelle, einen flacheren Covid-19-Verlauf und deutlich mehr RSV-Fälle als im Vorjahr“, erklärt Michael Binder, Medizinischer Direktor des Wiener Gesundheitsverbundes. Der größte Klinik-Betreiber des Landes müsse sich laut Binder darauf einstellen, dass sich solche Wellen künftig stärker überlappen oder früher auftreten als gewohnt.
Sorge um die kleinsten Patienten
Besonders dramatisch gestaltete sich die Situation für Kinder und Jugendliche, die laut den Spitalsdaten oft mit mehreren Erregern gleichzeitig zu kämpfen hatten. Im Dezember landeten 22 junge Patienten auf der Intensivstation, was einem Anteil von etwa 16 Prozent der stationär aufgenommenen Minderjährigen entspricht. "Das Immunsystem von Säuglingen und Kleinkindern kommt oft erstmals mit verschiedenen Erregern in Kontakt, manchmal auch gleichzeitig", sagt Thomas Wagner, Vorstand der Abteilungen für Kinder- und Jugendheilkunde an den Kliniken Floridsdorf und Donaustadt. Er rät den Eltern dazu, die verfügbaren Impfungen zu nutzen, um das Risiko für schwere Krankheitsverläufe zu senken.
Schutz für Senioren und Risikogruppen
Neben Kindern waren vor allem Menschen über 60 Jahre sowie Personen mit Vorerkrankungen von der Infektionswelle betroffen, wobei laut Beobachtungen der Mediziner Ungeimpfte besonders häufig intensivmedizinische Hilfe benötigten. Während Covid-19 mittlerweile eher gleichmäßig über das Jahr verteilt auftritt, sorgte die Influenza im Winter für die meisten schweren Fälle in den Wiener Spitälern. "Die gute Nachricht ist: Ein schwerer Verlauf ist oft vermeidbar", meint Marton Szell, interimistischer Leiter der Notfallambulanz der Klinik Donaustadt. Er weist darauf hin, dass die Influenza-Impfung seit Ende 2024 für alle Menschen in Österreich kostenlos zur Verfügung steht und erinnert Risikogruppen an dieses Angebot.