Kindergarten-Skandal

"Daumen mal Pi": Wien als Kindergarten: 1,34 Mrd. Euro – und niemand weiß, wohin das Geld fließt

05.05.2026

Ein vernichtender Stadtrechnungshof-Bericht erschüttert die Wiener Stadtpolitik: Bei den städtischen Kindergärten der MA 10 herrscht offenbar totales Chaos bei den Finanzen – und das bei einem Budget von sage und schreibe 1,34 Milliarden Euro! 

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© APA/Heiko Rebsch
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Der Befund ist brutal: Für die Jahre 2021 und 2022 gibt es schlicht KEINE Daten. Für 2024 wurden die Kosten einfach pauschal um 9,5 Prozent erhöht – weil echte Zahlen wegen "eingeschränkter personeller Kapazitäten" angeblich nicht möglich waren. Pi mal Daumen mit Steuergeld?!

Und das kostet es die Wiener wirklich

Ein städtischer Kindergartenplatz schlug 2023 mit durchschnittlich 13.767 Euro zu Buche – 2024 bereits mit 15.070 Euro. Bei privaten Trägern? Gerade mal 8.772 Euro (2023) bzw. 10.375 Euro (2024). Tausende Euro Unterschied – pro Kind, pro Jahr!

Noch irrer

In heilpädagogischen Gruppen explodieren die Kosten auf bis zu 35.000 bis 38.000 Euro pro Kind und Jahr – bei einer Auslastung von teils nur 44 Prozent. Leere Plätze zum Höchstpreis!

Die Opposition schäumt

ÖVP-Klubobmann Harald Zierfuß macht klar: "Jeder private Kindergarten würde für so eine Pfusch-Kostenaufzeichnung zugesperrt!" Die Zahlen lagen überhaupt nur vor, weil die ÖVP ein Prüfersuchen erzwungen habe. Von der selbsternannten "Transparenz-Partei" Neos sei jahrelang: nichts gekommen.

FPÖ-Bildungssprecher Maximilian Krauss legt nach: "Wer nicht einmal weiß, wie viel ein Kindergartenplatz kostet, kann keine verantwortungsvolle Bildungspolitik machen!" Sein Fraktionskollege Armin Blind sieht das genauso: "Pi-mal-Daumen-Rechnungen mit Steuergeld sind inakzeptabel."

Die Gesamtkosten: Dramatisch

2023 kosteten die städtischen Kindergärten insgesamt über 527 Millionen Euro – 2024 bereits mehr als 582 Millionen. 73 Prozent davon entfallen auf Personal, das teils weit über den gesetzlichen Mindestvorgaben eingesetzt wird. Die Forderung der Opposition ist eindeutig: Kompletter Neustart der MA 10 – und Bildungsstadträtin Emmerling soll die Konsequenzen ziehen! Anlässlich des heute erschienenen Stadtrechnungshofberichts fordern die Grünen Wien die Neuaufstellung des Fördersystems für private Kindergärten in Wien. "Wien braucht ein neues Fördersystem für Kindergärten. Ziel muss sein, endlich die Ungerechtigkeit zwischen den Förderungen von privaten und öffentlichen Kindergarten zu beenden. Private Kindergärten leisten eine unverzichtbare Arbeit in der Elementarbildung dieser Stadt, dafür haben sie sich eine gerechte Finanzierung verdient", so die Bildungssprecher der Grünen Wien, Julia Malle und Felix Stadler. 

Auch Wiener Stadtrechnungshof empfiehlt Kostenrechnung 

Nachdem die Stadt Wien bei der Erhebung der Ausgaben für Plätze in städtischen und privaten Kindergärten zuletzt vorgeprescht war, kam nun auch die offizielle Empfehlung des Stadtrechnungshofs dazu. Dieser fordert in einem Bericht eine "aktuelle und auf steuerungsrelevanten Informationen basierende Kostenrechnung". Laut aktueller Rechnung kostet ein städtischer Kindergartenplatz durchschnittlich 13.767 Euro pro Jahr. Private Träger erhalten 9.088 Euro pro Jahr und Kind. Verantwortlich für die Differenz sind unter anderem die Aufwände für Inklusionsplätze bzw. heilpädagogische Gruppen. Dieser Bereich wird fast gänzlich von der Stadt abgedeckt. Weiters empfiehlt der Stadtrechnungshof eine fortlaufend aktuell gehaltene Dokumentation der Kostenrechnung, was laut Stadt ebenfalls bereits veranlasst worden sei. Auch die Umsetzung der Empfehlungen der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft zum Kostenrechnungsmodell sei bereits initiiert.