Kältewelle
Donau zugefroren: Eisbrecher "MS Eisvogel" im Dauereinsatz
13.01.2026Eine anhaltende Kältewelle lässt erstmals seit dem Jahr 2017 die Wiener Gewässer wieder großflächig zufrieren - auch im Hafen Wien. Um den Betrieb in den Hafenbecken aufrechtzuerhalten ist der Eisbrecher "MS Eisvogel" im Dauereinsatz.
Die Donau liegt unter einer dicken Eisschicht, die Hafenbecken sind zugefroren. Ein einziges Schiff hält die Fahrrinnen offen und schützt die Schiffe vor dem gefährlichen Druck des Eises. Es ist die MS Eisvogel, die alle zwei Tage durch die Häfen Freudenau, Albern und Lobau fährt und das Eis bricht.
Mit ihren zwei Dieselmotoren und insgesamt 520 PS bewegt sich das 32 Meter lange Schiff im Schritttempo durch die gefrorenen Wasserflächen. Der Bug spaltet die Eisschollen, der Rumpf ist mit bis zu zwölf Millimeter dickem Stahl verstärkt. Bei besonders dicker Eisdecke nimmt die MS Eisvogel zusätzlich 30 Tonnen Wasserballast auf, hebt sich leicht an und zerbricht die Eisfläche mit ihrem Gewicht. Bis zu 60 Zentimeter dickes Eis könne man so brechen, erklärt Kapitän Michael Schopf. "Dann vibriert im Kampf gegen die Eismassen der ganze Schiffskörper, Heckwasser schäumt auf und laut knirschend bricht das Eis in Stücke", so Schopf.
Wenn das Wasser erstarrt beginnt ihre Arbeit
Die anhaltende Kältewelle hat die Wiener Gewässer erstmals seit dem Jahr 2017 wieder vollständig zufrieren lassen. Bereits bei Temperaturen ab minus sechs Grad entstehen geschlossene Eisflächen. Innerhalb weniger Stunden kann sich das Eis auf bis zu 15 Zentimeter verdichten. Ohne den Einsatz der MS Eisvogel wären viele Schiffe gefährdet und der Betrieb im Hafen Wien stark eingeschränkt.
Trotz frostiger Bedingungen bleibt der größte öffentliche Donauhafen Österreichs in Betrieb. Rund ein Drittel der jährlich etwa 1.000 Frachtschiffe läuft den Hafen Wien auch in den Wintermonaten an. Besonders wichtig ist der Hafen Freudenau, wo rund 25 Donaukreuzfahrtschiffe überwintern und auf freie Becken angewiesen sind. "Zieht eine massive Kaltfront über Wien, ist die Eisvogel der Garant dafür, dass Frachtschiffe im Hafen Wien jederzeit ungehinderte Zufahrt zum Kai haben", sagt kFritz Lehr, kaufmännischer Geschäftsführer des Hafen Wien.Die MS Eisvogel hält dabei nicht nur die Fahrrinnen offen, sondern schützt auch die fest vertäuten Schiffe vor Schäden durch das Eis.
Ein Stahlkoloss mit klarem Auftrag
Die MS Eisvogel gehört seit Jahrzehnten zur technischen Grundausstattung des Hafen Wien, einem Unternehmen der Wien Holding. Gebaut im Jahr 1955, ist sie seit über 70 Jahren zuverlässig im Einsatz. Auch abseits des Winters leistet sie wertvolle Dienste, denn sie ist zusätzlich als Feuerlösch- und Bergungsschiff aktiv. Ihre Stärke liegt nicht nur in ihrer Bauweise, sondern in ihrer ständigen Einsatzbereitschaft. Gerade in einem Winter wie diesem zeigt sich, wie unverzichtbar sie für die Versorgungssicherheit der Stadt ist.