Kruder & Dorfmeister

Elektronikduo feiert das 30. Jubiläum seines Kultalbums "DJ-Kicks"

17.05.2026

Kruder und Dorfmeister bringen zum Jubiläum ihr Album DJ-Kicks neu heraus und spielen live in der Wiener Arena. Im Interview blicken die Elektronik-Weltstars auf ihre Karriere zurück. 

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© APA/FLORIAN WIESER
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Peter Kruder und Richard Dorfmeister haben Wien in den 1990er-Jahren zu einem Aushängeschild für elektronische Musik gemacht. Auch Jahrzehnte später sind die Slowbeat-Pioniere, die mit ihrer Debüt-EP "G-Stoned" (1993) und dem Doppelalbum "The K&D Sessions" (1998) Meilensteine geschaffen und für Popgrößen von Madonna bis Depeche Mode Remixe angefertigt haben, immer noch hoch nachgefragt und somit international auf Tour.

In den nächsten Monaten feiern "K&D" live den 30er ihrer 1996 herausgekommenen Scheibe "DJ-Kicks". Mit der Show gastiert das DJ- und Produzentenduo am 20. August für ein Arena Open Air in Wien, danach geht es weiter nach Deutschland und in die USA. Bereits am Freitag erscheint der Re-Release von "DJ-Kicks" in einer remasterten Continuous-Mix-Version und im speziellen Boxset mit drei Vinyl-LPs heraus. Aus diesem Anlass gaben der gelernte Friseur Kruder (Jahrgang 1957) und der studierte Flötist und Gitarrist Dorfmeister (Jahrgang 1958) inmitten von Auftrittsverpflichtungen zwischen Deutschland und UK der APA in einem schriftlichen Interview Auskunft über wochenlanges Tüfteln an Bassläufen, das Nein-Sagen trotz großer Schecks und Wien als vormalige "Blase der Glückseligkeit". 

APA: Vor zwei Jahren wurden die "K&D Sessions" neu herausgebracht, jetzt kommen die "DJ-Kicks". Ist es mit zunehmendem Alter ok, sein eigener Nachlassverwalter zu sein? 

K&D: Es ist notwendig. Wir wollen sicherstellen, dass die Pressungen stimmen, das Artwork passt und der Sound die Dynamik hat, die wir uns vorstellen. Wenn du es nicht selbst machst, macht es irgendwer, dem das Herzblut fehlt.

APA: Sie sind gerade international auf Tour und bespielen große Venues. Visuals sind ein wichtiges Element bei den Live-Auftritten. Genügt die Musik allein nicht?

K&D: In einem Club mit 200 Leuten reicht das Licht einer alten Taschenlampe. Aber in einer großen Halle ist es eine audiovisuelle Reise. Die Visuals sind für uns eine zusätzliche Spur, die die Musik räumlich macht. Und schon seit den 90ern sind Visuals Teil unserer Performances.

APA: Ist das Publikum mit Ihnen mitgealtert oder gibt es eine junge Generation, die K&D neu entdeckt hat?

K&D: Beides. Es ist faszinierend zu sehen, dass 20-Jährige bei unseren Sets in der ersten Reihe stehen. Qualität scheint über Generationen hinweg zu funktionieren, weil dieser Dub-Vibe etwas Universelles hat.

APA: Man sagt jungen Menschen heute nach, sie würden weniger ausgehen, weniger trinken, selbstoptimierter sein. Was macht das mit der Clubkultur?

K&D: Die Leute heute sind bewusster, was okay ist. Aber der Club war für uns immer ein Ort der Auflösung. Wir versuchen, diesen Raum der Freiheit mit unserem Sound auch heute noch aufzumachen - egal, wie die Leute draußen ticken.

Wie ein altes Ehepaar

APA: Sie arbeiten seit dreieinhalb Jahrzehnten - mit einer Pause von 2012 bis 2017 - durchgehend zusammen. Wie ist das Verhältnis zwischen Freundschaft und Business?

K&D: Wir sind wie ein altes Ehepaar, das gemeinsam ein hochkomplexes Uhrwerk baut. Wir brauchen keine Worte mehr, um zu wissen, ob ein Beat sitzt. Das Business ist das Gerüst, aber der Kern ist blindes Vertrauen.

APA: Sie sind Träger des Goldenen Wiener Verdienstzeichens und vertreiben Ihren eigenen Wein. Was kann jetzt noch kommen?

K&D: Musik. Immer weiter Musik. Alles andere ist schöne Begleitmusik zum Leben, aber im Studio zu sitzen und diesen einen Moment zu finden, wo der Groove lebt - das ist unschlagbar. 

 

Die Fragen stellte Thomas Rieder.