Dicke Luft in Wien
Feinstaub-Alarm in Wien: Grüne fordern Messung am Gürtel
26.01.2026Die Feinstaubbelastung in Wien hat an mehreren Punkten die kritische Schwelle überschritten. Die Grünen fordern eine klare Kehrtwende in der Verkehrsplanung und ein dichteres Netz an Messstationen.
Über Wien liegt seit Tagen ein grauer Schleier. An mehreren Messstellen in Wien wurde laut den Grünen der Grenzwert für Feinstaub PM10 in den letzten Tagen mehrfach erreicht oder sogar mit Werten bis zu 60 µg/m³ deutlich überschritten. Damit liegen die Werte nicht nur über den gesetzlichen Vorgaben, sondern auch deutlich über den strengeren Richtlinien der Weltgesundheitsorganisation (WHO).
Am Montag lichtet sich dann der Nebel etwas. Mit dem durchziehenden Tief drehte sich der Wind und durchmischte die Luft, wie die Unwetterzentrale (UWZ) berichtet.
Grüne werfen Stadtregierung Verantwortungslosigkeit vor
Die Grünen sehen in der steigenden Luftverschmutzung ein massives Gesundheitsrisiko. Umweltsprecherin Tina Wirnsberger fordert von der Stadtregierung ein klares Bekenntnis zu strengeren Standards. "Die Stadtregierung darf sich nicht mehr darauf ausruhen, nur die veralteten gesetzlichen Vorgaben des Immissionsschutzgesetzes zu erfüllen", sagte Wirnsberger. Sie kritisiert, dass die WHO-Werte, die sich an aktuellen medizinischen Erkenntnissen orientieren, ignoriert würden.
Laut Gesetz darf der Tagesmittelwert von 50 Mikrogramm pro Kubikmeter an maximal 25 Tagen im Jahr überschritten werden. Die WHO empfiehlt nur drei bis vier solcher Tage und setzt den Grenzwert bereits bei 45 Mikrogramm an. Diese Vorgaben wurden in Wien zuletzt mehrfach überschritten.
Verkehr als Hauptverursacher im Visier
Die Grünen machen den Autoverkehr für die hohen Werte verantwortlich. Auch an der Messstelle Lobau wurden die Werte bereits mehrfach überschritten. Besonders heftig kritisieren die Grünen daher das Lobau-Autobahnprojekt. "Mit ihren Plänen für die Lobau-Autobahn will die SPÖ noch mehr Schwerverkehr und damit noch schlechtere Luftqualität nach Wien holen, wo die Belastung bereits jetzt zu hoch ist. Das ist fahrlässig", sagte Wirnsberger.
Messstelle am Gürtel verschwunden
Zornig reagieren die Grünen auch auf eine auffällige Lücke in der städtischen Datenerhebung. Seit dem 23. Jänner fehlen die Messwerte vom stark befahrenen Neubaugürtel. Für Wirnsberger ist das ein Skandal. "Es kann nicht sein, dass gerade im hoch belasteten Zeitraum einer der entscheidendsten Messwerte fehlt", sagte sie. Die Grünen fordern, diese Station sofort zu ersetzen und ein dichteres Netz an Messpunkten in ganz Wien aufzubauen.
Neue Messstelle für den 4. Bezirk gefordert
Auch im 4. Bezirk sehen die Grünen dringenden Handlungsbedarf. Wer dort joggen oder spazieren will, muss den stark befahrenen Gürtel queren. "Bei Feinstaubwerten wie diesen ist Sport im Freien jedoch nicht gesund, sondern schädlich für die Lunge", sagte Pascal Riepl, grüner stellvertretender Bezirksvorsteher auf der Wieden. In der nächsten Sitzung will er einen Antrag für eine zusätzliche Messstelle einbringen.