Kavač-Clan

Hochsicherheitsprozess um Balkan-Mafia in Wien

13.02.2026

Unter strengen Sicherheitsvorkehrungen ist am Freitag am Wiener Landesgericht ein Mafia-Prozess um eine erpresserische Entführung über die Bühne gegangen.  

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© APA/HERBERT NEUBAUER (Archivbild)
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Dutzende Einsatzkräfte der Polizei waren vor Ort, der Gerichtssaal wurde 20 Minuten vor Prozessbeginn mit Hilfe eines Spürhunds auf allfällige explosive Gegenstände untersucht. Medienschaffende, die der Verhandlung beiwohnen wollten, wurden nach der Sicherheitskontrolle im Eingangsbereich vor dem Saal noch einmal gefilzt.

In der Verhandlung ging es um einen Kroaten, der am 14. März 2020 von Mitgliedern des gefürchteten montenegrinischen Kavač-Clan unter der Vorgabe einer Geschäftsanbahnung nach Wien gelockt und in ein angemietetes Appartement am Rudolfsplatz in der Innenstadt gelotst worden war. Als der damals 41-Jährige die Räumlichkeiten betrat, wurden er und ein Begleiter überwältigt, gefesselt, malträtiert und mit dem Tod bedroht. Das Appartement war mit schwarzer Plastikfolie ausgekleidet, Handsägen und Pistolen lagen bereit.

Das Ganze war inszeniert worden, um einen Geschäftspartner des 41-Jährigen zur Zahlung eines hohen Geldbetrags zu bringen. Letzten Endes gelang es den Festgehaltenen, das Appartement lebend zu verlassen, indem den Tätern zugesichert wurde, es würden 750.000 Euro bezahlt. In weiterer Folge soll es in Zagreb zur Übergabe von 100.000 Euro gekommen sein.

Staatsanwalt: "Er macht für Geld alles"

An den Vorgängen in dem Appartement waren insgesamt sieben Personen beteiligt. Zwei von ihnen wurden im vergangenen November am Landesgericht - mittlerweile rechtskräftig - schuldig erkannt und zu Freiheitsstrafen von sechs bzw. sieben Jahren verurteilt. Beim Angeklagten, mit dem sich nun ein Schöffensenat auseinanderzusetzen hatte, handelte es sich um einen 56-jährigen Montenegriner, den der Staatsanwalt einem mit dem Kavač-Clan befreundeten Bande zurechnete und der bei der Entführung Aufpasser-Dienste geleistet haben soll.

"Er macht für Geld alles", sagte der Staatsanwalt. Der Ankläger verwies auf Chats - die Gruppierung hatte über vermeintlich abhörsichere Krypto-Handys kommuniziert, die mithilfe des FBI doch entschlüsselt werden konnten -, in denen es über den 56-Jährigen unter anderem hieß, dieser sei "für Raub, Entführung, Mord" einsetzbar. "Er ist Spieler", wusste der Staatsanwalt, "er muss Geld verdienen, weil er spielsüchtig ist." Der Angeklagte sei "ein Intensivtäter" und dabei "ein absoluter Profi. Raub ist für ihn wie ein Glas Wasser trinken."

Laut Anklage war der 56-Jährige vom Kavač-Clan dazu auserkoren worden, in einem Park vor dem Appartement am Rudolfsplatz Aufpasser-Dienste zu leisten. "Wir gehen davon aus, dass er in den Plan eingeweiht war", sagte der Staatsanwalt. Er konnte sich dabei nicht nur auf Chats stützen, in denen laut Anklage über den 56-Jährigen gesprochen wurde, sondern auch auf ein Foto, das vor der Entführung in Wien aufgenommen wurde. Es zeigt den 56-Jährigen mit anderen an der Straftat Beteiligten beim Spanferkel-Essen. "Er war Beitragstäter", zeigte sich der Staatsanwalt überzeugt, "die Beweislage ist erdrückend."

Angeklagter: "Bin komplett unschuldig"

Der Angeklagte war nicht geständig. "Ich bin komplett unschuldig. Ich weiß nicht, warum ich hier bin. Ich hab mit dem nie was zu tun gehabt." Er wisse nicht, wie er auf das Foto komme, das ihn in geselliger Runde zeigt. Sein Verteidiger sprach in diesem Zusammenhang von "Identitätsdiebstahl." Die Person mit dem Spitznamen, die in den Chats breit erörtert werde, sei nicht er, der Staatsanwalt habe das "falsch zugeordnet". Er werde "seit meiner Kindheit anders genannt."

Die belgische Justiz hatte hinsichtlich des 56-Jährigen im vergangenen Herbst einem Auslieferungsersuchen der österreichischen Behörden Folge gegeben. Der Mann war 2023 in Belgien zu 40 Monaten Haft verurteilt worden. Zuvor war er in Frankreich zweimal zu jeweils fünf Jahren Haft verurteilt worden.