Programmpräsentation
Internationale Stars prägen das Jubiläum der Wiener Festwochen
26.02.2026"Ein Programm, das mehrere Festivals füllen könnte", präsentierte Milo Rau, Intendant der Wiener Festwochen, am Donnerstag im Rahmen einer Pressekonferenz auf dem Badeschiff am Donaukanal, das von 15. Mai bis 21. Juni unter dem Titel "Haus der Republik" als Festivalzentrale dienen wird.
Die Vorstellung der insgesamt 35 Produktionen (davon 13 Uraufführungen und acht Eigenproduktionen) war geprägt von jenen Stücken, die sich mit den Themen Krieg und Glauben befassen werden. Das Festival steht zum 75-Jahr-Jubiläum unter dem Titel "Republic of Gods" und widmet sich mit Werken wie etwa der von Susanne Kennedy inszenierten Wagner-Oper "Parsifal" oder Florentina Holzingers "Pfingstspiel" den Ausprägungen des Glaubens.
"Welche Rituale können uns in einer Welt in Zeiten des Krieges noch vereinen?", fragte Rau und überließ zum Auftakt der ukrainischen Künstlerin Marichka Shtyrbulova vom Kiewer Kollektiv Opera Aperta die Bühne, die gemeinsam mit einem Kollegen das Wiegenlied "Songs of Unborn" auf einer zu einer Art Cello umfunktionierten russischen Rakete spielte. "Wie macht man in Zeiten des Krieges Oper?", fragen sich Shtyrbulova und ihre Kolleg:innen von 1. bis zum 3. Juni im Theater Akzent in ihrem multidisziplinären Werk "Songs of Winter War".
Party in Zeiten des Krieges und Chopin auf Herrscher-Begräbnissen
Ebenfalls dem Krieg widmet sich die Musiktheaterproduktion "The Day Before" von Brigitta Muntendorf und Christiane Jatahy, die von 16. bis 18. Mai im Odeon gezeigt wird. Dabei werde man sich dem Feiern "am Rande des Abgrunds" widmen, wie Muntendorf erläuterte. Nicht umsonst seien Partys am Vorabend von Kriegen immer wieder Thema in der Kunst. Die Produktion, die mit einem 3D-Audio-Setting und Live-Kamera arbeitet, nimmt das Publikum mit in die "Dynamiken und Mechanismen unaufhörlicher Kriegstreiberei" anhand von Homers "Ilias" und setzt dem homerischen Mythos zeitgenössische feministische Positionen entgegen.
Das Zusammenspiel von Macht, Tod und Musik untersuchen Lina Majdalanie und Rabih Mroué in "Das tragische Schicksal der Sonate Nr. 2", das als Koproduktion mit dem Volkstheater Wien ab 15. Mai in den Bezirken gezeigt wird. So haben die beiden aus Beirut stammenden, aber mittlerweile in Berlin lebenden Künstler:innen etwa mit Erstaunen mitverfolgt, wie Chopins "Marche funèbre" bei der Beerdigung für den Hisbollah-Führer Hassan Nasrallah gespielt wurde. Die beiden stellen sich nun die Frage: "Ist es nicht die Musik selbst, die in solchen Momenten beerdigt wird?".
Kennedy inszeniert "Parsifal" in Erinnerung an Schlingensief
Als Vertreterin der Auseinandersetzung mit dem Glauben im Rahmen der Festwochen gab die deutsche Regisseurin Susanne Kennedy Einblicke in ihre "Parsifal"-Inszenierung, die sie wieder mit Markus Selg konzipiert hat und die ab 15. Juni in der Halle E über die Bühne geht. Dabei schlug sie auch einen Bogen zu Christoph Schlingensief, dem das Festival im MAK eine Retrospektive widmet. Im Studium habe sie Schlingensiefs "Eine Kirche der Angst vor dem Fremden in mir" gesehen. Die Auseinandersetzung mit Gott in der Kunst sei für sie damals ein Tabu gewesen. "Schlingensiefs Hadern mit Gott hat mich zutiefst beeindruckt", so die Regisseurin, die sich auch intensiv mit dessen Bayreuther "Parsifal"-Inszenierung auseinandergesetzt hat. "Und ich wusste, wenn ich mal eine Oper mache, dann diese", so Kennedy über ihr Operndebüt. "Ich hatte schon immer Sehnsucht nach dem Ritual auf der Bühne."
Weitere Höhepunkte der diesjährigen Ausgabe, für die am heutigen ersten Verkaufstag übrigens schon 6.000 der 50.000 Tickets verkauft wurden, sind etwa ein Patti Smith-Schwerpunkt, Inszenierungen von Romeo Castellucci ("Credere alle Maschere" am 6. und 7. Juni in der Halle G), Angélica Liddell ("Seppuku. Die Beerdigung von Mishima oder die Lust am Sterben" ab 11. Juni im Volkstheater), Raus Collage "Das beste Stück aller Zeiten" (ab 15. Mai in der Halle E) oder die posthume Einladung von Robert Wilsons (1941-2025) letzter Inszenierung "The Tempest" (ab 5. Juni im Burgtheater). Im "Glaubenstribunal" beschäftigen sich Kulturwissenschafter:innen, religiöse Würdenträger:innen und gläubige Menschen mit der "Rolle von Religionen, Göttern, Göttinnen und Kultobjekten im globalen Kapitalismus".
Rau: "Schönheit und Skandal kommen bei Festwochen zusammen"
Wiens Kulturstadträtin Veronica Kaup-Hasler (SPÖ) nahm in ihrer Rede Bezug auf den vierten Jahrestag des russischen Angriffs auf die Ukraine und erinnerte daran, dass die Festwochen vor 75 Jahren nach Ende des Zweiten Weltkriegs auf Trümmern errichtet wurden. "Es ist ein Festival, das Wien mit der Welt vernetzen, Kultur aber auch ganz nah an die Bevölkerung bringen sollte", so die Stadträtin. Seither habe das Festival "unterschiedliche Blicke auf Welt" ermöglicht, aber auch "Stile geprägt" und "Impulse geschaffen". Rau selbst zeigte sich im Rückblick auf 75 Jahre Festwochen "mit einer Art von Demut erfüllt". So habe es im Laufe der Zeit immer wieder Skandale bei den Festwochen gegeben, das sei nichts Neues. "Ich sage ja immer: Skandal und Schönheit sind zwei Schwestern, die bei der Geburt getrennt wurden und nur bei den Festwochen zusammenkommen."