Antisemitismus

"Juden raus" und Hakenkreuze: Nazi-Schmierereien sorgen für Entsetzen vor Gedenktag

27.01.2026

Es war nicht der erste Angriff - aber einer, der besonders tief trifft. Kurz vor dem internationalen Holocaust-Gedenktag wurde ausgerechnet in der Nähe einer jüdischen Einrichtung ein Lokal mit Nazi-Parolen beschmiert. 

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In der Währinger Straße im 9. Bezirk von Wien haben Unbekannte in der Nacht auf Montag ein Lokal mit Hakenkreuzen und der Parole "Juden raus" beschmiert. Nur wenige Meter entfernt befindet sich die Jüdische Hochschülerschaft, eine studentische Organisation. Die Täter schlugen just kurz vor dem internationalen Holocaust-Gedenktag zu, der jährlich am 27. Jänner an die Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz erinnert.

Ermittlungen gegen unbekannt

Die Polizei ermittelt wegen Verhetzung, Sachbeschädigung und nach dem Verbotsgesetz. Auch das Landesamt für Verfassungsschutz ist eingebunden. Die NS-Parolen wurden noch am Montag entfernt. Der Ort der Tat verstärkt den Eindruck gezielter Einschüchterung.

Sorge bei der Jüdischen Hochschülerschaft

Die Jüdische Hochschülerschaft sprach in einem Posting von Bestürzung und erinnerte an frühere Vorfälle. "Erst vor wenigen Wochen wurde eine Granate vor einer Synagoge im zweiten Bezirk gefunden, wo wir ebenfalls ein Büro haben", so die studentische Organisation. Aus Sicherheitsgründen gibt sie die genaue Adresse ihrer Standorte inzwischen nicht mehr bekannt. "Wir werden nicht schweigen, wenn antisemitische Hetze stattfindet. Wir werden diese Vorfälle benennen und uns ihnen entschieden entgegenstellen", so die Jüdische Hochschülerschaft weiter.

Deutliche Worte von Oscar Deutsch

Oscar Deutsch, Präsident der Israelitischen Religionsgesellschaft, zeigte sich erschüttert. "Diese antisemitischen Beschmierungen in der Nähe der Räumlichkeiten der JöH sind keine Einzelfälle", so Deutsch. Er sieht darin eine reale Bedrohung für jüdisches Leben in Österreich und somit auch für die gesamte Gesellschaft. Er hofft, dass die Polizei die Täter findet und die Justiz alle Mittel des Rechtsstaats ausschöpft.

"Schweigen ist keine Option"

Auch der israelische Botschafter David Roet reagierte auf den Vorfall. "Die Schmiererei ‚Juden raus' im Zentrum von Wien, nur einen Tag vor dem Internationalen Holocaust-Gedenktag, ist erschütternd. Ich bin bis ins Mark schockiert, aber leider nicht überrascht", so Roet. Er kritisierte, dass Antisemitismus verherrlicht, normalisiert und in manchen Kreisen sogar als cool dargestellt werde. "Gut, dass die Graffiti rasch entfernt wurden. Dasselbe muss mit dem Hass geschehen, der dahintersteht. Schweigen ist keine Option", so der Botschafter weiter.

Grüne verurteilen antisemitische Schmierereien aufs Schärfste

Mit Entsetzen reagiert auch der Rechtsextremismus-Sprecher der Grünen, Lukas Hammer, auf die in der Nacht auf Montag aufgetauchten antisemitischen Schmierereien und Hakenkreuze in der Währinger Straße. "Ich verurteile diese antisemitische Schmiererei auf das Schärfste. Antisemitische Hetze, NS-Symbole und Drohungen sind keine Kavaliersdelikte, sondern Ausdruck einer gefährlichen Ideologie. Dass das ausgerechnet einen Tag vor dem Internationalen Holocaust-Gedenktag passiert, ist nicht nur ein widerwärtiger Akt, sondern ein perfider und gezielter Einschüchterungsversuch gegen jüdisches Leben in Wien", meint Hammer. 

Ein Bild des Hasses

Die Antisemitismus-Meldestelle der IKG erhielt mehrere Hinweise auf die Tat und informierte die Behörden. Die Bilder der Schmierereien verbreiteten sich rasch in sozialen Netzwerken. Sie zeigen nicht nur eine beschmierte Fassade, sondern auch eine Gesellschaft, in der Hass weiter existiert - und das mitten in Wien, mitten im Alltag. 

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