Überlastung

Kinder- und Jugendhilfe Wien in der Krise - Grünen mit Forderungen

19.01.2026

Die Kinder- und Jugendhilfe der Stadt Wien steht seit Jahren unter Druck: Mitarbeiter sind am Limit, vor Weihnachten gab es sogar einen Aufnahmestopp in den Krisenzentren der Stadt. Die Grünen Wien fordern eine Neuaufstellung der Kinder- und Jugendhilfe. 

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© Die Grünen
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Allein in den Jahren 2022 bis 2024 ist die Zahl der Gefährdungsabklärungen aufgrund von Vernachlässigung, psychischer und physischer Gewalt von 11.995 auf 13.181 gestiegen, das sind um 10 Prozent mehr – ein Signal für wachsende Belastungssituationen in Familien. Gleichzeitig sank die Zahl der Mitarbeiter in der Kinder- und Jugendhilfe auf einen Tiefststand.

In Notsituation allein gelassen

Die Belastung der Mitarbeiter der MA 11 ist enorm hoch: Der Wiener Stadtrechnungshof empfiehlt zum wiederholten Mal die lückenlose Einhaltung der Ruhe- und Ausgleichsruhezeiten, sowie bessere Arbeitszeiten und -bedingungen, insbesondere in den Krisenzentren und sozialpädagogischen WGs. "Es reicht nicht mehr, auf neue Skandale nur mit Betroffenheit zu reagieren. Hier zeigt sich ein Versagen der verantwortlichen NEOS-Stadträte Emmerling und zuvor Wiederkehr. Betroffene Kinder und Jugendliche sowie engagierte Mitarbeiter werden in einer Notsituation allein gelassen. Die Stadtregierung muss handeln. Wien braucht eine Kinder- und Jugendhilfe, die wirksam ist und sie braucht den Mut, endlich echte Reformen anzugehen", so die Parteivorsitzende der Grünen, Judith Pühringer.

Krisenzentren chronisch überfüllt

Trotz diverser Maßnahmen sind die Krisenzentren chronisch überfüllt: Laut Stadtrechnungshofsbericht wurde für 2023 eine Durchschnittsauslastung von rd. 112 Prozent verzeichnet, im ersten Halbjahr 2024 sogar eine von rund 120 Prozent. In den Krisenzentren wurden großteils statt den vorgesehenen 8 Kindern bis zu 13 Kinder aufgenommen. Derart stark überbelegte Krisenzentren würden keinen adäquaten Rahmen zur Betreuung von Minderjährigen bieten, die sich in einer hoch belastenden Situation befinden. Dies veranlasste den Stadtrechnungshof zur Empfehlung, mit Nachdruck wirksame Maßnahmen zur Einhaltung der Gruppenhöchstzahlen zu setzen.

"Diese Zahlen zeigen, dass sich Problemlagen wie Armut, Gewalt und psychische Probleme in Familien verschärfen. Der dauerhafte Personalnotstand in der MA 11 und ihren Einrichtungen und die überbordenden Aufgaben für die Mitarbeiter lassen kaum vertiefende Betreuung zu. Statt mit ambulanten Angeboten Prävention auszubauen, bleibt meist nur mehr, in Notfällen Feuerwehr zu spielen. Die MA 11, die eigentlich Schutzinsel und Anker für Kinder in Not sein sollte, schafft derzeit allerhöchstens eine Mangelverwaltung. Löcher werden oberflächlich gestopft, während daneben neue Untiefen aufbrechen," so Familiensprecherin Ursula Berner. Die sieben im Jahr 2025 an Drogenkonsum verstorbenen Jugendlichen würden die drastische Situation zeigen: Es fehlt sowohl an Prävention als auch an spezifischen Angeboten für suchtkranke Kinder und Jugendliche und einer besseren Ausstattung der MA 11.

Zahlreiche Forderungen

Um dem aktuellen Trend etwas entgegenzustellen brauche es in Wien laut Grüne bessere Arbeitsbedingungen und Bezahlung für die Pädagogen, Entbürokratisierung, Ausbau von ambulanten Angeboten für Familien, Vorrang von Kleinstgruppen statt Groß-WGs und die Neuaufsetzung von Krisenzentren, da diese zu viele Aufgaben gleichzeitig erledigen würden. Entsprechende Ergänzungen seien die Prävention von Gewalt, mehr Ausbildungsplätze für Sozialarbeit und eine Wiedereinführung des Jugendgerichtshofs. 

  

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