Jubiläum
Augustin: Wiener Obdachlosen-Zeitung ist 30 Jahre alt
08.07.2025Sie stehen vor Supermärkten, in U-Bahn-Nähe und an Straßenecken: Die AUGUSTIN-Verkäufer sind seit 30 Jahren fest im Wiener Stadtbild verankert. Ab 17. September widmet das Wien-Museum dem Sozialprojekt eine eigene Ausstellung.
Seit 1995 ist der Augustin aus dem Wiener Straßenbild nicht mehr wegzudenken. Rund 500 Verkäufer, oft selbst von Armut betroffen, bringen die Zeitung unters Volk - vor Supermärkten, in U-Bahn-Nähe und an Straßenecken. Dabei geht es um weit mehr als den Zeitungskauf selbst. Für viele ist der Augustin eine wichtige Einnahmequelle, soziale Teilhabe und die Hoffnung auf eine bessere Zukunft.
Die Hälfte des Verkaufspreises bleibt den Verkäufern. Viele Verkäufer leben ohne Arbeitserlaubnis oder soziale Absicherung – der Zeitungserlös ist somit ihr einziger legaler Job. Gleichzeitig setzt die Augustin-Redaktion auf unabhängigen Journalismus ohne politische Einflussnahme.
Zum 30-jährigen Bestehen startet am 17. September im Wien Museum die Ausstellung "Mehr als eine Zeitung". Im Fokus stehen dabei die bewegenden Geschichten der Verkäufer. Zusätzlich geht der AUGUSTIN "On Tour" – 23 Bezirke, 23 Ausgaben – und lädt im Herbst zu Stadterkundungen mit besonderen Stadtführern ein.
Stimmen der Verkäufer
Fast zwei Prozent der Bevölkerung in Österreich leben in Armut, 1,2 Millionen Menschen gelten als armutsgefährdet. In Wien haben sie mit dem Augustin einen kleinen, aber umso wichtigeren Rettungsanker gefunden.
"Ich versuche, die Menschen zu beglücken, ihnen ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern. Das Wichtigste ist der Blickkontakt und auf die Leute zugehen", Viano, seit 13 Jahren beim Augustin.
"Ich brauche den Verkauf, um Miete und Essen zu bezahlen. Ohne Arbeitserlaubnis kann ich keine andere Arbeit suchen", Francis, seit 21 Jahren beim Augustin.