Erinnerungskultur
Lueger-Denkmal abgebaut: Was ist mit Karl Renner und Co.?
03.02.2026Das umstrittene Lueger-Denkmal wurde abgebaut. Es soll künftig leicht geneigt aufgestellt werden, um Irritation auszulösen. Die Wiener ÖVP verlangt nun, dass auch andere historische Figuren im öffentlichen Raum kritisch eingeordnet werden und ortet eine politische Schieflage.
Die Bronzefigur des wegen seines Antisemitismus umstrittenen früheren Wiener Bürgermeisters Karl Lueger wurde am Donnerstag abgebaut. Sie soll im Sommer in geneigter Form wieder aufgestellt werden, als Teil einer künstlerischen Kontextualisierung. Dass nur Lueger im Mittelpunkt der historischen Aufarbeitung steht, sorgt für Kritik von der Wiener Volkspartei. Wenn Denkmäler erklärt und eingeordnet werden, dann müsse das für alle gelten, nicht nur für einzelne Figuren.
"Die rot-pinke Stadtregierung leistet sich in Zeiten der Budgetkrise die Kontextualisierung eines Denkmals. Leider schaut sie dabei nur auf bürgerliche Politiker. Über belastete Personen aus der Geschichte der Sozialdemokratie wird großzügig hinweggeschaut", kritisierte Gemeinderätin Caroline Hungerländer.
Auch Renner und Tandler historisch belastet
Auch bei Karl Renner, der den "Anschluss" an das nationalsozialistische Deutschland unterstützte und antisemitische Aussagen tätigte, und Julius Tandler, der öffentlich über die Vernichtung und Sterilisierung von sogenanntem "lebensunwertem Leben" sprach, dürften diese Haltungen nicht verschwiegen werden.
"Wer bei der Erinnerungskultur mit zweierlei Maß misst, verliert jede Glaubwürdigkeit. Außerdem sollten wir große Männer und Frauen der Vergangenheit nicht aus populistischen Gründen vom Sockel stoßen, sondern ihre Fehler zum Anlass nehmen, kritisch zu hinterfragen, wo wir heute irren", betonte Jan Ledóchowski, Beauftragter für Christdemokratie der Wiener Volkspartei.
Erinnerungskultur müsse verständlich, ehrlich und für alle nachvollziehbar sein. Die Menschen hätten ein Recht darauf zu wissen, wofür historische Persönlichkeiten standen - auch dort, wo ihre Ansichten heute klar abzulehnen sind.