Palatina-Kodex

Mit Wiener Hilfe: Kostbare Handschrift kehrt in den Vatikan zurück

26.01.2026

Ein verschwundener Kodex der Bibliotheca Palatina hat seinen Platz im Vatikan wiedergefunden. Die Handschrift „Pal. lat. 851“ tauchte bei einer Wiener Antiquariatsbuchhandlung auf und wurde nun zurückgekauft 

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© Ziereis Faksimiles
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Die Vatikan-Bibliothek hat eine kostbare Handschrift aus dem 16. Jahrhundert erworben, die ursprünglich zu ihrer eigenen Sammlung aus der berühmten Heidelberger Bibliotheca Palatina zählte. Der Erwerb sei in Zusammenarbeit mit der Vatikanischen Apostolischen Bibliothek, der Universitätsbibliothek Heidelberg und der Wiener Antiquariatsbuchhandlung Inlibris gelungen, teilte der Vatikan mit, wie Kathpress am Montag berichtete.

Die seltene Papierhandschrift umfasst 115 Blätter plus zwei Vorsatzblätter und enthält die "Historia Langobardorum" von Paulus Diaconus sowie Lebensberichte von fünf Heiligen. Das Werk mehrerer Kopisten entstand Anfang des 16. Jahrhunderts in Deutschland - vermutlich in Worms, wohin die Heiligen-Texte zurückverfolgt werden können. Die beiden Einbanddeckel aus dem Jahr 1556 zeigen das Porträt des Kurfürsten Ottheinrich von der Pfalz.

Ab 1623 im Vatikan, dann verschollen

Die Bedeutung des Erwerbs liegt vor allem darin, dass der Kodex mit der Signatur "Pal. lat. 851" in der Vatikanischen Apostolischen Bibliothek identifiziert werden kann, das bei der Revision von 1798 fehlte. Es gelangte 1623 zusammen mit anderen Werken aus der pfälzischen Bibliotheca Palatina dorthin. Diese hatte Maximilian I. von Bayern Papst Gregor XV. als Dank für die Unterstützung im Dreißigjährigen Krieg geschenkt.

Die Bibliotheca Palatina in Heidelberg war eine der wichtigsten deutschen Bibliotheken der Renaissance mit umfangreichen Beständen an mittelalterlichen Handschriften und frühen Drucken. Die Bestände befinden sich heute größtenteils im Vatikan, die deutschen Handschriften in Heidelberg.

Digitalisierungsprojekt aller Handschriften

Bei der nun erworbenen Handschrift belegten verschiedene Signaturen und Exlibris ihre Weitergabe an mehrere Sammler vom späten 18. Jahrhundert bis in die Gegenwart. Der Ankauf sei möglich geworden, weil der Direktor der Unibibliothek Heidelberg, Jochen Apel, den Präfekten der Vatikan-Bibliothek, Mauro Mantovani, über den Verkauf des Bandes durch die Wiener Antiquariatsbuchhandlung informiert habe.

Ziel der langjährigen Kooperation zwischen dem Vatikan und der Unibibliothek Heidelberg sei es, die wertvollen Zeugnisse der Vergangenheit zu schützen, sie der Gegenwart noch zugänglicher zu machen und sie für die Zukunft zu bewahren. So wurden bei einem gemeinsamen Projekt ab 2010 alle lateinischen, später auch alle griechischen und hebräischen Handschriften der Palatina aus der Vatikan-Bibliothek digitalisiert. Seit 2021 ist der komplette Bestand der Bibliotheca Palatina als Digitalisate im Internet abrufbar. 

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