Neue Saison

Musiktheater an der Wien: Mehr Hölle als Opernhimmel

15.04.2026

Das Theater an der Wien feiert sein 225-jähriges Bestehen und präsentiert zum Jubiläum ein vielfältiges Programm aus epochalen Meisterwerken, spannenden Neuentdeckungen und neuen Formaten 

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© APA/HARALD SCHNEIDER
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"Wir haben keine einfache Aufgabe gehabt in dieser Saison" - Stefan Herheim machte aus seinem Herzen keine Mördergrube als Intendant des Musiktheaters an der Wien angesichts der aktuellen Budgetkürzungen für den Mutterkonzern Vereinigte Bühnen Wien (VBW) um 5 Mio. Euro und die Auswirkungen auf das kommende Programm: "Wir können nicht so viele Premieren wie bisher gewohnt präsentieren." 

So habe sich die Zahl der Premieren seit seiner ersten Spielzeit von 13 auf nunmehr acht reduziert - und auch das nur, wenn man die beiden kleineren Kinderprojekte in der Hölle mitrechne, so Herheim bei der Saisonpräsentation am Mittwoch: "Wir halbieren eigentlich die Anzahl großer Premieren. (...) Das ist eine Konsolidierungsaufgabe, die uns nicht leicht gefallen ist." Und so müsse man fraglos konstatieren: "Damit wird das Programm marginaler."

Hoffnung bei der Kammeroper wird nicht aufgegeben

Bekanntlich wird die Kammeroper - zumindest einstweilen, so die offizielle Diktion - nicht mehr bespielt. Folgerichtig wird auch das bisherige Nachwuchsprojekt Campus eingestellt. Aber man streicht bei der Kammeroper noch nicht gänzlich die Segel, machte Herheim deutlich: "Wir hoffen auf bessere Zeiten." Auch VBW-Geschäftsführer Franz Patay unterstrich: "Wir sind permanent in Gesprächen mit unseren Eigentümern über die Kammeroper."

Der eigentliche Spielbetrieb in der kommenden Saison steht also nicht unter den besten Sternen, obwohl man derzeit bei der Auslastung knapp unter 90 Prozent liege. Den Auftakt macht mit Francesco Cavallis "La Calisto" einem frühbarocken Werk, das von Herheim persönlich inszeniert wird. Die musikalische Leitung hat Barockexpertin Christina Pluhar am Pult ihres Ensembles L'Arpeggiata über. Für die Adaption der Ovid- Metamorphosen kommt Starsopranistin Vera-Lotte Boecker neben Marcel Beekman und Jake Arditti am 16. September wieder ans Haus für diese Koproduktion mit der Staatsoper Unter den Linden Berlin.

Ein Berliner Holländer kommt

Ebenfalls im Repertoire der Staatsoper Unter den Linden findet sich Philipp Stölzls "Der fliegende Holländer". Am 17. Oktober kommt das Stück als Koproduktion mit Berlin an die Wien, wobei Jordan Shanahan, Wilhelm Schwinghammer und als Wiendebütantin Ambur Braid die Titelpartien innehaben. "Endlich kommt Richard Wagner zurück", freute sich Herheim.

Dann gibt es auch im großen Saal wieder Programm für die Kleinen. Am 18. Dezember feiert die Familienoper "Der kleine Prinz" in der Regie von Louisa Muller Premiere. Neben dieser Klassikeradaption sind zwei weitere Kinderprojekte angesetzt, die allerdings in der Hölle, also der kleinen Spielfläche im Keller, stattfinden. "Klangstreich. Eine Note tanzt aus der Reihe" richtet sich ab 11. Oktober an Kinder ab vier Jahre, während "Gold!" ab 13. April die Zielgruppe 6+ adressiert. Und die szenische Führung "Bravissimo!" wird fortgesetzt.

Blutrünstiger Russe und Günther Groissböck

"Blutrünstige russische Oper" verspricht indes Nikolai Rimski-Korsakows Satire "Der goldene Hahn", den der russische Regisseur Maxim Didenko bei seinem Wien-Debüt am 22. Jänner gestaltet. Günther Groissböck feiert hier in der Rolle des Königs seine Rückkehr ans Haus.

Das Beethoven-Jahr zum 200. Todestag 2027 lässt sich dann selbstredend auch das Musiktheater an der Wien nicht entgehen und bringt mit "Leonore" am 27. Februar die Urfassung der einzigen Oper des Komponisten, "Fidelio", zur Aufführung. Abermals inszeniert Stefan Herheim selbst.

Die Barockfreunde werden schließlich noch mit einem zweiten Werk beglückt, wenn zum Abschluss des Premierenreigens im großen Saal Nadja Loschky Georg Friedrich Händels "Rinaldo" am 9. April inszeniert. Hierfür kommen Genreexperten wie Yuriy Mynenko oder Mélissa Petit ans Musiktheater an der Wien.

Viel zu lachen gibt es also auch thematisch nicht in der kommenden Spielzeit. Und dann ist auch schon Schluss, denn "wir erwarten, in der nächsten Saison wieder Gastgeber der Wiener Festwochen zu sein", begründete Herheim den frühen Zeitpunkt für die letzte Premiere.

Konzertante Schiene wird ausgebaut

Nicht zuletzt angesichts der knappen Budgets weitet man zumindest die Schiene der konzertanten Opern aus und präsentiert in der kommenden Saison elf Abende - von Lully über Händel bis zu Rossini. Und in der Hölle wird es ebenfalls weitere Konzertabende geben. Fortgesetzt wird die Kulturvermittlung "TaWumm!", die Workshops, ein Opernquiz oder Yogakonzerte anbietet. Denn Entspannung kann man im Musiktheater an der Wien derzeit gut gebrauchen.