Besseres Miteinander
Neue Mega-Banner auf Wientalterrasse fordern Nachtruhe für Anrainer
15.04.2026In Margareten setzt man auf ein friedliches Zusammenleben auf der beliebten Wientalterrasse. Damit die Stimmung zwischen Nachtschwärmern und der Nachbarschaft auch in der warmen Jahreszeit gut bleibt, wurden nun riesige Transparente mit klaren Botschaften enthüllt.
"Die jungen Leute, die hier bis um 4 Uhr in der Früh feiern, vergessen scheinbar, dass mein Schlafzimmer direkt daneben ist." So fasste eine Anrainerin die Herausforderungen bei der Wientalterrasse zusammen. Wer an einem lauen Abend dort nun entspannt, blickt ab sofort auf zwei 30 Meter lange Transparente mit bunten Aufschriften. Sätze wie "Hast du’s gern ruhig zum Schlafen?" oder "Wien braucht konsumfreie Orte, aber Anrainer brauchen Schlaf" weisen direkt auf die Bedürfnisse der Anwohnerschaft hin.
Die Gestaltung in Sprachen wie Italienisch oder BKS soll dabei sicherstellen, dass sich wirklich alle angesprochen fühlen. In Wiener Mundart wird mit dem Spruch "Jo scheana Somma. Jo, laute Nocht. Awa heast, I brauch Schlof" ebenso um Rücksicht gebeten.
Anrainer wollen auch ihre eigene Musik hören
Bezirksvorsteher Michael Luxenberger (Grüne) hat die neue Maßnahme am Mittwoch direkt vor Ort präsentiert. Er verwies auf die Beliebtheit des Areals zu jeder Jahreszeit und suchte gezielt das Gespräch mit den Menschen. "Die Wientalterrasse ist ein wunderbarer Ort, den ich in Margareten nicht missen möchte“, hielt Luxenberger fest.
Die Aktion ist das Ergebnis eines intensiven Beteiligungsprozesses vom vergangenen Jahr. "Letzten Sommer haben wir bei einer Austauschveranstaltung mit den Anrainern und Nutzern Ideen gesammelt, wie wir das Zusammenleben verbessern können“, so der Bezirksvorsteher. Dabei kam etwa die Rückmeldung einer älteren Dame zur Sprache, deren Fenster direkt zum Wienfluss hinausgehen. Sie meinte, dass sie durch die Jugendlichen zwar viel über moderne Musik lerne, aber zwischendurch einfach gerne ihre eigenen Lieder hören würde.
Bezirksvorsteherin-Stellvertreter Paul Stein (Grüne) aus dem ausgrenzenden Mariahilf betont die Besonderheit der Wientalterrasse: "Die Wientalterrasse ist ein wertvoller öffentlicher Raum ohne Konsumzwang – und gleichzeitig ein Wohnumfeld. Damit diese Nachbarschaft gut funktioniert, braucht es gegenseitige Rücksichtnahme. Auch die betroffenen Anrainer*innen im 6. Bezirk zeigen viel Verständnis, erwarten gleichzeitig aber auch völlig zurecht, dass es nachts ruhig bleibt. Die Banner sollen dazu beitragen, das Bewusstsein dafür zu stärken."
Awareness-Team ist bis 4 Uhr morgens im Einsatz
Zusätzlich zu den optischen Hinweisen setzt der Bezirk auf die Arbeit des Vereins AwA*. Die Mitarbeiter sind ab Mitte Mai bis September immer freitags, samstags sowie vor Feiertagen auf der Terrasse anzutreffen. Von 19 Uhr am Abend bis 4 Uhr in der Früh suchen die Teams den direkten Kontakt zu den Gruppen vor Ort.
"Wir wollen uns dafür einsetzen, dass mehr Kommunikation stattfindet“, betonte willi Hejda vom Verein AwA*. Das von der Stadt Wien geförderte Projekt soll rechtzeitig zum Start der warmen Abende die gegenseitige Verständigung fördern, damit das Grätzel für alle ein Wohlfühlort bleibt.
Über die Wientalterrasse
Die Wientalterrasse wurde 2015 im dicht verbauten Margareten als neuer Freiraum eröffnet. Die Stahlbetonkonstruktion oberhalb der U4-Trasse ist 76 Meter lang und 13,5 Meter breit. Sie hat sich als lebendiger Ort für die Mittagspause, zum Sonnenuntergang und zum nächtlichen Feiern etabliert. Auch im Winter wird sie gern genutzt.
An der Wientalterrasse treffen unterschiedliche Bedürfnisse von Nutzern und Anwohnern aufeinander. Immer wieder gab es Beschwerden über Lärm oder Müll. Die Einführung des Einwegpfands brachte eine Lösung für herumliegende Dosen. Der Lärmproblematik nahm sich Bezirksvorsteher Michael Luxenberger gleich nach seinem Amtsantritt 2025 an.