Kindeswohl

Alarmbericht zu Wiener Krisenzentren: Volkspartei mit scharfer Kritik

24.03.2026

Ein aktueller Bericht zu den Wiener Krisenzentren der MA 11 wirft Fragen zum Schutz der Schwächsten auf. ÖVP-Keri: Die Volksanwaltschaft zeichnet ein erschütterndes Bild.

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© Garima Smesnik / Klub der Wiener Volkspartei
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Die Wiener Krisenzentren der MA 11 stehen nach einem Bericht der Volksanwaltschaft für das Jahr 2024 massiv in der Kritik. "Was die Volksanwaltschaft schildert, ist erschütternd. Wenn Kinder aus ihren Familien genommen werden, um sie zu schützen, und es dann in den Krisenzentren selbst zu Kindeswohlgefährdungen kommt, ist eine rote Linie überschritten", beklagt Familiensprecherin LAbg. Sabine Keri im Zuge der jüngsten Debatte im Wiener Landtag. 

Laut Bericht sind Einrichtungen, die für acht Kinder ausgelegt sind, im Schnitt mit rund elf belegt - in Spitzenzeiten sogar mit bis zu 14. Mit dramatischen Folgen: Kinder würden unter teils unwürdigen Bedingungen schlafen. So schildert die Volksanwaltschaft unter anderem einen Fall, in dem eine Minderjährige im Besprechungszimmer auf einer Matratze am Boden schlafen musste, während dort weiterhin Gespräche stattfanden.  

Durch die Überfüllung gerate auch die Betreuung an ihre Grenzen, kritisiert die Wiener Volkspartei die aktuelle Lage. Pädagogische Arbeit, die eigentlich Stabilität geben soll, könne kaum noch ausreichend geleistet werden. Die Situation werde damit nicht nur organisatorisch, sondern auch für die betroffenen Kinder zunehmend belastend.

Aufenthalte weit über Limit

Besonders alarmierend: Laut Volksanwaltschaft besteht in den Krisenzentren sogar die Gefahr erneuter Traumatisierungen. Würden etwa Kleinkinder gemeinsam mit straffälligen Jugendlichen untergebracht, gerate der Anspruch eines geschützten Umfelds ins Wanken. Zusätzlich belasten schwere psychische Probleme, Selbstverletzungen, suizidale Krisen, Abgängigkeiten, Drogenkonsum sowie ein deutlich überfordertes Personal die Situation massiv. "Dass die Bewohnervertretung die Volksanwaltschaft bereits über Kindeswohlgefährdungen in einem Krisenzentrum der Stadt Wien informieren musste, ist ein Alarmsignal ersten Ranges", betont Keri. 

Eigentlich sind Krisenzentren nur für kurzfristige Unterbringungen gedacht - maximal sechs Wochen. In der Praxis bleiben viele Kinder jedoch mehrere Monate oder sogar länger als ein Jahr. Grund dafür ist ein akuter Mangel an passenden Folgeplätzen. Damit würden die Einrichtungen dauerhaft zweckentfremdet, so die weitere Kritik. Statt Übergangslösung seien sie für viele Kinder zur Endstation auf Zeit geworden, ohne Perspektive auf rasche Verbesserung.

"Wenn die Stadt Wien entscheidet, dass ein Kind aus seiner Familie genommen werden muss, dann trägt sie auch die Verantwortung, diesem Kind tatsächlich mehr Sicherheit, mehr Stabilität und bessere Entwicklungschancen zu bieten. Davon sind wir in den Wiener Krisenzentren derzeit erschreckend weit entfernt", so Keri. 

Kritik an Informationswegen

Auch die Informationswege stehen in der Kritik. Demnach soll die politisch zuständige Ebene nicht automatisch über schwere Vorfälle wie Selbstverletzungen informiert werden. Für die Volkspartei ein deutliches Zeichen, dass es hier an Kontrolle und Transparenz fehlt. 

"Dass die politisch zuständige Stadträtin nicht automatisch informiert wird, wenn es in Einrichtungen der Wiener Kinder- und Jugendhilfe zu einer Selbstverletzung oder im schlimmsten Fall zu einem Suizid kommt, ist völlig unverständlich", so Keri, die abschließend konstatiert: "Kinderschutz darf nicht bloß verwaltet werden. Die Stadt muss endlich handeln. Es geht um Kinder, die besonderen Schutz brauchen und die von Wien derzeit allzu oft im Stich gelassen werden."