Generalsanierung

Öffi-Sperre in Wien legt S-Bahn-Strecke 14 Monate lahm

12.02.2026

Ab Juli greifen ÖBB und Wiener Linien tief ins Wiener Verkehrsnetz ein. Zwei große Streckensperren und Baustellen an U-Bahn und Straßenbahn treffen Pendler, Anrainer und Flugreisende zugleich. Die Modernisierung kostet Zeit, Nerven und verlangt den Fahrgästen viel Geduld ab. 

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© ÖBB
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Die ÖBB und die Wiener Linien modernisieren im heurigen Sommer zentrale Wiener Öffi-Verbindungen mit erheblichen Auswirkungen auf die Bundeshauptstadt und das Umland. Von 4. Juli bis 6. September wird die Strecke zwischen Praterstern und Floridsdorf gesperrt, und ab 7. September kommt es noch schlimmer: Dann gibt es eine 14-monatige Hauptsperre zwischen Hauptbahnhof und Praterstern. Des Weiteren wird es umfangreiche Bauarbeiten am Straßenbahn- und U-Bahn-Netz geben.

Die Infografik zeigt die wichtigsten Sperren im öffentlichen Nahverkehr in Wien im Sommer. Die U3 ist vom 4. Juli bis 23. August zwischen Westbahnhof und Hütteldorferstraße gesperrt. Die U4 ist vom 3. Juli bis 2. August zwischen Karlsplatz und Wien Mitte gesperrt. Die S-Bahn-Stammstrecke ist vom 4. Juli bis 6. September zwischen Hauptbahnhof und Praterstern gesperrt, ein Schienenersatzbus fährt. Ab 7. September folgt eine 14-monatige Sperre auf diesem Abschnitt. Quelle: ÖBB.


 

 

Die Gesamtkosten sollen für die staatliche Österreichischen Bundesbahnen bei rund einer Milliarde Euro liegen, die Wiener Linien geben sich zu den Aufwendungen bedeckt. Die umfangreichen Arbeiten seien notwendig, da die Bauwerke zum Teil bis auf das Jahr 1860 zurückgingen und die Baustellen nicht einspurig geführt werden könnten. So werden etwa die Ungarbrücke abgerissen und ganze Viadukte erneuert. Dazu kommen neue Sicherungssysteme und barrierefreie Bahnsteige.

Spitzenzeiten in der Früh meiden

An die Kundinnen und Kunden appellieren ÖBB und Wiener Linien, sich rechtzeitig zu informieren und - wenn möglich - die Spitzenzeiten in der Früh zu meiden. "Ich möchte mich für die Unannehmlichkeiten entschuldigen und um Verständnis bitten", so ÖBB Infrastruktur-Chefin Judith Engel. Aber um das erhöhte Fahrgastaufkommen zu bewältigen brauche man längere und mehr Züge. Die Sommersperren der vergangenen beiden Jahre wären gut gelaufen, auf diese Erfahrung setzten ÖBB und Wiener Linien nun.

Obendrein seien die Maßnahmen in den Sommerferien die Generalprobe für die 14-monatige Hauptsperre im Herbst 2026. Entwarnung gibt es teilweise für die Anrainer in Wien: In der Nacht wird, bis auf wenige Ausnahmen, nicht gebaut, so die Bundesbahnen zur APA.

Keine Nacht-Baustellen

Die geänderte Streckenführung im Juli sei den Fahrgästen bereits aus dem Vorjahr bekannt, im August werde aber alles neu. Dafür werde es umfangreiche Info-Angebote geben, auch für die Einpendler aus Niederösterreich. "Es wird punktuell voll werden", warnte am Donnerstag Alexandra Reinagl, Vorsitzende der Wiener Linien. Sie erinnerte daran, dass die Wiener Linien täglich 2,4 Millionen Fahrgäste befördern und das sechstgrößte Straßenbahnnetz der Welt betreiben.

Unannehmlichkeiten gibt es ebenfalls für Flugreisende, da von den Baumaßnahmen auch der Bahnhof Wien Mitte als Zielort für den Flughafenzug "CAT" betroffen ist. Hier soll es eine kurz geführte Strecke samt Umstieg auf Busverkehr geben.

Grüne: Vorrang für Öffis

Die Wiener Grünen begrüßten die Modernisierung des Öffi-Netzes. "Aber die Stadtregierung muss liefern und ein Ersatzpaket aufsetzen, das diesen Namen verdient: mit spürbaren Taktverdichtungen, zusätzlichen Garnituren und Personal, deutlichen Verbesserungen der Straßenbahn und echten Vorrang-Routen für Öffis auf der Oberfläche", so die Grünen Mobilitätssprecher Heidi Sequenz und Kilian Stark.