Neigung um 3,5 Grad
Projekt Schieflage: Umstrittene Lueger-Figur von Sockel geholt
29.01.2026Die Kontextualisierung des Lueger-Denkmals befindet sich in der entscheidenden Phase – der Realisierung am Platz selbst. Seit Mitte Jänner wurde am Stubentor die Baustelle eingerichtet, das Denkmal eingerüstet.
Die Bronzefigur des wegen seines Antisemitismus umstrittenen früheren Wiener Bürgermeisters Karl Lueger (1844-1910) ist am Donnerstag im Zuge der Vorarbeiten für die geplante Kontextualisierung des Denkmals an der Wiener Ringstraße abgebaut worden. Sie wird nun gereinigt, wobei die grüne Patina erhalten bleiben soll. Die abgeschlagenen Teile an den Skulpturen und Reliefs des Podests werden wiederhergestellt, ebenso werden die im Zuge der Proteste aufgebrachten Farb- und Bitumenschichten am Denkmal entfernt
Lange wurde Karl Lueger, Wiener Bürgermeister von 1897-1910, als herausragender Kommunalpolitiker geehrt, ohne dass über seine Rolle als Begründer des populistischen Antisemitismus in Österreich gesprochen wurde. Heute wird diese unkommentierte Würdigung Luegers von der Öffentlichkeit nicht mehr akzeptiert. 2020 flammte im Zuge der weltweiten Auseinandersetzung rund um historisch belastete Denkmäler auch die Diskussion in Zivilgesellschaft, Politik und Wissenschaft über die Person Lueger und das Lueger-Denkmal wieder auf.
Wettbewerb zur permanenten Kontextualisierung
Nach jahrelangen Diskussionen war ein Wettbewerb für die dauerhafte Kontextualisierung des Lueger-Denkmals ausgeschrieben worden. Diesen gewann 2023 der Künstler Klemens Wihlidal mit seinem Projekt "Schieflage (Karl Lueger 3,5°)", bei dem das Monument mit einer Neigung um 3,5 Grad künftig für Irritationen sorgen soll. Die komplexen Vorarbeiten verzögerten die Umsetzung bisher. Nun soll das Projekt bis zum Sommer abgeschlossen sein, heißt es seitens der damit befassten Kunstinstitution KÖR (Kunst im öffentlichen Raum).
Der Bauzaun am Karl-Lueger-Platz dient auch der Information der interessierten Öffentlichkeit. Hier finden sich ausführlichere Informationen zur Umgestaltung des Denkmals, zur Vorgeschichte, zu Luegers Antisemitismus, zum künstlerischen Wettbewerb und zum Entwurf "Schieflage (Karl Lueger 3,5°)“.