Bezirksfreundschaft!

"Seidel- statt Freundschafts-Steg": Margareten und Mariahilf reichen einander die Hand

25.09.2025

Endlich konnte ein zehnjähriger Streit um einen Steg über den Wien-Fluss, der Margareten und Mariahilf eigentlich verbinden sollte, beigelegt werden.

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Unter der Rubrik "Heitere Bezirkspolitik" hat jetzt ein Sticheln, ein politischer Hick-Hack zwischen den Bezirken Margareten und Mariahilf endlich sein Ende gefunden. Dazu brauchte es freilich Langmut, beide Seiten des Wienflusses versuchten das Problem auszusitzen, die zündende Namens-Idee macht dieser Bezirksrivalität nun ein Ende.

Alles begann mit der Errichtung des Stegs vor zehn Jahren, schon damals konnten sich beide Seiten - hier das "rote Margareten", heute dort das "grüne Mariahilf" - nicht auf einen Namen einigen. Die "linke Seite", Mariahilf unter einem SPÖ-Bezirksvorsteher Markus Rumelhart, wollte den Steg großspurig den "Freundsschaftssteg" titulieren, was der "grünen Seite" mit dem Margaretner Bezirksvorsteher Michael Luxenberger freilich sauer aufstieß. Die Grünen orteten nämlich keine Freundschaft, sondern fühlten sich, so wird gemunkelt, allzu sehr an den gleichlautenden sozialdemokratischen Gruß mit dem Rufzeichen - eben: "Freundschaft!" - erinnert. Und das, obwohl Rumelhart schon großflächig auf seiner Seite die Idee des Freundschaftsstegs auf zahlreichen Plakatflächen groß affichiert hatte.

Eine Frau muss her!

Obwohl im damals ebenfalls SPÖ-geführten Bezirk Margareten der Name mehrheitlich beschlossen worden war, legten sich die Grünen mit der ÖVP in Rumelharts eigenem Bezirk quer: In Mariahilf gibt es nämlich eine – auch von der SPÖ unterstützte – Resolution, dass alle neuen Verkehrsflächen nach Frauen benannt werden sollen.

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Lange suchte man nach einem Namen, das seinerzeit von Rot-Grün regierte Rathaus wollte sich als Streitschlichter auch nicht einmengen. Jahre gingen ins Land, und viel Wasser floss die Donau hinunter. Im Jahr 2020 schien eine Lösung in Aussicht: mit "Regenbogensteg". Doch, Halt! Es fehlte ja immer noch ein Frauenname. 

Mayröcker zu spät verstorben

Ein Jahr drauf wagte die ÖVP Mariahilf einen Vorstoß, den Steg nach der Literatin Friederike Mayröcker zu benennen. Das Problem an der Sache: Mayröcker war erst kurz davor verstorben – und in Wien sind Benennungen erst ein Jahr nach dem Tod einer Person üblich. Wieder kein Glück!

Jetzt hat man sich also auf "Amalie-Seidel-Steg" geeinigt. Frau Seidel hat einst den ersten Frauenstreik Österreichs organisiert. Treppenwitz der Geschichte: Es brauchte eine Sozialdemokratin, um die Freundschaft wieder nach Mariahilf und Margareten zurückzubringen.