Abrechnung
"Spitzenpreise": ÖVP kritisiert Betriebskosten in Gemeindebauten
09.01.2026Die Volkspartei kritisiert die Betriebskosten in den Wiener Gemeindebauten als unverhältnismäßig hoch. Wiener Wohnen weist die Vorwürfe zurück und verweist auf transparente Abrechnungen und gesetzliche Vorgaben.
Der Alltag im Gemeindebau wird für viele zur finanziellen Belastung. Eine aktuelle Auswertung der Wiener Volkspartei zeigt, dass Bewohnerinnen und Bewohner dort seit Jahren die höchsten Betriebskosten in ganz Österreich zahlen. Heizung, Hausbetreuung, Müllabfuhr, Wasser und andere Leistungen würden hier mehr als irgendwo sonst im Land kosten. Im Jahr 2024 lagen die durchschnittlichen Kosten für Heizung, Müll und Co. demnach bei 2,38 Euro pro Quadratmeter. Auf Platz 2 folgt Salzburg (2,5 €/m2).
Besonders trifft das jene Menschen, die auf günstige Wohnungen angewiesen sind. "Wien leistet sich seit Jahren die teuersten Gemeindebauten Österreichs und die Leidtragenden sind jene Menschen, die am meisten auf leistbaren Wohnraum angewiesen wären", so ÖVP-Wohnbausprecher Lorenz Mayer. In anderen Bundesländern bleiben die Betriebskosten stabil oder sinken sogar, doch in Wien steigen sie Jahr für Jahr weiter. Dabei lasse die Qualität in vielen Bereichen zu wünschen übrig. So würden etwa notwendige Sanierungen nicht ausreichend umgesetzt.
Volkspartei fordert Reformen
Die ÖVP übt scharfe Kritik an der Stadtregierung. Sie verlangt von SPÖ und Neos klare Antworten auf die Frage, warum die Betriebskosten gerade in Wien so hoch sind. Gleichzeitig fordert man grundlegende Veränderungen bei der Bewirtschaftung der Gemeindebauten. "Die Realität ist, dass es an effizienter Verwaltung, an Transparenz und an einem echten Fokus auf die Mieterinnen und Mieter fehlt“, betont Mayer. Er verlangt, dass Leistungen gezielter vergeben und unnötige Verwaltungskosten vermieden werden.
Die Volkspartei fordert eine sofortige Entlastung der Mieterinnen und Mieter. Betriebskosten müssten gedeckelt und gesenkt werden, um leistbares Wohnen wieder möglich zu machen. Nur so könne verhindert werden, dass ausgerechnet jene, die finanziell am wenigsten Spielraum haben, weiter überproportional belastet werden.
Wiener Wohnen widerspricht
Wiener Wohnen weist die Kritik zurück. Die Betriebskosten hätten im Jahr 2024 nach tatsächlicher Abrechnung im Durchschnitt 2,38 Euro pro Quadratmeter betragen. Die höhere Zahl von 2,80 Euro im Mikrozensus der Statistik Austria erkläre sich durch die herangezogene Vorauszahlung, so Wiener Wohnen in einer schriftlicher Stellungnahme. Ziel sei es, hohe Nachzahlungen zu vermeiden. Im Jahr 2024 wurden 7,7 Millionen Euro nachverrechnet, gleichzeitig aber 18,4 Millionen Euro an Guthaben gutgeschrieben.
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Bei der Vorschreibung halte man sich strikt an das Mietrechtsgesetz, wo klar geregelt sei, welche Aufwendungen verrechnet werden dürfen. Sanierungen würden nicht über die Betriebskosten finanziert. Derzeit befänden sich 99 Sanierungsprojekte mit über 13.500 Objekten in Bau, wovon rund 35.000 Menschen profitieren.
Die Höhe der Betriebskosten könne man nicht steuern, sie sei abhängig von Faktoren wie Müllgebühren, Wasserpreisen oder dem Verhalten der Mieterinnen und Mieter. Auch illegale Sperrmüllablagerungen oder große Grünflächen in alten Anlagen spielten dabei eine Rolle.