Technologie-Hub Wien
Stadt errichtet Life Science Center für 170 Mio. Euro in Neu Marx
23.01.2026SPÖ und NEOS haben am Freitag bei einer Klausur der Wiener Stadtregierung im Rathaus unter anderem zwei neue Stadtentwicklungsgebiete sowie die Errichtung eines Life Science Centers fixiert.
Bei der Klausur ging es vorrangig um Standortfragen. Sie stand unter dem Motto "Starke Wirtschaft - Starkes Wien". Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) hob nach dem Treffen einmal mehr hervor, dass Wien zuletzt als einziges Bundesland ein Wirtschaftswachstum verzeichnet habe. "Wir sind der Wirtschaftsmotor in Österreich." Auch die Beschäftigtenzahl steige. "Wir werden versuchen, das weiter beizubehalten", versprach der Stadtchef. Man wolle versuchen, das "zarte Konjunkturpflänzchen" nicht abzuwürgen und investiere darum.
Life Science Center in Neu Marx
Auch Vizebürgermeisterin und Bildungsstadträtin Bettina Emmerling (Neos) verwies auf das Ziel, den Standort zu stärken. "Gerade nach Jahren der Rezession ist es wichtig, nach vorne zu schauen." Grundlage für Wirtschaftswachstum sei Bildung, darum werde man etwa im Elementarbereich Reformen in die Wege leiten.
Einen wichtigen Beitrag zur Positionierung der Stadt als Technologie-Hub soll ein neues Life Science Center leisten, das auf rund 14.000 Quadratmeter im Stadtteil Neu Marx im Bezirk Landstraße errichtet wird. Ein Schwerpunkt dort wird der Bereich Künstliche Intelligenz im Zusammenhang mit Gesundheitsforschung und Biotechnologie sein, hieß es. Das Zentrum wird von der Wirtschaftsagentur Wien realisiert. Investiert werden rund 170 Mio. Euro.
Die Fertigstellung wurde von Wirtschaftsstadträtin Barbara Novak (SPÖ) für 2029 avisiert. Auch eine Mieterin gibt es bereits, wie sie ausführte. Es handelt sich um "Aithyra", das von der Boehringer Ingelheim Stiftung finanzierte Forschungsinstitut für Künstliche Intelligenz in der Biomedizin der Österreichischen Akademie der Wissenschaften. Es wird rund 7.000 Quadratmeter und damit 50 Prozent der Flächen belegen - und kann laut heutigem Stand bereits zum Start der Einrichtung einziehen.
"Life Science ist tatsächlich eines der Stärkefelder der Stadt", erläuterte Novak. 800 Unternehmen seien in der Stadt in diesem Bereich tätig. Auch alle großen globalen Player hätten hier Standorte.
Vizebürgermeisterin und Wohnbaustadträtin Kathrin Gaal (SPÖ) führte aus, dass Wien heuer mit der Entwicklung von fünf Stadtquartieren startet, in denen insgesamt 4.530 geförderte Wohnungen entstehen sollen. Darunter befinden sich zwei völlig neue Stadtentwicklungsgebiete, wie betont wurde. Es handelt sich dabei um ein Flächen beim Gasometer in Simmering und eine Fläche an der Wagramer Straße in der Donaustadt.
Erstmals mehr als 20 Mio. Nächtigungen
Verwiesen wurde auch auf die Bedeutung der Tourismusbranche. Hier gibt es einen neuen Rekord zu vermelden. 2025 wurde erstmals die "Schallmauer" von 20 Mio. Nächtigungen durchbrochen, wie Ludwig ausführte. Details werden kommende Woche in der Bilanz-PK des Wien-Tourismus präsentiert.
Auch eine Verlängerung der Wiener Medieninitiative wurde beschlossen. Bereits zuletzt war angekündigt worden, dass ab März insgesamt 600.000 an Förderungen für einzelne Projekte dotiert werden. Nun wurde die Initiative für die kommenden Jahre abgesichert, wie es hieß. Sie soll einen wesentlichen Beitrag zur Sicherung der Medienvielfalt und journalistischer Arbeitsplätze am Medienstandort Wien leisten, erklärte Ludwig. Das nun vereinbarte Budget für die kommenden Jahre beträgt 6 Mio. Euro.
Die heutige Veranstaltung war die erste offizielle rot-pinke Regierungsklausur nach der Gemeinderatswahl im Vorjahr. 2025 war bei der Jänner-Tagung der vorgezogene Wahltermin verkündet worden. Es wurde entschieden, den Urnengang von Herbst auf April vorzuverlegen. Nach der Wien-Wahl wurde eine Neuauflage der Zusammenarbeit von SPÖ und NEOS fixiert.
Kritik der Opposition
Die Opposition ließ kein gutes Haar an den Ausführungen. Für FPÖ-Chef Dominik Nepp leb Ludwig in einer "politischen Parallelwelt". Der Output der Klausur sei lediglich ein Schönreden bekannter Fehler, eines desaströsen Budgets und Eigenlob für den boomenden Tourismus, befand er. Das Grüne-Spitzenduo Judith Pühringer und Peter Kraus sah einen unbeholfenen Versuch, von einem Kürzungsbudget abzulenken. Es sei bemerkenswert, wie viel heiße Luft an so eiskalten Tagen produziert werden könne, staunten die beiden.
ÖVP-Obmann Markus Figl vermisste Entlastungsmaßnahmen und Reformen. Menschen und Betriebe würden nur Belastungen spüren, das sei enttäuschend, beklagte er.