Rathausmann-Medaille

Stadt Wien ehrte Samy Molcho zum 90. Geburtstag

27.05.2026

Die Stadt Wien hat Samy Molcho anlässlich seines 90. Geburtstages geehrt. Stadträtin Veronica Kaup-Hasler überreichte dem international renommierten Künstler, Pantomimen, Regisseur, Autor und Körpersprache-Experten am Dienstag im Salon Lehar des Wiener Rathauskellers die Rathausmann-Medaille. 

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© Stadt Wien/Markus Wache
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"Samy Molcho hat Wien gelehrt, genauer hinzusehen", so Wiens Stadträtin für Kultur- und Wissenschaft Veronica Kaup-Hasler (SPÖ) bei der Verleihung der Rathausmann-Medaille an den Pantomimen, Regisseur, Autor und Körperspracheexperten. Anlässlich seines 90. Geburtstages wurde der Künstler am Dienstag im Wiener Rathaus für sein künstlerisches Lebenswerk und seinen Beitrag zur Kultur- und Kommunikationslandschaft geehrt. Mit dabei seine Familie rund um Ehefrau Haya Molcho.

Kaup-Hasler hob Molchos Verbindung zur Stadt Wien hervor: "Samy Molcho hat Wien über Jahrzehnte bereichert - als Künstler, als Lehrer und als Mensch. Er hat gezeigt, dass Kommunikation lange vor dem ersten Wort beginnt: im Blick, in der Haltung, in der Geste. Seine Kunst war mehr als Darstellung; sie lud dazu ein, einander genauer wahrzunehmen."

Molcho gilt neben dem 2007 verstorbenen Marcel Marceau als bedeutendster Solopantomime des vergangenen Jahrhunderts. Geboren wurde er am 24. Mai 1936 in der israelischen Hafenstadt Haifa. Bereits im Alter von 10 Jahren stand er das erste Mal im Rampenlicht und studierte daraufhin klassischen, modernen und fernöstlichen Tanz sowie die Technik der Pantomime in Israel. Zusätzlich absolvierte er eine Schauspielschule sowie ein Seminar für Regisseure und Dramalehre. Ab 1952 tanzte Molcho am Jerusalemer Tanztheater von Rina Nikowa, vier Jahre später war er Solotänzer für modernen Tanz in Tel Aviv.

Molchos künstlerisches Schaffen

In Wien, das seine spätere Heimat werden sollte, absolvierte Molcho 1959 seinen ersten Auftritt außerhalb Israels: Im Raimund Theater war er Teil der Weltfestspiele der Jugend - und nicht ganz 30 Jahre später sollte sich dort der Kreis schließen, gab er hier doch 1987 seine Abschiedsvorstellung. Molcho hat mehrfach festgehalten, dass er den Entschluss, am Höhepunkt seines Könnens abzutreten, nie bereut habe. Als Schauspieler verkörperte Molcho etwa 1973 den Tanzmeister in Molières "Bürger als Edelmann" am Wiener Burgtheater und 1984 den Mimo in Luciano Berios Oper "Un Re in ascolto" in Salzburg und Wien. Als Lehrender am Max-Reinhardt-Seminar gab er sein Wissen über die Körperkunst weiter.

Neben der Rathausmann-Medaille wurde Molcho schon mehrfach geehrt: 2004 erhielt er etwa das Große Silberne Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik. 2008 wurde ihm das Goldene Ehrenzeichen für Verdienste um das Land Wien verliehen. Doch auch über Österreich und Wien hinaus reicht das Schaffen des Künstlers: Engagements quer über Europa verteilt, vom Holland-Festival und den Wiener Festwochen bis zu den Zürcher Festspielen, insgesamt gastierte Molcho in mehr als 50 verschiedenen Ländern.

Mitte der 60er-Jahre trat der Künstler dann auch vermehrt als Regisseur in Erscheinung und inszenierte etwa die deutschsprachige Uraufführung von Jean Genets "Die Neger" (1964), Eugene Ionescos "Die Stühle" (1966), Nikolaj Gogols "Die Spieler" (1966) oder Ephraim Kishons "Trauschein" (1968). Molcho gab sein Wissen nicht nur an Studierende weiter, in zahlreichen Büchern teilt er sein universelles Verständnis über die Körpersprache. Man erfuhr "Alles über Körpersprache", erhielt Einblicke in die "Körpersprache der Promis", aber auch Kinder, Erfolg und Partnerschaft wurden auf diese Weise analysiert. 2007 veröffentlichte er mit "... und ein Tropfen Ewigkeit. Mein bewegtes Leben" seine Autobiografie. In "Territorium ist überall" zeigt der Körpersprachenexperte auf, wie zentral reale und geistige Territorien für das Verhalten des Menschen sind und wie man mit Wissen darüber Konflikte lösen kann.