Schieflage

Umstrittenes Lueger-Denkmal wird abtransportiert und restauriert

13.01.2026

Ein Stück Wiener Stadtbild wird neu ausgerichtet. Die Statue von Karl Lueger soll künftig nicht mehr aufrecht thronen, sondern sichtbar aus dem Lot geraten. Bis es im Sommer soweit ist, wird das Denkmal noch restauriert. 

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© APA/EVA MANHART
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Das umstrittene Denkmal von Karl Lueger verliert seinen festen Stand. Der frühere Wiener Bürgermeister wird ab Sommer nur noch schief im öffentlichen Raum stehen. Die Stadt bringt die Statue bewusst aus dem Lot, um ein deutliches Zeichen gegen Antisemitismus zu setzen. Dafür wurden am Dr.-Karl-Lueger-Platz bereits Bauzäune aufgestellt, die den Beginn der Arbeiten absichern. In den kommenden Wochen wird die Figur abgetragen und in einer Werkstatt gereinigt.

Vorbereitung auf die Schieflage

Dort erhält sie nicht nur eine gründliche Pflege, sondern wird auch für ihre künftige Schräglage am selben Ort vorbereitet. Die untersten drei Stufen des ursprünglichen Sockels bleiben bestehen. Der obere Teil wird abgesenkt und in einer exakt berechneten Schräglage von 3,5 Grad neu installiert. Diese Gestaltung geht auf ein Konzept des Künstlers Klemens Wihlidal zurück. Sein Entwurf, der den Namen "Schieflage (Karl Lueger 3,5°)" trägt, soll Irritation auslösen und zum Nachdenken anregen. 

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Ein Denkmal unter Beschuss

Die Diskussion um das Lueger-Denkmal zieht sich seit Jahren durch die Stadt. Immer wieder wurde die Statue beschmiert oder mit Farbe überschüttet. Im Jahr 2021 lud Kulturstadträtin Veronica Kaup-Hasler (SPÖ) zu einem Runden Tisch ein. Ziel war es, die unterschiedlichen Positionen zur Umgestaltung des Platzes zu sammeln und eine Lösung zu finden. 2022 startete die Stadt einen offiziellen Wettbewerb. Nun beginnt die Umsetzung des Siegerprojekts.

Kritik aus der jüdischen Community

Kritik an der Neugestaltung kommt vor allem von jüdischen Organisationen. Die Präsidentin der Jüdischen Österreichischen Hochschüler Lia Guttmann, bezeichnet die Maßnahme gegenüber dem ORF als unzureichend. Für sie ist die bloße Kippung der Statue kein klares Signal. Sie fordert die vollständige Entfernung des Denkmals und eine Entfernung des Namens Lueger aus dem Stadtbild.

Die Stadt sieht das Projekt als bewusste künstlerische Intervention. Durch die subtile Schieflage sollen Passanten ins Stolpern geraten, zumindest im übertragenen Sinn. Der Platz soll durch begleitende Informationen zu einem Ort der Auseinandersetzung mit der Geschichte werden. Die ersten Schritte sind getan. Bald wird das Denkmal kippen. Ob das auch die Debatte verändern kann, bleibt offen. 

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