Nach 61 Jahren
Wiens zweitältestes China-Lokal "Shanghai" sperrt zu
26.01.2026Nach sechs Jahrzehnten verabschiedet sich das China-Restaurant Shanghai aus der Wiener Innenstadt. Der zweite Chinese der Stadt sperrt am 22. Februar für immer zu. Ein neuer Betreiber zieht ein und bringt eine völlig andere Küche mit.
Ein Stück Wiener Gastrogeschichte geht zu Ende. Das China-Restaurant "Shanghai" in der Jasomirgottstraße schließt am 22. Februar seine Türen. Als zweites chinesisches Restaurant der Stadt eröffnete es 1963 und galt über Jahrzehnte als fixe Adresse für süßsaure Klassiker in zwischen roten Laternen und goldenen Drachen.
Trotz vieler Veränderungen rundherum blieb das "Shanghai" erstaunlich konstant. Während andere Lokale kamen und gingen, Clubs eröffneten und wieder verschwanden, hielt sich der rot-goldene Kitschtempel mit stoischer Ruhe. Goldlöwen, Laternen, Drachen - das Interieur wirkte wie aus der Zeit gefallen und genau das schätzte das Stammpublikum.
Generationenwechsel und neue Wege
Nach dem Tod des ursprünglichen Betreibers übernahm Tim Urban gemeinsam mit seiner Mutter den Standort. Unterstützt wurde er vom Weinhändler und Sommelier Robert Stark, der nicht nur als Lieferant, sondern auch regelmäßig als Gastgeber präsent war. Urban, der zuvor bereits das beliebte Restaurant "Sichuan" im Donaupark leitete, brachte frischen Wind in das altgediente Lokal, ohne dessen Charakter zu verwässern.
Der Rückzug aus der Innenstadt bedeutet keinen Rückzug aus der Gastronomie. Im "Sichuan" bleibt Urban weiter aktiv und will dort mit gezielten Neuerungen die Linie des Hauses weiterentwickeln. "Ich hätte ja gerne an diesem Standort weiter gemacht. Doch meine Familie und das Sichuan im Donaupark verlangen jetzt meine größere Aufmerksamkeit", sagt Urban gegenüber Gastro News.
Neuer Mieter, neuer Kurs
Wie Gastro News berichtet, übernimmt die Gastro-Kette "Türkis" den Standort. Bekannt für orientalische Küche und schnelle Expansion, verfolgt das Unternehmen einen vielseitigen Zugang. Bereits in der Goldschmiedgasse hat "Türkis" einen ehemaligen "Wienerwald" erfolgreich umgewandelt und serviert dort neben Hummus und Falafel auch Wiener Klassiker.
Auch in der Jasomirgottstraße soll das Konzept aufgehen. Das prunkvolle Interieur des "Shanghai" bleibt weitgehend erhalten, bekommt jedoch eine neue kulinarische Handschrift. Die glanzvolle Ästhetik trifft künftig auf Levante-Küche und Schnitzel. Eine ungewöhnliche Mischung, aber vielleicht genau das, was der Standort jetzt braucht.
Mit dem Abschied vom "Shanghai" endet ein Kapitel, das mehr als sechs Jahrzehnte währte. Was bleibt, ist die Erinnerung an einen Ort, der nie laut, aber immer besonders war.