Dritter Prozesstag

Wienwert-Prozess geht in die nächste Runde

26.01.2026

Am dritten Prozesstag rund um die pleitegegangene Immobiliengruppe Wienwert kommen am Montag die Angeklagten selbst zu Wort.  

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© APA/HELMUT FOHRINGER
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Am Freitag war die Verhandlung nach einem Diversionsantrag durch den mitangeklagten Ex-ÖVP-Wien-Chef Karl Mahrer und dessen Frau gesplittet worden. Der Diversion wurde stattgegeben, womit das Ehepaar Mahrer nun nicht mehr auf der Anklagebank sitzt. Neben dem ehemaligen Wienwert-Chef Stefan Gruze stehen nunmehr acht weitere Personen vor Gericht.

Die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA) wirft diesen unter anderem schweren gewerbsmäßigen Betrug, Untreue sowie betrügerische Krida vor. Die WKStA ermittelt seit 2017 in dem Fall. Die Causa dreht sich in erster Linie um die Schädigung von Anlegerinnen und Anlegern. Konkret sollen Gruze und seine Vorgänger Wienwert als wirtschaftlich erfolgreiches Unternehmen beworben, dabei aber gleichzeitig dessen Zahlungsunfähigkeit verschwiegen haben. Außerdem legt ihnen die WKStA zur Last, Investoren durch unwahre Angaben über die Verwendung der Anleihengelder getäuscht zu haben. Gruze und die Firmengründer Nikos Bakirzoglu und Wolfgang Sedelmayer sollen laut Anklage insgesamt mehr als 1.800 Anleger in einem Ausmaß von rund 41 Mio. Euro geschädigt haben.

Politische Komponente auch nach Mahrer-Diversion

Mitangeklagt sind zudem ein Ex-Wienwert-Mitarbeiter, ein Unternehmensberater, ein Treuhänder, ein Rechtsanwalt sowie der mittlerweile insolvente Immobilienunternehmer Klemens Hallmann. Weiterhin für eine politische Komponente - auch nach der Diversion für die Eheleute Mahrer - sorgt die Anklage gegen den SPÖ-Bezirksvorsteher von Wien-Donaustadt, Ernst Nevrivy. Für alle Angeklagten gilt die Unschuldsvermutung.

Nevrivy soll Gruze laut Anklage im Voraus den geplanten Standort für eine Remisen-Erweiterung verraten haben, worauf dieser das Grundstück erwarb und es die Wiener Linien ihm zu einem weit höheren Preis abkaufen haben müssen. Dadurch sei der Stadt Wien ein Schaden von rund 850.000 Euro entstanden, so die WKStA. Im Gegenzug soll Nevrivy von der Immobiliengesellschaft unter anderem mehrere VIP-Tickets für das Wiener Fußball-Derby sowie Spiele der Nationalmannschaft bekommen haben. Nevrivys Verteidiger Volkert Sackmann hatte die Vorwürfe vergangene Woche zurückgewiesen. Sein Mandant werde sich nicht schuldig bekennen.

Vorwürfe werden großteils zurückgewiesen, zwei Teilgeständnisse

Gruze-Verteidiger Norbert Wess hatte beim Prozessauftakt am vergangenen Montag angekündigt, sein Mandant werde ein Teilgeständnis ablegen und sich der grob fahrlässigen Beeinträchtigung von Gläubigerinteressen schuldig bekennen. Die Vorwürfe der Anklage, darunter Anlagebetrug, wies er dagegen zurück. Gruzes Einvernahme dürfte am Donnerstag stattfinden, nachdem er sich am heutigen Montag krankheitsbedingt entschuldigen ließ. Die Rechtsanwälte von Bakirzoglu und Sedelmayer wiesen die Vorwürfe jeweils zurück, ihre Mandanten werden sich nicht schuldig bekennen.

Auch Hallmanns Verteidiger Peter Miklautz und Lukas Kollmann wiesen am Freitag sämtliche Vorwürfe zurück, ihr Mandant habe sich nichts zuschulden kommen lassen. Auch die Anwälte des Ex-Wienwert-Mitarbeiters, des Wirtschaftsprüfers und des mitangeklagten Rechtsanwalts wiesen die gegen ihre Mandanten erhobenen Vorwürfe zurück. Der Anwalt eines mitangeklagten Treuhänders wies am Freitag den Hauptvorwurf des Anlagebetrugs zurück. In Zusammenhang mit einem Verstoß gegen den Treuhandvertrag räumte er dagegen Fehler seines Mandanten ein. Der Treuhänder habe fahrlässig, aber ohne Vorsatz gehandelt. 

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