Bürogebäude
Wirbel nach Ludwigs Besuch bei Hausbesetzern in Rom
29.05.2026Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) hat bei seinem Besuch in Rom am Donnerstagnachmittag ein seit Jahren besetztes Bürogebäude besucht. Kritik an dem Lokalaugenschein kommt von der ÖVP.
Er traf dort mit Vertretern der rund 130 Familien, darunter viele Migranten, die in dem Gebäude leben, und würdigte das Projekt als Modell städtischer Erneuerung. In dem Haus "Spin Time" wohnen mehr als 400 Menschen.
In Rom und italienweit gibt es diese Häuser, sie heißen auch "Centri sociali" und sind so etwas wie soziale Treffpunkte. Sie sind meist organisiert von linken Aktivisten. Vor allem den Rechtspopulisten in der Regierung sind sie ein Dorn im Auge.
Bewohnergemeinschaft verweist auf Wiens Wohnungspolitik
Die Bewohnergemeinschaft von "Spin Time" erklärte, Ludwigs Besuch sei ein wichtiges Signal für die soziale Bedeutung des Projekts und verwies auf die Wohnungspolitik Wiens. Zum Abschluss wurde Ludwig ein Brief der Bewohner vorgelesen. Darin warnte die Gemeinschaft vor den Folgen von Klimawandel und von Massentourismus, die Städte an ihre Grenzen brächten. Zugleich verwiesen die Bewohner auf Wien als Vorbild für soziale Wohnungs- und Stadtpolitik und regten einen weiteren Austausch zwischen Wien und Rom an.
Rom ist von erheblichen Wohnungsproblemen betroffen. Durch die zunehmende Verbreitung von Kurzzeitvermietungen ist das Angebot an Wohnungen für die Einwohner knapp geworden. Die Mieten sind stark gestiegen.
ÖVP: "Ludwig legitimiert Hausbesetzung"
Der Wiener ÖVP stößt der italienische Lokalaugenschein des Stadtchefs sauer auf. "Eine Hausbesetzung ist nichts anderes als die Enteignung privater Eigentümer durch die Hintertür – und wenn der SPÖ-Bürgermeister das als Vorbild feiert, sendet das ein gefährliches Signal", so Wohnbausprecher Lorenz Mayer. Hintergrund der heftigen Kritik sind die unterschiedlichen behördlichen Maßstäbe auf dem heimischen Wohnungsmarkt. Während bei privaten Projekten oft rascher Druck mittels behördlicher Aufträge aufgebaut werde, sieht die Volkspartei bei den städtischen Wohnhausanlagen einen massiven Sanierungsstau. "Wer privaten Eigentümern jeden Handgriff vorschreibt, gleichzeitig aber den eigenen Bestand verkommen lässt und dann noch Hausbesetzungen glorifiziert, hat das Grundprinzip verantwortungsvoller Wohnpolitik nicht verstanden“, stellte Mayer fest.