Buwog und EHL warnen

Wohnungsmangel in Wien spitzt sich zu

18.02.2026

Die Wohnungssituation in Wien verschärft sich zusehends, geht aus dem "Ersten Wiener Wohnungsmarktbericht 2026" von Buwog und EHL hervor, der am Mittwoch präsentiert wurde. 

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Die Baubewilligungen gingen von 21.400 im Jahr 2019 auf 5.772 im Vorjahr zurück. Die Fertigstellungszahlen werden heuer auf 8.630 Wohnungen - 60 Prozent des Jahres 2023 - sinken, nächstes Jahr auf 6.911 Wohnungen. Der Wohnbau in Wien erreicht damit laut Buwog und EHL einen neuen Tiefststand.

"Der Produktionsüberhang aus den Boomjahren bis 2022 ist längst aufgebraucht, es gibt so gut wie keine Wohnraumreserven mehr und die Nachfrage ist ungebrochen stark", kommentierte Buwog-Geschäftsführer Andreas Holler die aktuelle Situation. Von den heuer fertiggestellten Wohnungen werden, so Holler, nur etwas mehr als 2.000 Mietwohnungen sein. Dessen ungeachtet werde es heuer im Gegensatz zu den Vorjahren auch bei Eigentumswohnungen zu Verknappungen kommen.

Mieterhöhungen um 7 bis 8 Prozent erwartet

Der Wohnungsmangel spiegelt sich in steigenden Preisen wider, sagte Karina Schunker, Geschäftsführerin von EHL Wohnen. Um den Nachfrageüberhang zu stabilisieren, wären in den nächsten drei Jahren rund 40.000 zusätzliche Wohnungen notwendig. Bei den Mieten rechnet sie für heuer mit einem Anstieg um 7 bis 8 Prozent, bei Eigentumswohnungen erwartet sie einen Anstieg um 3 Prozent. "Die Unterschiede bei den Preisanstiegen in guten und durchschnittlichen Lagen werden dabei noch deutlich stärker ausfallen als im Mietsegment", sagte Schunker.

"Wenn Wohnen in der Großstadt für immer mehr Menschen unleistbar wird, führt dies verstärkt zu Abwanderungstendenzen und Zersiedelung im Umland", gab EHL-Geschäftsführer Michael Ehlmaier zu bedenken.

Die Immobiliengesellschaften sehen auch kurze Vermarktungszeiten: Mietverträge werden oft unmittelbar nach der Erstbesichtigung geschlossen, Eigentumswohnungen werden in frühen Bauphasen gekauft. Wohnungssuchende würden auch mehr Kompromisse eingehen. Eine gute Straßenbahn- oder U-Bahn-Anbindung reiche oft. Und es gibt einen Trend zu kleineren - und damit eher leistbaren - Wohnungen. Das gehe hin bis zu 4 Zimmer-Wohnungen mit 85 Quadratmetern.

Bis 2040 braucht Wien bis zu 100.000 zusätzliche Wohnungen

Wenn sich die Rahmenbedingungen nicht ändern, ist keine Besserung der Marktsituation in Sicht: "Mein Team und ich merken den Druck, unter dem viele Wohnungssuchende stehen", kommentierte Buwog-Vertriebschef Peter Berchtold die aktuelle Situation. "Die Angebotslücke ist da - mit einer starken Tendenz, auch weiter zu wachsen." Bis zum Jahr 2040 ist nach den demographischen Prognosen in Wien mit einem Bevölkerungswachstum von 9 Prozent auf 2,2 Millionen Einwohner zu rechnen. Den zusätzlichen Wohnungsbedarf beziffern die Immobiliengesellschaften mit 95.000 bis 100.000 Wohnungen.

Den Rückgang beim Wohnungsbau führten die beiden Immobiliengesellschaften einerseits auf staatliche Markteingriffe wie die Aussetzung von Indexierungen, Restriktionen bei der Finanzierung, anhaltend hohe Baukosten sowie auf die Zurückhaltung institutioneller Käufer zurück - wobei die Investoren langsam wieder zurückkehren.

Um den Wohnbau anzukurbeln, bedürfe es mehrerer Maßnahmen, sagte Holler. Effizientere Widmungs- und Bauverfahren mit österreichweit einheitlichen Standards sowie Vereinfachungen bei der Abwicklung von Bauverfahren seien ebenso notwendig wie zum Beispiel die Vereinfachung von Bauvorschriften oder bundesweite Typengenehmigungen für Systembau. Aber auch steuerliche Anreize und eine weniger komplexe Förderungslandschaft könnten dem Wohnbau auf die Sprünge helfen.