Dürre-Alarm
Schock-Fotos: Trocknet die Untere Lobau aus?
08.05.2026Die anhaltende Trockenheit setzt die Untere Lobau im Nationalpark Donau-Auen massiv unter Druck.
Der WWF warnt vor einer weiteren Verschärfung der Situation und fordert von der Stadt Wien rasche Maßnahmen, um eines der bedeutendsten Auengebiete Österreichs vor dem Austrocknen zu bewahren. Nach Ansicht der Naturschutzorganisation ist die Entwicklung längst alarmierend – und der politische Stillstand verschärfe die Lage zusätzlich.
Wie aktuelle Aufnahmen des WWF zeigen, sind zahlreiche Gewässer in der Unteren Lobau bereits ausgetrocknet oder leiden unter fehlender Durchströmung. Seitenarme, die um diese Jahreszeit normalerweise Wasser führen, liegen trocken, kleinere Gewässer sind verschwunden. Gleichzeitig werde die Verbindung zur Donau und zum Grundwasser immer schwächer. Dadurch geraten empfindliche Lebensräume zunehmend unter Druck.
WWF-Experte Michael Stelzhammer spricht von einer ernsthaften Gefahr für die Biodiversität und die ökologische Funktion der Au. Ohne ausreichend frisches und sauerstoffreiches Wasser seien zahlreiche Tier- und Pflanzenarten bedroht. Die aktuelle Dürre verschärfe eine ohnehin kritische Entwicklung dramatisch, warnt der WWF.
Besonders kritisch sieht die Organisation, dass innerhalb der Lobau weiterhin Grundwasser zur Bewässerung landwirtschaftlicher Flächen entnommen wird, während gleichzeitig in den Au-Gewässern Wasser fehlt. Die ackerbauliche Nutzung der Flächen ist noch bis Ende 2027 erlaubt, danach sollen sie wieder in Naturflächen umgewandelt werden. Angesichts der zunehmenden Dürrefolgen und des Artensterbens sei dies wichtiger denn je, so der WWF.
Die Naturschutzorganisation fordert daher ein umfassendes Maßnahmenpaket. Im Mittelpunkt steht die rasche Dotierung der Unteren Lobau mit Wasser aus der Oberen Lobau, um besonders betroffene Bereiche kurzfristig zu stabilisieren. Langfristig brauche es zudem eine stärkere Anbindung an die Donau, die Wiederherstellung natürlicher Fließdynamiken sowie Maßnahmen zur Anhebung des Wasserspiegels.
WWF warnt vor Niedrigwasser in Österreichs Flüssen
Drei Viertel der Fluss-Pegel in Österreich weisen aufgrund der Trockenheit Niedrigwasser auf. Besonders stark betroffen sind laut Naturschutzorganisation WWF die Flussstrecken in der Steiermark (Mur-Einzugsgebiet), in Ober- und Niederösterreich (Vöckla, March, Kamp), Kärnten (Drau) und im Burgenland. "Das hat spürbare Folgen für Ökosysteme, Artenvielfalt und Wasserqualität", warnte die WWF-Expertin Marie Pfeiffer. Forellen seien demnach besonders bedroht.
Besonders rasch seien die Pegelstände im Murgebiet gesunken. Von März bis April stieg dort die Anzahl niedriger und sehr niedriger Pegelstände von 60 auf 90 Prozent. Im Marchgebiet erhöhte sich der entsprechende Anteil von 55 auf 90 Prozent. Im Einzugsgebiet von Raab, Rabnitz und Leitha im Osten des Landes nahm die Zahl niedriger und sehr niedriger Pegel innerhalb eines Monats stark zu und stieg laut WWF von 40 auf rund 75 Prozent. "Die aktuellen Niedrigwasserstände sind ein Warnsignal für die akuten Folgen der Klimakrise. Wenn Flüsse schon im Frühjahr dauerhaft zu wenig Wasser führen, geraten ganze Lebensräume unter Druck", sagt Pfeiffer.
Der WWF fordert daher ein Schutzpaket für die heimischen Flüsse, wie etwa die Wiederherstellung von Auen oder die Renaturierung verbauter Flussabschnitte sowie ein nachhaltiger Umgang mit Wasserressourcen. Besonders dramatisch sei die Situation in den sogenannten Restwasserstrecken. In Österreich gibt es 2.974 solcher Flussabschnitte mit einer Gesamtlänge von rund 4.447 Kilometern, in denen oft über 90 Prozent des Wassers für die Wasserkraft abgeleitet werden. Rund die Hälfte der Strecken erreicht nicht einmal den gesetzlich vorgeschriebenen ökologischen Mindestabfluss. "Diese Strecken erwärmen sich besonders schnell, der Sauerstoffgehalt sinkt, für viele Fischarten kann das rasch tödlich werden", warnt Pfeiffer. Der WWF fordert daher, die längst klar geregelten Mindestabflüsse konsequent umzusetzen und Wasserkraftbetreiber stärker in die Pflicht zu nehmen, um die Gewässerökologie nachhaltig zu sichern.