Oktoberfest weltweit

"Ozapft is" von Peking bis Kabul

29.09.2011

Oktoberfest als globaler Exportschlager. Weltweit mehr als 2.000 "Plagiate".

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Das Münchner Oktoberfest ist ein Ort der Sehnsucht: Alljährlich reisen Zehntausende an und geben viel Geld aus, um ein Mal dabei zu sein beim größten Volksfest der Welt. Mancherorts haben Wiesn-Fans den Spieß umgedreht - und feiern ein eigenes Oktoberfest. Mehr als 2.000 "Plagiate" gibt es weltweit, Tendenz steigend. "Die Zahl wächst konstant", sagt Festleiterin Gabriele Weishäupl. Wenn beim Oktoberfest in München in diesen Tagen der Endspurt ansteht, gehen die Feste in Indien oder Australien gerade erst los.

Weltweiter Spaß
Von Japan bis USA, von Hawaii bis Mexiko, und sogar in Russland, in Vietnam und in Bahrain feiern die Menschen Oktoberfest - oder was sie dafür halten. Unter Palmen in der Karibik wie im ewigen Eis der Antarktis - überall boomt die bayerische Gemütlichkeit. "Das Oktoberfest übt eine Faszination rund um den Globus aus", sagt Weishäupl.

Heimatbräuche

Oktoberfeste hätten sich vor allem da etabliert, wo es deutsche Einwanderer gebe, sagt Weishäupl. "Sie versuchen, an ihre Heimatbräuche anzuknüpfen - und das Oktoberfest ist der Prototyp des heimatlichen Fests." Mal dauert so ein Oktoberfest nur einen Abend, mal wird im Frühjahr gefeiert, mal gleicht der Einzug der Wirte eher einem Faschings- als einem Trachtenumzug.

5 Oktoberfeste in London
Allein in London, wo die Maß wegen der britischen Pint-Einheit ein bisschen mehr als einen Liter hat, sind mindestens fünf Oktoberfeste bekannt. Die Wirte der deutschen Gasthäuser haben darin einen Kassenknüller ausgemacht.

"Ozapft is" am Südpol
Einmal habe eine Forschungsstation am Südpol sich bei ihr gemeldet, das Fass Bier habe dann mangels anderer Verkehrswege eingeflogen werden müssen, berichtet Weishäupl. Demnächst wird die Wiesnchefin Grüße nach Kabul schicken: Am 3. Oktober - zum Tag der Deutschen Einheit und am letzten Tag der echten Wiesn - sollen dort Bundeswehrsoldaten ein Oktoberfest feiern. Weishäupl hat veranlasst, dass alle 60 Soldaten ein Wiesn-Herzl bekommen.

Lederhose in Brasilien
Eines der größten Oktoberfeste hat Blumenau in Brasilien. Zählt Münchens Wiesn rund sechs Millionen Besucher, sind es dort 1,5 Millionen. Seit 27 Jahren feiern die Blumenauer schon bei Blasmusik und Bier, mancher hat sogar eine richtige Lederhose. Trotzdem war Weishäupl als Chefin des wahren Oktoberfests im echten Dirndl eine Attraktion: "Hier sehen sie die Direktorin des Oktoberfests", habe der Bürgermeister über Megafon den jubelnden Massen zugerufen, als er mit Weishäupl in der Kutsche zum Fest fuhr. Freilich gibt es Diskrepanzen zum Münchner Vorbild: Statt "Haxe" (Stelze) wird "Eisbein" - der norddeutsche Ausdruck für das Gericht -  angepriesen, und auch gefüllte Erdäpfel würde man in Bayern nicht gerade als ursprüngliche Speise betrachten.

Feiern in Indien

In Indien wunderten sich die Besucher beim ersten Oktoberfest vor zehn Jahren in der High-Tech-Metropole Bangalore vor allem über die Kleidung der aus Bayern angereisten Blaskapelle. Die Zeitung  "The Times of India" erklärte ihren Lesern den ungewöhnlichen Anblick: Die Kleidung der "Reisbacher Musikanten" sei nicht dreckig, schrieb die Zeitung, sondern müsse so aussehen. "Man nennt es Lederhose und wenn es ölig ist, ist es ein Original."

Fass-Anstich in Moskau
Den Besuchern des Bierfests in Moskau dauerte die Zeremonie des Fass-Anstichs zu lang. Bevor der eigens angereiste Wiesn-Wirt Wiggerl Hagn, der auch dem Moskauer Bürgermeister Unterricht im Fass-Anstich gab, das erste Fass mit nur einem Schlag anzapfte, tranken sie längst Bier aus Dosen.

Plastikbecher in der Karibik
Von der Karibikinsel St. Maarten wird wiederum berichtet, dass das Bier mangels Maßkrügen schon mal in Plastikbechern ausgeschenkt wurde. In China sollen Veranstalter das erste Fass Bier nicht angezapft, sondern eher wie eine Kokosnuss geöffnet haben: Mit einem Seil wurde der Fass-Boden - wohl als Deckel missverstanden - aus dem Fass herausgerissen. Eine Bierdusche war die Folge.

Um die Besucher besser vorzubereiten, hat Wiesnwirt Michael P. Schottenhamel Aufbauhilfe geleistet, in Japan, England und zuletzt China: Acht Festhallen mit Namen wie "Isarflößer" und "Watzmann" und immerhin 85.000 Plätzen - die neue Pekinger Wiesn sollte fast so groß werden wie die echte mit 15 großen Zelten und 115.000 Plätzen. Für Schottenhamel muss ein Oktoberfest allerdings mehr bieten als "ein bissel Blasmusik und bayerisches Essen". Er will den Geist des Volksfestes weitergeben: "Das gemeinsame Erlebnis, die Gleichheit, die hier herrscht: Der Bankdirektor sitzt neben dem Bauarbeiter und alle trinken Bier zusammen. Das habe ich versucht zu vermitteln."
 

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